Das neue Ski-Wunderkind

Croatia Alpine Skiing World Cup
Foto: AP/Darko Bandic Mikaela Shiffrin hat derzeit allen Grund zur Freude.

Die 17-jährige Ski-Rennläuferin Mikaela Shiffrin wandelt auf den Spuren von Annemarie Moser-Pröll.

Mikaela Shiffrin wirkt unbekümmert. Sie plaudert fröhlich über ihren dritten Weltcupsieg in Flachau ("It’s sooo amazing") und lacht ausgelassen, während sie erzählt, von wem sie sich ihre Coolness abgeschaut hat: "Von Tanja, die habe ich immer im Fernsehen gesehen", sagt die 17-jährige Skirennläuferin und deutet auf ihre Nachbarin am Siegespult, Tanja Poutiainen. Da muss auch die Finnin lachen.

Das Slalom-Wunderkind aus den USA scheint ruhig und gelassen. Keine Spur von Nervosität. Als hätte sie nicht soeben mehr als 43.000 Euro gewonnen. Als dürfte sie nicht als Weltcupführende bereits in ihrer zweiten Saison von der kleinen Kristallkugel träumen. Als würden nicht gerade Journalisten aus aller Welt gespannt ihren Worten lauschen. Trotz ihres jungen Alters meistert die 17-Jährige den Rummel um ihre Person souverän – vielleicht auch gerade deshalb.

Dabei hat Mikaela Shiffrin am Dienstagabend beim Nachtslalom in Flachau Skigeschichte geschrieben, oder besser gesagt eine bereits bekannte erweitert. Denn am Tag ihres dritten Weltcupsieges war die US-Dame mit dem flinken Slalomschwung exakt 17 Jahre und 308 Tage alt – genauso alt wie einst die große Annemarie Moser-Pröll bei ihrem dritten Erfolg.

Jungstar Mikaela Shiffrin mischte in dieser Saison die Slalomwelt auf. Die 1995 in Vail/Colorado geborene High-School-Schülerin hat im zarten Alter von 17 Jahren bereits vier Weltcup-Siege auf ihrem Konto. Die ersten Punkte im Weltcup sammelte sie im November 2011 als sie im Aspen-Slalom Achte wurde. Einen Monat später erreichte sie im Alter von 16 Jahren und 9 Monaten im Slalom von Lienz den ersten Podestplatz in einem Weltcuprennen. Die ersten Siege kamen in diesem Winter. Am 20. Dezember 2012 gewannen die den Slalom von Åre. Zwei weitere Siege folgten am 4. Jänner 2013 in Zagreb und ... ... am 15. Jänner in Flachau. Auch bei der WM ließ sie sich das Siegen nicht nehmen und reiste mit Slalom-Gold aus Schladming ab. Beim Herzschlagfinale in Lenzerheide um den Slalom-Weltcup packte sie noch einmal all ihr Können aus und fing noch Tina Maze ab. Die ganze Welt fragt sich nun, wo die 170 cm große Amerikanerin ihre Kraft her schöpft. Vielleicht aus den Nudeln ihres Sponsors?

Großes Talent

"Mikaela ist einfach so unbeschwert und steht so geil auf dem Ski. Das muss man neidlos anerkennen", sagt Kathrin Zettel über die junge Konkurrentin aus den USA. Auch Günter Obkircher, Technik-Trainer der österreichischen Damen, zeigt sich beeindruckt: "Sie ist ihrem Alter weit voraus, sie fährt schnell und hat dennoch bereits eine sehr stabile Technik." Und sogar Maria Höfl-Riesch, die deutsche Slalom-Olympiasiegerin von 2010, ist froh, dass sie sich nicht mehr allzu lange mit "Mika" herumschlagen wird müssen: "Die wird noch eine ganz Große."

Barilla Mikaela Shiffrin Dinner Foto: AP/Nathan Bilow Shiffrin genießt den Starrummel Aber Talent allein ist es nicht, das die Highschool-Schülerin zur derzeit besten Slalomfahrerin der Welt gemacht hat. Mikaela Shiffrin ist ehrgeizig und seit ihrer Kindheit in Vail (Colorado) stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen. "Zuerst wollte ich besser sein als die älteren Mädchen und irgendwann dann auch besser als die Burschen", erzählt die Rennläuferin, die von ihrer Mutter Eileen zu den Weltcuprennen begleitet und vom Vorarlberger Ex-Rennläufer Kilian Abrecht gemanaget wird. Mama Shiffrin sorgt auch dafür, dass die täglichen Schularbeiten (ihre Prüfungen absolviert Mikaela per Internet) bis zum Abschluss im Juni nicht zu kurz kommen. "Danach hat das Skifahren Vorrang."

Eine Erklärung, warum sie den Konkurrentinnen speziell in den untersten Abschnitten davonfährt, hat die 1,70 Meter große Athletin nicht. Braucht sie aber auch nicht. "Kennen Sie das, wenn Kinder so schnell laufen, wie sie können, und nicht zu stoppen sind? Bei mir ist es genau so." Sprach’s und lachte.

Große Ziele

Die viertjüngste Dreifach-Siegerin der Geschichte ist Mikaela Shiffrin schon. Mit 130.000 verdienten Euro ist die Slalomweltcup-Führende außerdem Zweite im Prämienranking hinter Tina Maze. Und auch der Vergleich mit US-Star Lindsey Vonn ist längst angestellt. "Ich will aber meine eigene Erfolgsstory schreiben." Welche Ziele bleiben nach so einem kometenhaften Aufstieg noch? "Irgendwann möchte ich überall die Jüngste sein."

Schnelle Karriere

Das US-Wunderkind

Barilla Mikaela Shiffrin Dinner
Foto: AP/Nathan Bilow

Mikaela Shiffrin wurde am 13. März 1995 in Vail (Colorado) geboren. Im März 2011 gab sie mit 16 Jahren ihr Debüt im Weltcup und machte bereits bei ihrem vierten Einsatz in Aspen (Slalom) mit Platz acht erste Punkte. Der erste Podestplatz folgte einen Monat später in Lienz, wo sie hinter Marlies Schild und Tina Maze Dritte wurde. Nach drei Slalomsiegen in der Saison 2012/2013 in Åre, Zagreb und Flachau zählt die 17-Jährige zu den Favoritinnen für die WM.

Jung und schnell

Die jüngsten Dreifach-Siegerinnen

Christa Zechmeister (D) 16 Jahre und 43 Tage beim Slalom 1974 in Les Diablerets (CH).

Patricia Emonet (F) 16 Jahre und 242 Tage beim Slalom 1973 in Heavenly Valley (USA).

Perrine Pelen (F) 16 Jahre und 246 Tage beim Slalom 1977 in Sun Valley (USA)

Annemarie Moser-Pröll (Ö/Bild) 17 Jahre und 308 Tage beim Slalom 1971 in St-Gervais (F).

Mikaela Shiffrin (USA) 17 Jahre und 308 Tage beim Slalom 2013 in Flachau (Ö).

(apa) Erstellt am
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