Olympia-Silber durch Liensberger: Punktlandung der Stehauf-Frau

Eine strahlende Skirennläuferin mit einer Silbermedaille der Olympischen Spiele Beijing 2022 und einem Blumenstrauß.
Die Vorarlbergerin ist beim ÖSV die Frau für die wichtigen Rennen. Mit erst 24 Jahren gewann sie ihre bereits sechste Medaille bei einem Großereignis.

„Es waren so schwierige Zeiten“, sagte Katharina Liensberger rückblickend. So viel sei in dieser Ski-Saison nicht nach Plan gelaufen. Immer wieder war sie verkühlt, rund um Weihnachten hatte sie mit einer Corona-Infektion zu kämpfen. Doch Katharina Liensberger ist eine Frau für Großereignisse. Vier WM-Medaillen, zwei davon in Gold aus Cortina d’Ampezzo, liegen bereits daheim in Göfis, dem 3.300-Einwohner-Ort in Vorarlberg.

Werte

Nach Silber im Teambewerb 2018 in Pyeongchang holte sie mit Silber im Slalom nun auch ihre erste Einzelmedaille bei Olympia. Naturgemäß hat diese einen höheren Stellenwert. Nicht so bei Liensberger.

„Die Medaille ist immer so viel wert, wie man ihr als Wert zuschreibt“, versucht sie sich als Philosophin. „Für mich steckt jedes Mal eine unglaubliche Geschichte dahinter.“

Silber 2018 Vor vier Jahren in Südkorea habe sie jedes Duell gewonnen, auch gegen Slalom-Olympiasiegerin Frida Hansdotter. „Das sind Momente, die man aufnimmt und die die Medaille so besonders machen.“

Silber 2022 Heuer habe Silber so große Bedeutung, weil es bisher sportlich und gesundheitlich nicht ganz nach Plan gelaufen ist – und dann starb im Winter auch noch ihr geliebter Großvater. „Es war sehr emotional. Der Opa ist mit mir runtergefahren und hat mir geholfen. Die Medaille heute hat so einen großen Stellenwert, weil ich weiß, was in dieser Saison alles passiert ist. Das gibt mir ein extremes Vertrauen, dass es gut genug ist, was ich mache. Ich bin so stolz auf mich. Denn wenn der Körper nicht mitspielt, kann man noch so viel wollen – es geht nicht.“

Befreiung

Tatsächlich schaffte die erst 24-Jährige auf dem chinesischen Kunstschnee den Befreiungsschlag nach einem durchwachsenen Winter. In dem einen Lauf, in dem es zählte, konnte sie ihre Leistung abrufen, von Halbzeit-Rang sieben carvte sie noch zu Silber. Nur die Slowakin Petra Vlhova war um acht Hundertstelsekunden schneller, die Schweizerin Wendy Holdener freute sich über Bronze.

Mantraartig wiederholt Liensberger bei jedem Interview immer wieder ihre Grundsätze: Auf sich selbst konzentrieren wolle sie sich, mental ganz bei sich sein, einfach gut Ski fahren. Ihr Rezept, pünktlich bei Großereignissen die Leistung abrufen zu können, klingt so logisch wie einfach: „Ich setze mir Ziele und tue alles dafür, sie zu erreichen.“

Eine Skirennläuferin jubelt mit Skiern und Stöcken bei den Olympischen Spielen in Peking 2022.

Sowohl körperlich, mental als auch im Umfeld. So fand sie etwa gemeinsam mit ihrem Servicemann die perfekte Abstimmung des Materials für die ungewöhnlichen Pistenverhältnisse. Das optimale Arbeitsgerät ermöglichte ihr wiederum, endlich richtig Spaß am Sport zu haben. „Es ist unglaublich, dass ich meine Leistung so zeigen und bis zum Schluss durchziehen konnte“, sagt sie. „Darüber bin ich happy und auch dankbar. Denn manchmal fahre ich so locker runter, es fühlt sich alles leicht an – aber es ist nicht schnell.“ Genau das sei im ersten Lauf passiert.

Damen-Cheftrainer Christian Mitter beschreibt Liensberger als äußerst nervenstark, was sie schon mehrmals bewiesen habe. Die Medaille habe nicht nur für die Athletin große Bedeutung, sondern für das gesamte Team: „Wir von der Technik-Truppe sind seit 18. Jänner in Quarantäne und kommen erst am 21. Februar wieder zurück.“

Für den 19. Februar ist der Mannschaftsbewerb geplant – vermutlich mit Katharina Liensberger. Sie bleibt in China, denn „es macht richtig viel Spaß, auf so einem Niveau fahren zu können.“

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