Als Ski-Legende Franz Klammer bei Olympia zum Kaiser wurde

Gefeierter Held: 60.000 Fans jubelten Klammer zu.
Vor exakt 50 Jahren stand eine ganze Nation still. Der damals 22 Jahre junge Franz Klammer hielt dem enormen Druck stand und gewann Gold in der Abfahrt. Ein Blick zurück.

Befragt, ob er so wie sein „Chef“ einmal Schauspieler werden wolle, schüttelte der junge Franz Klammer den Kopf. „Nein. Wirklich net.“

Sein Chef und gleichzeitiges Vorbild? Das war für ihn Toni Sailer, der 20 Jahre vor ihm in Cortina als (gar dreifacher) Olympiasieger Volksheldenstatus erlangt hatte und später Film- und Bühnenkarriere machte. Der Kärntner Franz Klammer indes wurde zu seiner Überraschung, „gedoubelt“ vom Kärntner Julian Waldner, 2021 zur Hauptfigur im Film „Chasing the Line“, in dem sich alles um Klammers 5. Februar 1976 und die aufregenden Innsbrucker Tage davor und danach dreht;

... als Klammer auf Grund seiner Weltcup-Seriensiege als größter Hoffnungsträger bei Heim-Olympia galt;

... als er just im wichtigsten Rennen auf Weisung seines Firmen-Bosses einen neuen Ski, in dessen Schaufel sich aus aerodynamischen Gründen ein Loch befand, anschnallen hätte sollen;

... als er genervt durch die geforderte PR-Aktion von Trainingslauf zu Trainingslauf (damals sieben, heute maximal drei) langsamer wurde;

... als an einem Donnerstag Schüler unterrichtsfrei bekamen oder mit dem Lehrer vorm TV-Gerät saßen, in Fabriken die Räder still standen und die Wiener Ringstraße zur Rennzeit fast autofrei war;

... als die FIS dem ÖSV mit dem Hinweis auf Chancengleichheit verbot, seine Abfahrer Klammer, Anton Steiner (stürzte mit medaillenverdächtiger Zwischenzeit), Josef Walcher und Klaus Eberhard per Hubschrauber zum Start zu fliegen;

... als sich Franz entgegen des Firmen-Diktats nicht für den Lochski entschied, sondern für jene Brettln, die ihn davor zu Weltcupsiegen getragen hatten;

... als der beim „Ochsenschlag“ postierte Alpinchef Toni Sailer („Ich gab den Franz schon auf“) erschrak, weil Klammer dort völlig aus der Balance geriet, aber akrobatisch („Sailer: „Wie das nur der Franz beherrschte“) einen Sturz vermied;

... als Klammer vor genau 50 Jahren mit durchschnittlich 102,827 km/h und 0,33 Vorsprung (= 9,39 Meter) gegenüber dem Olympiasieger 1972, Bernhard Russi, im gelben Renndress die goldene Medaille eroberte.

1. Klammer (AUT), 2. Russi (SUI), 3. Plank (ITA). Genauso hatte das Resultat bei der Weltcupabfahrt 1975 am Patscherkofel gelautet. Nach dem Olympia-Rennen brachen dort alle Dämme.

Narrischer Edi

Edi Finger war in seiner Kabine schon zwei Jahre vor Fußball-Cordoba narrisch geworden, ehe die Reporterlegende dank einer List ihres Wiener Assistenten (und Hans-Krankl-Intimus) Poldi Kait zum Siegerinterview mit Klammer kam. Kait schnappte sich Klammers Ski, worauf ihn der, sich durch eine Menschenmenge kämpfend, bis zu Fingers Kabine verfolgte.

Noch vor der Siegerehrung bekam das KURIER-Olympia-Team von Wien den Auftrag, im Olympiasieger-Tempo, innerhalb von 48 Stunden, ein Klammer-Buch zu verfassen. Und so saßen Sportchef Josef Huber und ich bis zum Morgengrauen im Keller der Innsbrucker (für Olympia ’76 zum Pressezentrum umfunktionierten) Straßenbahn-Remise, um bis dahin unbekannte G’schichten fürs erste Klammer-Buch zu verfassen. Darunter solche, die am Weitblick mancher ÖSV-Bonzen zweifeln ließen.

So wollte man den jungen Klammer schon aus dem Kader eliminieren. Auch zum Trainingskurs nach Chile war der ungeschliffene Rohdiamant (obwohl der auch das Slalomfahren beherrschte) vom Tirol-dominierten ÖSV erst nach Intervention des Kärntner Landesverbandes mitgenommen worden. Und weil sich Trainer Charly Kahr, ein Steirer, für ihn, so Klammer, eingesetzt habe.

„A bissel Hollywood“

Zuerst aber erzählte am Tag nach der Goldfahrt ein verkaterter Olympiasieger dem ebenfalls übernachtigen Schreiber dieser Zeilen, wie just am Renntag vor der Auffahrt zum Start in derselben Gondel sein Vater vor ihm gestanden war. „Dabei hab i net amoi g’wusst, dass er nach Innsbruck gekommen ist.“

Gattin Eva, die sich auch heute noch in vornehmer Zurückhaltung übt, war hingegen während Olympia nicht in Innsbruck. Anders als im Film, wo sie die Nacht vorm Rennen beim Franz im Olympia-Hochhaus verbrachte, blieb sie in Wien. „A bissl Hollywood muss halt sein“, meint dazu der Franz mit dem für ihn typischen verlegenen Lächeln, das ihn auch für Nicht-Skifans sympathisch machte.

Klammers erster Wunsch, der im KURIER von 7. Februar 1976 als Schlagzeile erschien, klingt 50 Jahre danach noch oder schon wieder aktuell: „Ich brauch jetzt endlich a Sekretärin und a Ruah.“

Der dreifache Opa wird derzeit von Empfang zu Nostalgieabend herumgereicht. Darunter in Bad Kleinkirchheim. Wo der medial längst zum Kaiser Franz geadelte auf einer Skulptur verewigt und eine Rennstrecke nach ihm benannt wurde.

Auch nach Mooswald , wo er als Bauernbub aufgewachsen war, zieht’s den in Wien (neben dem Lainzer Tiergarten) wohnenden 72-Jährigen immer wieder hin. „Von Kärnten hab ich’s net so weit zu den Damen nach Cortina.“

Was die Herren-Abfahrt betrifft, zieht er die TV-Übertragung einer anstrengenden Anreise nach Bormio vor. Dort war Klammer 1985 bei seiner letzten Teilnahme an einem Großereignis WM-Fünfter und damit bester Österreicher geworden.

EVENT "KITZRACEPARTY 2026": KLAMMER

Franz Klammer 2026 mit Tochter Sophie.

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