ÖSV-Ass Julia Scheib: „Warum soll es jetzt nicht auch gut laufen?“

Julia Scheib kann am Samstag in Åre als erste Österreicherin nach zehn Jahren den Riesentorlauf-Weltcup gewinnen.
Julia Scheib im Zielraum.

Der Weltcupkalender hat es nicht wirklich gut gemeint mit Julia Scheib. Einen Monat ist es inzwischen her, dass die beste Riesentorläuferin des Winters bei Olympia nach vielen Patzern vom Erfolgskurs abgekommen ist (Rang 5), und seither wartet die Steirerin darauf, der Welt endlich zeigen zu können, dass sie in dieser Disziplin die wahre Nummer eins ist.

Am Samstag steht in Åre (10/13 Uhr, live ORF1) wieder ein Riesentorlauf auf dem Programm und man darf gespannt sein, ob Julia Scheib nun mit der Wut im Bauch fährt oder nicht doch eher mit Köpfchen an ihr großes Karriereziel gelangen will: den Sieg im Riesentorlaufweltcup. „Natürlich ist das in meinem Kopf“, sagt die Steirerin.

Seit der Saison 2015/’16 (Eva Maria Brem) hat keine Österreicherin mehr im Riesentorlaufweltcup gewinnen können, nun ist alles angerichtet für einen Triumphzug von Scheib Richtung kleiner Kristallkugel.

Großer Vorsprung

Nur noch zwei Gegnerinnen können der 27-jährigen Riesentorlaufspezialistin den Gesamtsieg noch streitig machen, der Vorsprung auf die Schweizerin Camille Rast (89 Punkte) und die Schwedin Sara Hector (131) erscheint bei zwei ausstehenden Rennen aber komfortabel. Vor allem dann, wenn sich Julia Scheib so präsentiert wie in den meisten Riesentorläufen in diesem Winter.

Zwei Ausfällen stehen vier Siege und zwei zweite Plätze gegenüber, die Trainer bescheinigen der Senkrechtstarterin gerade den schnellsten Riesentorlauf-Schwung im Weltcup. „Man arbeitet so lange auf ein Ziel hin. Und jetzt ist es zum Greifen nahe. Ich versuche, alles reinzulegen“, sagte Julia Scheib vor dem Rennen in Åre.

Die Österreicherin hat sich vorgenommen, die Gesamtwertung auszublenden und keine Rechnungen anzustellen. Die Frage ist nur, ob ihr das dann im Rennen auch tatsächlich gelingt. „Ich versuche, mich aufs Wesentliche zu konzentrieren und mich nicht zu verzittern“, betont die Steirerin. Nachsatz: „Aber natürlich werde ich schauen, dass ich bei meiner Risikobereitschaft die Balance halte.“ Einen Ausfall samt großem Showdown beim Weltcupfinale in Norwegen kann keiner brauchen.

Große Bedeutung

Julia Scheib macht kein Hehl daraus, dass der enttäuschende Auftritt bei den Olympischen Spielen bei ihr Spuren hinterlassen hat. „Die Tage danach waren nicht einfach. Ich habe Zeit für mich gebraucht“, gibt die 27-Jährige zu. „Jetzt kann man es nicht mehr ändern. Aber man kann für die Zukunft Sachen ändern, die vielleicht nicht so gelaufen sind.“

Wobei für die Steirerin die Kristallkugel ohnehin einen größeren Wert hat als eine Medaille bei einem Großereignis. „Es gehört so viel dazu, um eine Kugel zu gewinnen. Es gibt für mich in meiner Disziplin fast nichts Größeres. Dafür braucht man Konstanz und muss ständig abliefern. Da wäre ich sehr stolz auf mich.“

Die Erfolgsrechnung ist eigentlich sehr simpel: Julia Scheib muss in Åre nur das tun, was sie heuer schon vier Mal gemacht hat: gewinnen. Bei einem Sieg ist der Steirerin die kleine Kristallkugel sicher.

Wie meint doch gleich Julia Scheib: „Es ist in dieser Saison so vieles so gut gelaufen. Daher gehe ich mit der Einstellung ins Rennen: Warum soll es jetzt nicht auch gut laufen?“

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