Der Wegweiser: Hermann Weinbuch dirigiert seine Top-Athleten.

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Ski Nordisch
03/03/2017

Kombination: Der Vater des deutschen Erfolgs

Hermann Weinbuch lenkt seit 24 Jahren die Geschicke der deutschen Kombinierer. Im Teamsprint am Freitag peilt er bei der WM in Lahti sein 44. Edelmetall an.

Hermann Weinbuch ist ein echtes Phänomen. Seit 24 Jahren ist der Bayer nun schon der Chef der deutschen Kombinierer, und seine Schützlinge eilen von Erfolg zu Erfolg. Nach der Jahrtausendwende hagelte es förmlich Medaillen bei Olympischen Winterspielen und Weltmeisterschaften. In Lahti könnte es am Freitag (15 bzw. 17.15 Uhr, live in ORFeins) im Teamsprint, den seine derzeitigen Vorzeigeathleten Johannes Rydzek und Eric Frenzel laufen, zum 44. Mal Edelmetall für Weinbuch geben. Wenn alles nach Plan läuft, zum 15. Mal Gold. "Wenn du in einer Randsportart Erfolg haben willst, brauchst du ein Konzept, das überzeugt", pflegt Hermann Weinbuch gerne zu sagen.

Der 56-Jährige ist ein Denker und Arbeiter. Er beobachtet die Entwicklung der Sportart, erkennt früh Trends und Tendenzen und richtet das Training der Spitze danach aus. "Du musst die Trainerkollegen in den Stützpunkten genauso im Boot haben wie die Athleten. Und du musst Vertrauen schaffen. Wenn das gelingt, braucht man kaum noch Psychologie", erklärt Weinbuch.

Scharfe Kanten

Der Familienvater kann dabei aus einem Füllhorn an Erfahrung schöpfen. Schließlich war er selbst ein erfolgreicher Kombinierer und wurde drei Mal Weltmeister. "Ich habe mir sehr viel selbst beigebracht. Aus der Erfahrung heraus weiß ich, was geht und was nicht", sagt Weinbuch.

Wenn man Weinbuch in seiner ruhigen, überlegten Art erlebt, kann man sich kaum vorstellen, dass dieser auch mal laut wird. "Ich kann auch scharf sein. Aber vorher versuche ich, mit meinen Argumenten zu überzeugen", sagt Weinbuch.

Der Trainer sucht die Nähe zu den Athleten, um sie zu verstehen und sie zu führen. Doch er weiß auch, wann er sich zurückziehen muss. "In Phasen, wo Entscheidungen gegen Athleten getroffen werden müssen, gehe ich auf Distanz und verhalte mich neutral. Zu viel Nähe könnte falsch interpretiert werden. Da musst du als Trainer brutal vorsichtig sein. Im Kampf um sportliche Erfolge, wie jetzt zwischen Rydzek und Frenzel, beziehe ich keine Position", sagt er.

Freiheiten

Weinbuch ist nicht amtsmüde, er hängt aber nicht mit Zähnen und Klauen an seinem Job. "Wenn Ronny Ackermann käme und den Bundestrainerposten beanspruchen würde, hätte ich kein Problem damit. Mein Vertrag mit dem DSV verlängert sich, und er endet, wenn ich will."

Vor allem die Familie muss mitspielen. "Wenn es da wegen meiner ständigen Abwesenheiten Stress gäbe, würde ich sofort aufhören", betont Weinbuch. Eine andere Funktion im Verband könnte er sich gut vorstellen. Beispielsweise Stützpunktkoordinator. "Da könnte man dafür sorgen, dass die Quelle an Top-Kombinierern nicht versiegt." Möglicherweise gehört in ferner Zukunft der nächste Weinbuch dazu: Sein achtjähriger Sohn hat im Herbst mit der Kombination begonnen.

Bereits ein Weltmeister seines Fachs ist Bernhard Gruber: Der Gasteiner, vor zwei Jahren vergoldet, wird heute mit Willi Denifl für Österreich springen und laufen.

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