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12.02.2018

Gasser nach Slopestyle-Farce "böse und enttäuscht"

Die Mitfavoritin aus Kärnten wurde im Slopestyle-Bewerb nur 15.

Anna Gasser und Olympia - das ist noch keine Liebesbeziehung. Auch der zweite Auftritt bei Winterspielen endete für die Kärntnerin mit einer großen Enttäuschung. Schon 2014 in Sotschi war die Medaillenhoffnung leer ausgegangen, vier Jahre später verpatzte der Snowboard-Star den Slopestyle-Bewerb völlig und blieb als 15. weit hinter den Erwartungen. Gasser hat in PyeongChang noch eine Chance auf eine Medaille. Im Big Air gilt die Österreicherin als Topfavoritin.

Auch den Boarderinnen machte der heftige Wind zu schaffen. Kaum eine Athletin meisterte die Sprünge ohne Probleme, einige Boarderinnen hatten sogar über einen Startverzicht nachgedacht. Am Ende wurde doch eine Olympiasiegerin gekürt, die US-Amerikanerin Jamie Anderson war eine Klasse für sich. Silber holte sich die Kanadierin Laurie Blouin (76,33), Bronze die Finnin Enni Rukajärvi (75,38).

"Es war schon sehr gefährlich, ich bin einfach froh, dass mir nichts passiert ist. Wenn ich mich verletzt hätte, weil man einen Contest unter solchen Bedingungen abhält, wäre das schlimm gewesen. Ich bin nicht auf mich selbst böse, ich bin nur böse und enttäuscht, dass es unter den Verhältnissen durchgeführt wurde", sagte Gasser.

Uneinsichtige Siegerin

Mitstreiterin Anderson hatte sich bei ihr am Montag nicht gerade beliebt gemacht. "Alle Mädels wollten, dass es verschoben wird, außer sie, weil sie wusste, dass sie bei solchen Verhältnissen einen Sicherheitsrun machen kann. Alle waren dagegen", erzählte die Kärntnerin. Die Organisatoren hätten schon nach Lösungen gesucht, dann aber gesagt, wenn es heute nicht stattfindet, werde alles gecancelt.

"Das finde ich nicht fair, also hatten wir einen Druck. Dann sagte Jamie, Mädels, es ist nicht so schlimm, probieren wir es. Sie war der ausschlaggebende Punkt. Ich wusste, dass ihr das taugt. Weil bei guten Verhältnissen reicht ein Sicherheitslauf nicht." Im Weltcup wäre ein Contest bei diesen Bedingungen nicht durchgeführt worden, ist sich Gasser sicher. Nicht anzutreten war aber keine Überlegung. " Olympia ist alle Jahre. Natürlich ist es schade, wenn man genau auf was hintrainiert, dass dann so was passiert."

Die drittplatzierte Rukajärvi sprang Gasser zur Seite: "Es war ziemlich gefährlich. Man wusste nicht, was einen erwartet. Sie hätten es absagen oder verschieben sollen." Anderson und Blouin indes meinten, es hätte keine Diskussionen vor dem Start gegeben.

32 stürzten

Nachdem am Vortag die Qualifikation wegen starken Windes abgesagt worden war, wurde die Finalentscheidung am Montag mit allen Teilnehmerinnen in nur zwei statt drei Runs durchgeführt. Unterm Strich absolvierten 25 Teilnehmerinnen insgesamt 50 Runs, 32 davon endeten mit einem Sturz. Das Niveau war eines olympischen Bewerbs unwürdig, zumal die Boarderinnen in den vergangenen Jahren ihre Tricks stark verbessert und sich die Szene deutlich entwickelt hatte.

"Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Ich bin vom Veranstalter enttäuscht, dass er das heute durchgezogen hat", schüttelte Gasser abermals den Kopf. "Jede hatte einen anderen Wind, und echt Gute wie die Japanerinnen hatten einfach keine Chance. Man hat wirklich ein Glück haben müssen mit dem Wind und dass man keine Böe bekommt. Eine olympische Medaillenentscheidung soll keine Wind-Lotterie sein."

Die Freestylerinnen wurden unter ihrem Wert verkauft, das wusste auch Gasser. "Vom Fahrerischen können wir Mädels mehr, das war jetzt keine gute Show für unseren Sport. Die Runs in Sotschi waren besser als hier. Es gibt so viel Progression im Sport, dass es schade ist, dass wir das nicht zeigen haben können." Aufgrund der langsamen Verhältnisse wegen des Gegen- und Aufwindes landeten viele Läuferinnen einfach zu kurz.

Der Ski-Weltverband (FIS) verteidigte seine Entscheidung. "Die oberste Priorität der FIS ist die Sicherheit der Athleten, und die FIS würde niemals einen Wettkampf veranstalten, wenn diese nicht sichergestellt werden kann", hieß es in einer Stellungnahme. Die Wetterbedingungen seien "innerhalb der Grenzen" gewesen.

In den Schnee gegriffen

"Im ersten Run habe ich noch den Double gezeigt, ich dachte mir, vielleicht brauche ich das. Jetzt im Nachhinein, nachdem ich den Winning Run von Jamie gesehen habe, denke ich mir, hätte ich ihn nicht riskieren müssen. Aber das weiß man einfach nicht", sagte Gasser. Sie selbst griff bei der Landung in den Schnee, weil sie zu weit war, und verzichtet auf einen weiteren Trick. Anderson gab zu: "Bei anderen Contests hätte mein Run kaum für das Finale gereicht."

Als Zwölfte ging Gasser in die Entscheidung, hielt sich in der Rail-Sektion schadlos, geriet aber auf dem vorletzten Kicker zu weit. "Ich kann nicht einmal sagen, dass ich selber viel Schuld daran hatte. Ich hatte einfach eine Windböe nach unten und bin fünf Meter weiter als geplant gesprungen." Sie wisse, wenn sie ihren Run gelandet hätte, wäre sie vorne mit dabei gewesen, aber wenn der Speed nicht passe, gehe das nicht." Im Big Air hofft sie nun auf faire Verhältnisse, dort ist sie Topfavoritin.