Lindsey Vonns Horrorsturz und die Blütezeit der Besserwisser
Es ist die Gesschichte, die wohl keiner schreiben wollte. Und der Moment, den hier im Zielstadion von Cortina niemand erleben wollte. Lindsey Vonn, schwer gestürzt nach wenigen Toren, bei ihrem Vorhaben, noch einmal olympisches Abfahrtsgold zu holen.
Aber natürlich werden jetzt wieder die auf den Plan treten, die von Anfang an meinten, es war eine schlechte Idee.
Risiko im Hochleistungssport
Lindsey Vonn ist eine erwachsene Person, ein Profi, gut betreut von Top-Coaches, Ärzten und Physios. Sie hat genau gewusst, welches Risiko sie eingeht, sie hat genau gewusst, worauf sie sich einlässt.
Doch die Diskussion hat längst begonnen – über Comebacks, über Altersgrenzen, über das Risiko im Hochleistungssport. Doch heute soll es nicht um nachträgliche Besserwisserei gehen. Heute geht es um Respekt vor einer Athletin, die sich noch einmal dieser Herausforderung gestellt hat, wissend, dass der Grat zwischen Triumph und Rückschlag im alpinen Skisport schmal ist.
"Kein würdiges Ende der Geschichte"
ÖSV-Abfahrerin Nina Ortlieb, die heute ebenfalls stürzte und die selbst eine lange Verletzungs- und Comeback-Historie hat, hat das Weghören gelernt in all den Jahren. "Auf diese Stimmen darf man nicht hören. Wichtig ist, dass man auf sich selbst und sein enges Umfeld hört. Die Menschen, die einen kennen, und nicht die 'Experten' von außen." Man habe "leicht reden" im Nachhinein.
"Ich glaube, es hat sehr wenig gefehlt, dass die Lindsey hier noch eine Medaille holt. Sie hat in der ganzen Saison schon bewiesen, wie schnell, stabil und konstant sie ist. Auch wenn ihr das in dem Alter niemand mehr zugetraut hat." Das sei kein würdiges Ende dieser Geschichte.
Mut bewegt
Ob wir es wollen oder nicht. Im Speed-Skifahren geht es genau darum: Um den Willen, sich immer wieder dem Berg zu stellen. Nicht unbedingt trotz der Gefahr, sondern im vollen Bewusstsein ihrer Existenz. Und vielleicht ist es gerade dieser Mut, der die Zuschauer so bewegt. Weil er zeigt, wie viel Leidenschaft, Überzeugung und Hingabe nötig sind, um überhaupt am Start zu stehen.
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