Mario Matt am Weg zum Erfolg.

© Reuters/CHRISTIAN HARTMANN

Ski alpin

Der alte Mann und das Mehr

Mario Matt, 34, feiert seinen 14. Slalom-Weltcupsieg – und Bruder Andreas feiert mit.

von Stefan Sigwarth

12/15/2013, 05:35 PM

Im Vergleich zu Chris Horner ist Mario Matt mit seinen 34 Jahren ein Junghupfer: Der Radrennfahrer aus den USA hat im Herbst die Spanien-Rundfahrt gewonnen, mit 41, so etwas hatte es zuvor noch nie gegeben. Doch Mario Matt ist im Slalom-Weltcup jetzt der Chris Horner, denn der Tiroler ist seit Val d’Isère der älteste Slalom-Sieger der Skigeschichte. „Aber bis 41 werd’ ich sicher nimmer fahren“, sagte der Flirscher und lachte.

Alt und gut, das war das Motto an diesem Sonntag, nachdem sich Marcel Hirscher im Stangenwald verfahren hatte (siehe nebenstehenden Artikel). Denn mit Patrick Thaler stand ein sichtlich gerührter Südtiroler neben Matt auf dem Podest, und der Dritte aus dem Sarntal ist sogar noch 382 Tage älter als Matt. Dazwischen: Mattias Hargin aus Schweden, mit 28 quasi ein Skischüler.

Im Gleichschritt

Thaler, der vor drei Jahren zwischenzeitlich schon aus dem italienischen Skiteam geflogen war, setzt wie Matt auf das Trainingsmotto „Weniger ist Mehr“. Beide verzichteten auf Überseereisen im Sommer und Herbst, „zwei Monate Vorbereitung müssen für mich reichen“, sagte Matt, „zu viel Training im Sommer ist sinnlos.“

Jungvater Thaler (Sohn Leon ist eineinhalb) hatte zwischen den beiden Durchgängen eine Videobotschaft seiner Frau Evi erhalten, „Leon hat gelacht und ,Papi, Papi!‘ gerufen“, das gab vielleicht auch noch Auftrieb. So oder so, Thaler hat nun seinen zweiten Podestplatz nach dem dritten Rang von Kitzbühel vor fast fünf Jahren.

Angefangen hat er im Weltcup am 8. März 1997, damals fuhr er mit Alberto Tomba im japanischen Shigakogen Riesenslalom, „und ich hab’ ihn sogar geschlagen. Nur gebracht hat mir das nix, denn ich war 31. und er 33.“ So lange der Körper mitmacht, will er weiterfahren. Thaler hat mit Olympia noch eine Rechnung offen (Ausfälle 2006 und 2010), die Qualifikation für Sotschi sollte nun immerhin erledigt sein.

Gleiches gilt für Mario Matt, beiden macht halt der Rücken immer wieder Kummer. „Aber das hab’ ich schon seit acht Jahren“, und nachdem das Krafttraining mit zunehmendem Alter eher bessere Ergebnisse bewirkt, ist der Arlberger zuversichtlich – seine Highlights, die Klassiker im Jänner, kommen ja erst. Dann sollen zu seinen jetzt 14 Weltcupsiegen weitere kommen, womit er den aktuellen österreichischen Co-Rekordhalter Benjamin Raich überholen würde.

Der Pitztaler, als Neunter zweitbester ÖSV-Starter, lobte, während er Matts Siegesfahrt im Ziel verfolgte. „Wie er über all die Jahre immer wieder vorn dabei ist, ist echt cool. Für mich ist er ein Ansporn“, sagte Raich, 35.

Mario Matt: Evergreen im Schnee

„Einige Passagen waren gut, aber ich habe auch viele Fehler gemacht. Ich muss halt die guten Sachen aneinanderreihen“, urteilte der Tiroler über sich selbst. Das gilt auch für Wolfgang Hörl, den Elften, und Reinfried Herbst, den Zwölften. Doch während Hörl nach Erfolgen bei zwei FIS-Rennen einen Aufwärtstrend ausmacht, haderte Herbst mit sich selbst: „Im ersten Durchgang hab’ ich mich von den Funksprüchen ein bissl einschüchtern lassen, und im zweiten hab’ ich Fehler gemacht. Aber besser mit Fehlern im Ziel und der Rest war top, als wie im ersten Lauf, wo nix gegangen ist.“

Manfred Pranger fehlt nach Operationen an Hüfte und Bandscheiben sowie Materialänderungen und zwei Ausfällen das Selbstvertrauen. „Aber ich hatte endlich keine Schmerzen – cool.“

Brüderliche Erfolge

Andere Worte wählte Mario Matt, als er zur Arbeit seines Bruders Andreas im 34,5 Kilometer entfernten Val Thorens befragt wurde – der dreieinhalb Jahre jüngere Skicrosser hat gestern seinen siebenten Weltcupsieg gefeiert. „Ich bin froh für ihn. Er hatte im letzten Winter eine wirklich schwierige Saison.“

Aber mit dem Alter wird ja so manches besser. Und Ausreden gibt es keine mehr.

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