Sport | Wintersport
21.12.2011

Kronberger spricht Schild großes Lob aus

Die österreichische Doppelolympiasiegerin verneigt sich nach Schilds 30. Slalomsieg vor der Slalomqueen.

Ein Pokal, Blumen, 38.000 Euro Preisgeld, eine Keramiktasse und als Extrazuckerl noch eine herzliche Umarmung von Petra Kronberger: Eine Momentaufnahme in der für Marlies Schild bislang so erfolgreichen Slalomsaison. Der 30. Streich der Salzburgerin in ihrer Spezialdisziplin war zugleich auch ihr zwölfter Sieg in den jüngsten 17 Weltcup-Slaloms. Als Wegbereiter für die derzeitige Dominanz sieht Schild vor allem den im Februar errungenen Weltmeistertitel: "Das hat mich richtig locker gemacht. Denn bis dahin hat man immer gesagt, die Schild hat ja keine Nerven."

Doch Marlies Schild hat mittlerweile nicht nur Nerven wie Drahtseile, sondern auch Bewunderer in höchsten (Ski)kreisen. Landsfrau, Ex-Rennläuferin und Skikönigin Kronberger bringt es auf den Punkt: "Sie ist so eine bodenständige, geerdete Frau".

Wie Schneider auf "verlegten Geheimschienen"

"Natürlich musst du am Start immer gewinnen wollen. Gleichzeitig musst du aber loslassen können, wenn es los geht", weiß Kronberger. "Marlies muss also mental sehr stark sein. Sie hat aber auch eine sehr gute Betreuung und steht sehr gut am Ski", so die die dreifache Weltcupsiegerin und Doppel-Olympiasiegerin aus Salzburg, die als erste Rennläuferin in allen fünf Disziplinen gewonnen hat und 1992 als erst 23-Jährige überraschend zurückgetreten ist. Ihr war der ganze Rummel und Druck zu viel geworden.

Die 30-jährige Schild hat hingegen trotz ihrer langen Verletzungspause noch einige Renn-Jahre vor sich. "Denn sie schafft es, bei sich selbst zu bleiben", freute sich Kronberger über Schild, die mit der Konkurrenz Katz und Maus spielt, fährt und siegt im Stile jener Vreni Schneider, deren Allzeit-Bestmarke von 34 Slalomsiegen sie jagt. "Wie bei Schneider hat man auch bei Marlies das Gefühl, sie fährt wie auf für sie verlegten Geheimschienen, so sicher ist sie unterwegs. Marlies zuzuschauen, ist einfach schön."

Hoffnungsschimmer

Kronberger gab der Konkurrenz aber auch Hoffnung. "Ich verstehe, dass man sich bald mal blöd vorkommt, wenn man so chancenlos ist. Aber auch wir haben damals wegen Schneider am Saisonende überlegt, was wir besser machen können und sind ihr dann tatsächlich näher gekommen. Wir haben einfach noch härter gearbeitet."

Allerdings würden Läuferinnen wie Schild den Sport auf eine höhere Stufe heben, ist Kronberger überzeugt. "Denn von Zeit zu Zeit bringt die Natur ganz besondere Sportler hervor. Das Leben schreibt eben die schönsten Geschichten und irgendwie ist immer alles was besteht, zu toppen."

Favoritenrolle

Der so Hochgelobten war die abgefallene Spannung bei der Sieger-Pressekonferenz anzusehen. "Obwohl ich mir nach solchen Rennen mit dem Schlafen schwer tu, so viel Adrenalin ist noch drin", erklärte Schild nach ihrer Slalomshow. "Ich liebe die Favoritenrolle. Aber wenn jeder sagt, es geht eh nicht anders als dass du gewinnst, kostet es viel Kraft, das zu kompensieren", gestand Schild. "Allerdings macht es auch riesengroßen Spaß, wenn es dann geklappt hat. Es ist Lohn für das ganze Team und die ganze Arbeit."

Der 30. Slalomsieg war auch für Schild speziell. "Weil ich mit gemischten Gefühlen am Start war, nachdem es im Vorjahr nicht so gut gegangen ist. Ich habe aber die Fehler des Vorjahres vermieden." Jetzt kommt Lienz. Ein Hang, auf dem sie wieder als unschlagbar gilt. Schild: "Das würde ich nicht behaupten. Alles kann passieren."

Trotz des Rummels stand Schild Mittwoch-Mittag schon wieder auf den Trainingsskiern, am Abend feuerte sie in Flachau ihren Lebensgefährten Benjamin Raich beim Herrenslalom an. Ihr größter Wunsch: "Einige ruhige Tage." Weihnachten wird zu Hause im Pitztal ganz klassisch gefeiert. "Ruhe, Familie, Entspannung, Kirche gehen und beten."

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