Sport | Wintersport | Olympia 2018
20.02.2018

Olympia-Abfahrt: Jagd auf Vonn und Goggia

Für Österreich sind Cornelia Hütter, Nicole Schmidhofer, Ramona Siebenhofer und Stephanie Venier am Start.

"Die Zeiten haben gesprochen", sagte ÖSV-Damen-Cheftrainer Jürgen Kriechbaum am Montagmittag südkoreanischer Zeit. Die teaminterne Qualifikation hat Stephanie Venier und Ramona Siebenhofer ins Aufgebot neben der zuvor mit einem Fixplatz ausgestatteten Cornelia Hütter befördert. Hütter ist auch diejenige Dame, die das Rennen eröffnen wird.

Die Tirolerin Venier markierte im zweiten Training die Tagesbestzeit in Jeongseon (1:39,75 Minuten) und blieb dabei acht Hundertstelsekunden vor der Italienerin Sofia Goggia und 35 Hundertstel vor der Amerikanerin Lindsey Vonn. "Ich habe mein Bestes geben müssen, aber ein bissel Reserven hab ich noch", sagte die 24-jährige Vizeweltmeisterin, die mit Startnummer elf ins Rennen gehen wird. "Es war in diesem Winter lange schwierig, weil ich im Training besser war als in den Rennen. Jetzt fahr’ ich wieder locker und hab’ Spaß."

Mit Platz vier schaffte die Steirerin Ramona Siebenhofer (Startnummer 12) eine Punktlandung (+0,70) – dieser Rang war für die Qualifikation für das Rennen am Mittwoch (Start: 3 Uhr MEZ) gefordert. "Ich war verkrampft, es war viel Anspannung dabei." Und es dauerte, bis der Druck abnahm. Die Erwartungen der 26-Jährigen sind hoch: "Es ist Olympia, da zählen die Medaillen. Ich brauche nicht sagen, Top fünf oder Top Ten wäre gut, das wäre gelogen."

Vorteil Schmidhofer

Der vierte Startplatz ging per Trainerentscheidung an eine weitere Steirerin, nämlich Nicole Schmidhofer, die Achte (+1,27 Sekunden). "Ich bin heute zu sehr auf der Linie gepickt", erkannte die Super-G-Weltmeisterin, die nun ihre Enttäuschung nach dem Olympia-Super-G (Platz 18) wegrasen darf. "Da bin ich komplett neben mir gestanden. Als ich das Video angeschaut habe, hab’ ich mich ernsthaft gefragt, ob das wirklich ich bin. Da hat nichts gepasst, von der Körpersprache angefangen." Sie wird am Mittwoch die Startnummer 17 tragen und damit als letzte aus dem ÖSV-Quartett das Starthäuschen verlassen.

Die fix qualifizierte Cornelia Hütter ist die Montagsfahrt "von der Linie her anders angegangen als am Sonntag, was definitiv nicht der richtige Weg war" – Platz 15 (+1,78). Gleichwohl hatte das Training auch sein Gutes für die Steirerin: "Es ist cool, dass heute so viele Nationen Qualifikation gefahren sind, da kann ich mir viele Videos anschauen und rausfinden, welche Linie in welcher Passage schnell ist."

Die Topfavoritinnen sind freilich andere. Ramona Siebenhofer sprach mit Lindsey Vonn, "sie fühlt sich hier wohl, und was das bedeutet, weiß ja jeder". ÖSV-Damen-Cheftrainer Jürgen Kriechbaum setzt natürlich auf seine Mannschaft: "Stephanie Venier und Ramona Siebenhofer haben den gewissen Speed, den du brauchst auf den langgezogenen Kurven hier, es ist ja fast alles auf der Kante zu fahren, insofern ist es auch eine schwierige Abfahrt. Das kann Lindsey Vonn sehr, sehr gut, das kann auch Sofia Goggia sehr, sehr gut." Das haben beide schon bei der Olympia-Generalprobe im vergangenen Jahr bewiesen, damals hatte freilich die Italienerin die Nase vorn.

Vorrang Snowboard

Einen Vorteil haben die schnellen Ski-Damen jedenfalls alle miteinander: Ester Ledecka, die Olympiasiegerin im Super-G, ist dieses Mal nicht am Start, damit ist ein weiterer Krawonk (© KURIER) ausgeschlossen. Die Tschechin bereitet sich auf das Finale im Parallel-Riesenslalom am Samstag vor, und dort hat sie noch einmal Gold im Sinn. Ebenfalls nicht am Abfahrtsstart ist Mikaela Shiffrin ( USA), die der Kombi am Donnerstag den Vorrang geben wird.

Grübeln bei Veith, Tränen bei Tippler

Weder Anna Veith (21./+2,36) noch Tamara Tippler (23./+2,73) haben sich in der Qualifikation aufgedrängt für einen Startplatz in der Olympia-Abfahrt.

Die Silbermedaillengewinnerin des Super-G spürt "extrem, dass ich hier den Riesenslalom mitgenommen habe, die Belastungen, den Druck auf die Knie und den Umfang mit all den Materialtests. Ich bin schon lange hier und brauche jedes Gramm. Außerdem ist das hier nicht der Typ Abfahrt, der mir in die Karten spielt."

Für Stephanie Venier und Ramona Siebenhofer fand Veith lobende Worte: "Es ist cool, dass sie die Qualifikation geschafft haben, ich bin leider weit weg von den Besten. Der Rückstand ist für mich aber keine große Überraschung. Schon beim Training in Copper Mountain hatte ich gemerkt, dass mir das Timing für die langen Kurven in der Abfahrt komplett verloren gegangen ist."

Eine Beobachtung mit Folgen für die Zukunft: "Im Super-G hilft mir, dass es Kurve auf Kurve geht und die Gleitphasen nur kurz sind. Ich werde mir überlegen müssen, in welche Richtung ich weitergehe. Denn drei Disziplinen sind für mich inzwischen einfach zu viele."

Gedankenspiele

"Wenn ich wieder voll in den Riesenslalom einsteigen will, werde ich wohl die Abfahrt sein lassen, aber da habe ich noch viel Zeit zum Nachdenken im Sommer. Du musst für die Abfahrt halt so viel Aufwand betreiben, und dann ist das Wetter schlecht – im Riesenslalom kannst du in der Zeit das Dreifache an Training rausholen." Was bleibt von Südkorea? " Ich nehme richtig gute Erinnerungen mit. Wenn ich an meine Performance im Super-G denke, geht mir immer noch die Ganslhaut auf. Dass diese Silbermedaille passiert ist, bedeutet mir richtig viel."

Tamara Tippler hatte zwar Tränen in den Augen, "aber es ist ja nicht das letzte Rennen meiner Karriere. Ich bin heute gleich mit einem Riesenfehler gestartet, und dann hat mir der Speed gefehlt."