Kröll: "Bin mein eigener Mentaltrainer"

Klaus Kröll.
Foto: Stefan Sigwarth Klaus Kröll ist auf der Planai der Hausherr.

Ein dritter Platz reicht Klaus Kröll zu Abfahrtskristall. Ein Gespräch über Stärken und Schwächen.

So tragisch is’ ned", sagte Klaus Kröll nach dem Abfahrtstraining auf dem Schladminger Frühlingsschnee. Zwei Sekunden hatte der Führende im Disziplinweltcup im Testlauf auf seinen schärfsten Konkurrenten Didier Cuche (48 Punkte Rückstand) verloren.

"Ich hab’ mich erst auf die weichen Bedingungen einstellen müssen. Aber da gibt es noch viele Reserven", sagte der 31-jährige Lokalmatador aus Öblarn, dem in der letzten Abfahrt (Mittwoch, 9.30 Uhr, KURIER-Ticker/ORFeins) ein dritter Platz reicht, um die kleine Kristallkugel zu holen – falls der Schweizer Altstar gewinnt.

KURIER: Klaus Kröll, Sie sind auf der Planai der Hausherr. Wie beschreiben Sie "Ihre" WM-Strecke?
Klaus Kröll: Das Gelände ist schön. Im oberen Teil sehr klassisch – ähnlich wie in Kvitfjell – mit vielen Übergängen. Diese kleinen Wellen machen es schwer, da verliert man leicht die Linie. Unten ist es technisch sehr anspruchsvoll, speziell die letzten drei Kurven sind schwer zu fahren. Am Mittwoch muss ich versuchen, eine sehr gute Linie zu erwischen, nicht zu direkt und sehr aktiv fahren.

Sie starten als Weltcup-Führender und Lokalmatador in die letzte Abfahrt. Wie gehen Sie mit dieser Favoritenrolle um?
Ich habe mich eigentlich schon das ganze Jahr auf das Rennen gefreut: Zum ersten Mal in meiner Karriere bin ich im Roten Trikot unterwegs, und das vor Heimpublikum – das ist einfach nur geil! Ich versuche die Gedanken an den Abfahrtsweltcup auszublenden. Mein Ziel ist Stockerlplatz, denn im nächsten Jahr geht es hier nur um Medaillen, alles andere ist wurscht. Auch vom Druck her ist es für mich eine gute Vorbereitung auf die WM 2013.

Manche Läufer setzen auf mentale Übungen, um sich vor dem Start zu fokussieren. Sie auch?

Nein, ich mache da nichts Spezielles. Manche brauchen diese Hilfe, andere nicht. Ich bin mein eigener Mentaltrainer.

Als Abfahrer stürzen Sie sich mit bis zu 150 km/h die Pisten hinunter. Wie entschleunigt sich ein Klaus Kröll in der Freizeit?

Wenn ich nach Hause zu meiner Familie und zu meinem Sohn komme, ist es egal, wie es im Weltcup gelaufen ist: Der Kleine hat Vorrang. Da gewinnt man sehr schnell Abstand und ist mental relaxt. Das taugt mir voll, ich bin ein absoluter Familienmensch.

Aber muss man als Rennläufer nicht auch ein Stück weit ein Einzelgänger sein?
Sicher. Wir sind zwar ein super Team, aber am Start stehst du alleine und unten wird abgerechnet. Wer sportlich etwas erreichen will, muss wissen, wie er zu seinen Erfolgen kommt. Damit kann man dann vielleicht auch den anderen im Team weiterhelfen.

Mario Scheiber hat bei seinem Abschied gesagt, dass bei ihm zuletzt die Angst mitgefahren ist. Warum wird gerade in der Abfahrtsbranche selten so offen über dieses Thema gesprochen?
Wenn alles gut geht, kann einen nichts erschrecken. Aber in der Abfahrt ist es sicher gescheiter, es sein zu lassen, wenn die Angst kommt. Sonst passieren wirklich blöde Fehler, die gefährlich werden.

In Sotschi und Kvitfjell waren die Sprünge ein Thema. Gibt es für Sie ein Limit, wo Sie sagen: Jetzt wird eine Abfahrt zu gefährlich?
Die Weite ist nie das große Thema. Die Höhe ist entscheidend, weil dadurch die Landung umso härter wird. Aber ich habe nie Probleme mit den Sprüngen gehabt. Ich springe gerne weit, vielleicht mache ich mir deshalb weniger Gedanken darüber, ob das jetzt zu gefährlich wird. Überhaupt nehme ich es meistens so, wie es ist.

Kröll, Cuche, Svindal – bis auf Beat Feuz sind die Top-Abfahrer Routiniers. Ist die Erfahrung wirklich so wichtig in der Königsdisziplin?
Schaut so aus. In der Abfahrt muss man gewisse Streckenabschnitte einfach lernen. Auch die Einteilung der Kräfte spielt eine Rolle: Auf schweren Strecken kann es am Anfang passieren, dass man im Training zu viel gibt und dann im Rennen ausgelaugt ist. Aber Ausnahmen wie Carlo Janka oder Beat Feuz haben auch schon bewiesen, dass man ohne jahrelange Erfahrung vorne mit dabei sein kann.

Im Kampf gegen das Tauwetter

Warm, wärmer – Ennstal! Bis an die 20 Grad werden in den kommenden Tagen erwartet, immerhin sollte es nachts klar sein, womit die Pisten an der Planai zumindest in der Früh gefrieren können.

Speziell auf der Damen-Strecke war der Frühling schon unübersehbar: Große braune Flecken sorgten für ein ungewohntes Bild. Viel zu tun also für die Pistenarbeiter, die mit Salz versuchen, dem Schnee Feuchtigkeit zu entziehen.

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(kurier / Christina Leitner, Stefan Sigwarth ) Erstellt am
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