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Sport Wintersport
02/21/2019

Mario Stecher: „Wir sind auf dem richtigen Weg"

Der Nordische Direktor erklärt, warum die ÖSV-Athleten nicht „Glück ohne Ende“ brauchen, um Medaillen zu gewinnen.

von Christoph Geiler

Mittwochabend wurde die Nordische Weltmeisterschaft in Seefeld mit Stefan Kraft als österreichischem Fahnenträger eröffnet, heute fallen im Langlauf-Sprint die ersten Medaillenentscheidungen. Mario Stecher erlebt das erste Großereignis in seiner neuen Funktion als Nordischer Direktor des ÖSV.

Der Pitztaler ist ein Mann klarer Worte und Entscheidungen. Das wurde bei der Zusammenstellung des WM-Aufgebots deutlich. Wobei er festhält: „Die Frage, wer nominiert ist, wird in meinen Augen überbewertet.“

KURIER: Inwiefern wird sie überbewertet?

Mario Stecher: Weil in Wahrheit ja nicht die Trainer den Athleten nominieren, sondern die Sportler stellen sich selbst auf. Durch ihre Leistungen. Die Sportler hatten in den Wochen vor der WM mehr Stress als wir von der sportlichen Führung.

Sie mussten nun erstmals Personalentscheidungen treffen: Wie leicht bzw. schwer ist es Ihnen gefallen, Sportlern zu erklären, dass sie die Heim-WM nur als Zuseher erleben?

Keine Frage, das sind wahnsinnig schwierige Momente und Gespräche. Weil ich genau weiß, wie viele Entbehrungen die Sportler auf sich genommen haben, um in Seefeld dabei zu sein. Aber einer muss das halt machen. Wobei es nicht einfach ist, wenn man Athleten, die gute Freunde sind, enttäuschen muss. Ich weiß, das ist bitter, aber es verlangt von beiden Seiten Professionalität.

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Sie haben als Ziel vier Medaillen ausgegeben. Ist das nicht ein wenig hoch gegriffen?

Alles andere wäre nicht ich, das würde nicht zu mir passen. Ich will Ziele ausgeben, die einerseits realistisch sind, zugleich aber auch nicht ganz leicht zu erreichen.

Wie realistisch sind denn überhaupt Medaillen im Skispringen? Oder anders gefragt: Kamen in Ihnen während des Winters nie Zweifel auf?

Natürlich haben wir enorme Tiefschläge erleiden müssen, gerade zu Saisonbeginn oder beim Neujahrsspringen in Garmisch. Aber ich habe mir immer gedacht: ,Das wird funktionieren, wir sind auf dem richtigen Weg.’

Was hat Sie so sicher gemacht?

Ich habe gesehen, wie hart die Leute arbeiten. Und wir haben in diesen Momenten die Ruhe bewahrt, wir sind nie in Panik verfallen. Das ist entscheidend, und das hat Cheftrainer Andreas Felder einfach auch sensationell gemacht.

INTERVIEW MARIO STECHER / ANDREAS FELDER

Haben Sie ihn auch deshalb vor einem Jahr zum Nachfolger von Heinz Kuttin bestellt?

Das war sogar der Hauptgrund. Weil mir klar war, dass du da vorne einen brauchst, der Ruhe bewahrt. Er spielt das nicht, er ist so, weil er in seiner Karriere einfach schon so viel erreicht und erlebt hat. Er ist der Fels in der Brandung, den jedes Team braucht.

Darf man jetzt von den Springern eine Medaille erwarten, oder ist das zu hoch gegriffen?

Drehen wir es einmal um. Ich würde nicht sagen, dass wir eine Medaille erwarten dürfen. Aber wir sind jetzt zumindest wieder in der Lage und Position, unter die ersten drei zu springen. Diese Chance besteht und ist realistisch.

Und das war nicht immer so?

Definitiv nicht. Wenn ich an den letzten Winter und die Olympischen Spiele in Korea zurück denke: Da war jedem klar, dass schon alles zusammenpassen muss, dass sich vielleicht irgendwie eine Medaille ausgeht. Die Ausgangsposition ist heute zum Glück eine andere: Wir können es aus eigener Kraft schaffen und brauchen nicht Glück ohne Ende. Und das ist gut, dass nicht alles nur mehr auf Glück basiert.

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Und doch reduziert sich wahrscheinlich alles wieder auf Titelverteidiger Stefan Kraft, der als einziger Österreicher regelmäßig vorne gelandet ist.

Er ist halt nach wie vor der herausragende Springer in unserem Team. Aber immerhin gibt es inzwischen Leute, die ihm den Rücken stärken und sich in einer guten Lauerposition befinden. Ich wünsche mir für dieses Team eine Medaille. Das wäre wichtig für das gesamte Gefüge. Und eine Bestätigung, dass wir gut gearbeitet haben.

Mit Gregor Schlierenzauer fehlt ein prominenter Springer. Sind Sie überrascht?

Ich hätte eine Teilnahme jedenfalls nicht für unrealistisch gehalten. Er hat ja nicht umsonst 53 Weltcupspringen gewonnen. Er muss was können und ein großartiger Athlet sein.

Aber ...

... aber er hat halt leider noch immer auch für sich den Anspruch, etwas Großartiges leisten zu müssen. Und das ist schwierig.

Warum tut er sich so schwer?

Vorweg: Es ist seitens des Skiverbandes alles gemacht worden, um ihm zu helfen. Umgekehrt hat auch Gregor alles unternommen, um es noch zur WM zu schaffen. Aber es hat für ihn nicht gereicht. Er hatte gute Ansätze, ist aber wieder in das alte Schema gefallen.

Was muss er ändern?

Er darf vor allem nicht ständig nach links und nach rechts schauen. Sondern muss von sich überzeugt sein und den Weg konsequent durchziehen.

Wie geht’s mit ihm weiter?

Er muss das in letzter Konsequenz selbst entscheiden. Wir haben ihm die Chancen gegeben, er hat alle Unterstützung genossen. Auf der anderen Seite gibt es aber Athleten, die gute Leistungen im Kontinentalcup gezeigt haben und sich daher auch die Startplätze verdient haben. Daher muss der Gregor in den Kontinentalcup gehen, wenn er zurück kommen will. Ihm wird nichts geschenkt, aber er hat uns auch gesagt, dass er nichts geschenkt haben will.

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