ORF-Starregisseur: "Das ist der 100-Meter-Lauf der Winterspiele"

Herr der Bilder: Michael Kögler führt  Regie.
Michael Kögler ist bei der Männer-Abfahrt am Samstag im Bilde. Der ORF-Regisseur betreibt mit seinem Team einen enormen Aufwand, um die Königsdisziplin in die Wohnzimmer zu liefern.

Der Blick von Michael Kögler richtet sich dieser Tage gerade wieder einmal öfter nach oben als sonst. Ist da womöglich irgendwo eine lästige Nebelbank über der Stelvio-Piste? Schneit’s vielleicht zur falschen Zeit? Oder taucht aus heiterem Himmel ein anderer Spielverderber auf?

All diese Wetterkapriolen wären zwar nicht in der Lage, die TV-Übertragung der Olympia-Abfahrt der Herren in Bormio in ein schlechtes Licht zu rücken. Aber bei dem immensen Aufwand, den der Starregisseur des ORF und sein Team für das Spektakel am Samstag betreiben, wäre das viel gepriesene Postkartenwetter samt Sonne und blauem Himmel natürlich ein Lottosechser. „Das sind die perfekten Bilder, die jeder sehen will.“

Eingeschossen auf Biathlon

Eigentlich hatte sich Michael Kögler bei diesen Winterspielen ganz auf Antholz und die Biathlon-Bewerbe eingeschossen. Bereits 2018 in Korea und 2022 in Peking hatte der Niederösterreicher mit seiner Übertragung für ein TV-Schützenfest gesorgt. Aber dann wurde er vom Olympic Broadcasting Services (OBS) kurzfristig nach Bormio abgezogen, um die Herren-Skirennen und die Olympia-Premiere des Skibergsteigens ins rechte Bild zu rücken.

 „Das sind die perfekten Bilder, die jeder sehen will.“

Michael Kögler

„Die Verantwortlichen von OBS haben gemeint: ,Wir wollen, dass es so ausschaut wie in Kitzbühel’“, erzählt Michael Kögler. „Das ist eine große Ehre: Der Herren-Abfahrtslauf ist so was wie der 100-Meter-Lauf der Winterspiele.“

Über die letzten eineinhalb Jahre hat der 61-Jährige die Stelvio-Piste erobert und nach zahlreichen Begehungen mit Kennerblick neue Kamerapositionen ausgemacht, die nun die Herausforderungen dieser spektakulären Abfahrt noch besser in Szene setzen sollen.

53 Kameras sowie mehrere Drohnen werden am Samstag bei der Olympia-Abfahrt zum Einsatz kommen, in den Fokus gerät dabei der legendäre San-Pietro-Sprung. „Den allein haben wir von sieben verschiedenen Kamerapositionen. Bei einer fliegt der Abfahrer direkt in die Linse“, erzählt Kögler. „Es geht um den Kampf Athlet gegen Berg, den will ich einfangen.“

Es gibt im Hintergrund freilich auch den Kampf Kameramann gegen Berg, die steile Stelvio ist eine extreme Herausforderung. „Du musst die Kameraleute erst einmal an ihre Positionen bringen. Die brauchen Equipment und teilweise Sicherheitsgurte. Das ist ein enormer Aufwand, den wir da betreiben.“ Kögler befehligt in Bormio ein internationales Team von 126 Mitarbeitern, die meisten von ihnen waren auch schon bei der Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel dabei.

Allein schon dieser immense Einsatz von Personal und Ressourcen hätte sich am Samstag perfekte Bedingungen verdient. Nämlich in doppelter Hinsicht. Denn bei widrigeren Bedingungen werden gerne einmal die Startintervalle zwischen den einzelnen Läufern verkürzt, um die Abfahrt möglichst schnell durchzubringen.

Damit würden die TV-Seher zwangsläufig spannende und emotionale Szenen auf der Piste und im Ziel nicht in adäquater Weise zu Gesicht kriegen. „Die Abfahrer brauchen hier herunter knapp zwei Minuten. Im Ziel sind sie aber so fertig, dass es oft 15 Sekunden benötigt, bis sie richtige Emotionen zeigen. Aber genau diese Bilder will ich unbedingt zeigen und dazu noch kurz Super-Zeitlupen einspielen.“

Für Samstag ist ein Startintervall von 2:45 Minuten geplant. Genug Zeit für Michael Kögler, um jeden Abfahrer richtig in Szene setzen zu können und für einzigartige Bilder zu sorgen.

Aber wehe es taucht irgendwo eine Nebelbank auf. Oder ein anderer Spielverderber. „Das ist unser Los. Es ist ein Freiluftsport, das muss ich dann akzeptieren.“

Bei seiner nächsten großen Herausforderung nach Olympia ist er zumindest diese Sorge los. Beim Songcontest, bei dem Michael Kögler Regie führen wird, sind höchstens einige Besucher benebelt.

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