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22.02.2018

Russlands Curler verlieren nach CAS-Urteil Mixed-Bronze

Die Medaille geht damit nachträglich an Norwegen.

Seit Donnerstag ist es nun offiziell: Das Team der "Olympischen Athleten aus Russland" (OAR) verliert wegen des Meldonium-Dopingfalls von Alexander Kruschelnitzki Mixed-Bronze. Diese Entscheidung traf der Internationale Sportgerichtshof ( CAS). Damit geht diese Medaille nachträglich an Norwegen, das im Spiel um Platz drei dem OAR-Duo 4:8 unterlegen war.

Zuvor hatte Kruschelnitzki einen Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln bei den Winterspielen von Pyeongchang zugegeben. In einem schriftlichen Verfahren entschied der CAS dann am Donnerstag, dass der 25-Jährige und seine Frau Anastassija Brysgalowa, mit der er bei der olympischen Premiere des Mixed-Wettbewerbs angetreten war, ihre Bronzemedaillen verlieren. Kruschelnizki sei schuldig und werde von den Spielen ausgeschlossen.

Das weitere Verfahren und die Neuvergabe der Medaillen liegen laut CAS beim Curling-Weltverband und beim Internationalen Olympischen Komitee ( IOC). Da nach der Disqualifikation des OAR-Teams aber Norwegen automatisch auf Platz drei vorrückt, ist der Fall klar. In A- und B-Probe von Kruschelnitzki war das verbotene Herzmittel Meldonium nachgewiesen worden.

Am Tag zuvor schon hatte die russische Seite bekanntgeben, dass sie auf eine Anhörung beim CAS verzichtet. Dies kommt einem Schuldeingeständnis gleich. Die Russen, die seit Verhängung von Sanktionen in Folge des Manipulationsskandals von Sotschi am 5. Dezember auf Konfrontationskurs zum IOC gegangen waren, ruderten damit erstmals ein Stückchen zurück.

Gespräch zwischen Bach und Lewitin

Möglicherweise versprechen sie sich von dieser Haltung eine größere Chance, dass das IOC am Wochenende die Sanktionen gegen ihr Nationales Olympisches Komitee aufhebt und den Sportlern gestattet, hinter ihrer Flagge zur Schlussfeier am Sonntag einzulaufen.

Womöglich ist auch ein Gespräch zwischen IOC-Präsident Thomas Bach und Igor Lewitin, dem Vizepräsidenten des russischen NOK und Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin, in diesem Zusammenhang wichtig. IOC-Sprecher Mark Adams spielte jedoch die Bedeutung der Begegnung am Donnerstag in Pyeongchang herunter: "Das war nur ein vierminütiges Gespräch." Bach habe Lewitin zum Geburtstag gratuliert und sich ansonsten mit ihm so ausgetauscht, wie er es mit Vertretern anderer Nationen tue. Der Kontakt passt aber ins Bild der Annäherung zwischen dem IOC und Russland.

Adams wollte nicht bestätigen, dass die Russen umgerechnet rund zwölf Millionen Euro für den Anti-Doping-Kampf gezahlt haben. Der Betrag soll eine Kompensation der Kosten sein, die das IOC im Zuge der Untersuchungen des Sotschi-Skandals hatte.

Fahnen-Entscheidung erst am Schlusstag

Voraussichtlich erst am Tag der Schlussfeier entscheidet das IOC, ob die russischen Sportler hinter ihrer Fahne zur Zeremonie ins Stadion einziehen dürfen. Das IOC-Exekutivkomitee werde am Samstagnachmittag die Empfehlung einer dreiköpfigen Untersuchungskommission anhören, sagte IOC-Sprecher Adams. "Danach entscheiden wir über die nächsten Schritte."

Die IOC-Session, die am Sonntagvormittag tagt, werde den Fall dann "natürlich diskutieren". Das Exekutivkomitee würde mit diesem Ablauf die Vollversammlung der IOC-Mitglieder noch um politische Rückendeckung bitten. Rechtlich bindend ist laut Auskunft des IOC aber schon eine Entscheidung der Exekutive.

Eine dreiköpfige Kommission unter Vorsitz von IOC-Mitglied Nicole Hoevertsz von den Niederländischen Antillen prüft derzeit, ob die ohne Flagge und Hymne antretenden "Olympischen Athleten aus Russland" während der Spiele von Pyeongchang den Verhaltenskodex befolgen, den ihnen das IOC auferlegt hatte. Grund für die Sanktionen war die groß angelegte und laut Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) mit staatlicher Unterstützung durchgeführte Manipulation während der Winterspiele 2014 in Sotschi.