Mikaela Shiffrin fährt im Slalom gegen die Olympia-Blockade
Mikaela Shiffrin
Olympia-Fluch? Winterspiele-Blockade? Was ist es, mit dem Mikaela Shiffrin zu kämpfen hat? Warum brachte die weltbeste Skifahrerin, die haushoch Führende im Slalomweltcup, vergangene Woche ihren Torlauf im Teambewerb nicht in gewohnter Manier ins Ziel (15. Laufzeit)? Warum ging ihr im Riesentorlauf der Knopf auch nicht auf (11. Platz)?
Längst unsterblich
Mikaela Shiffrin ist die erfolgreichste Person im alpinen Skisport. Die 30-Jährige hat 108 Weltcupsiege gefeiert, hat fünfmal den Gesamtweltcup und 17 kleine Kristallkugeln gewonnen, darunter neunmal jene für den Slalomweltcup. Sie ist zweifache Olympiasiegerin in Slalom und Riesenslalom 2014 und Silbermedaillengewinnerin in der Kombination 2018. Außerdem hat sie ab 2013 acht Weltmeistertitel gewonnen, die Hälfte davon im Slalom. In der laufenden Saison hat Shiffrin sieben von acht Weltcup-Slaloms gewonnen.
Sie müsste diesen Olympia-Slalom am Mittwoch (10 bzw. 13.30 Uhr/live ORF 1) in Cortina gewinnen, wenn alles normal laufen würde.
Doch Olympische Spiele haben ihre eigenen Regeln. Und das weiß Mikaela Shiffrin. Vor vier Jahren in Peking, da lief überhaupt nichts für den Topstar, für den alles angerichtet schien. In der Abfahrt 18., im Super-G 9., im Riesentorlauf, im Slalom und in der Kombination ausgeschieden, im Mixed-Teambewerb Vierte.
Schon bei der Ankunft in Cortina vor mehr als einer Woche wurde Shiffrin darauf angesprochen. „Olympia kann sich anders anfühlen“, sagt sie. Die Aufmerksamkeit sei größer, die Wege manchmal länger, die Dekoration aufwendiger. „Manchmal wünschte ich mir, dass die vielen Zuschauer, die für die Olympischen Spiele den Fernseher aufdrehen, besser verstehen, was wir so tun“, sagt die zweifache Olympiasiegerin. Vielen ist vielleicht nicht bewusst, wie viel und wie gut sie im Weltcup unterwegs ist, wie viel sie bereits gewonnen hat.
Wenn, dann im Slalom
Wie wird sie es schaffen, im Slalom diesen Zuschauern, auch zu Hause in den USA, zu zeigen, was sie kann?
Sie fängt zu schwärmen an, wenn sie über Slalom spricht. Anders als über den Riesentorlauf, vor dem sie – nach ihrer Verletzung von 2024 – so viel Angst hatte und sich erst langsam zurück in die Topgruppe kämpfte. Im Slalom hat Shiffrin so viel Gefühl für ihre Ski, für den Schnee, für die Linie. Nicht umsonst dominiert sie im Weltcup. „Du musst gleich mit Tempo vom Start loslegen, alles geht so schnell.“
Als sie in dieser Saison oft mit großen Abständen gewann, sprachen viele schon vom „perfekten Slalomschwung“. Doch es gebe immer noch Dinge, die man verbessern könne, sagt Shiffrin und erzählt, wie sie mit dem Trainerteam tüftelt: „Ich glaube, die Zuschauer denken, ich hätte im ersten Rennen mein Niveau erreicht und es die ganze Saison über gehalten. Das fühlt sich für mich aber überhaupt nicht so an.“ Es habe Höhen und Tiefen gegeben, sie habe viel gearbeitet. „Oft geht es dabei um den Umgang mit der Kurssetzung oder anspruchsvollem Gelände.“
In der Teamkombi sei sie an einer „Kombination aus Kursgestaltung, Ausrüstung und Bedingungen“ gescheitert. „Und meine Mentalität passte nicht.“ Im Slalom erwarte sie eine „sehr ähnliche Situation“. „Aber ich werde versuchen, mental anders damit umzugehen.“
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