Kitzbüheler Testpiloten

Vorläufer, Kitzbühel, 2013…
Foto: ROBERT JAEGER Hut ab: Vorläufer Christian Höhenwarter bewältigte mit Spezial-Helmkamera die Streif unfallfrei.

Christian Höhenwarter ist einer von elf Vorläufern auf der Streif. Ein riskanter und ehrenvoller Job.

Geh leck!" Christian Höhenwarter erinnert sich noch gut an seine Begrüßungsworte an die Streif. Als der Salzburger 2010 das erste Mal vorsichtig aus dem Starthaus lugte und freie Sicht auf die Mausefalle hatte (mit 85 Prozent Neigung die steilste Stelle des Ski-Weltcups), da verließ den selbsternannten Draufgänger ("ich war immer auf der verrückten Seite") dann doch der Mut. "Wie ich da oben gestanden bin, habe ich nur gedacht: ‚Geh leck, wie willst du da runterfahren?‘"

Die Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel Foto: APA

Drei Jahre später kann Höhenwarter über seine Berührungsängste schon wieder schmunzeln, heute verbindet der 34-Jährige mit Mausefalle und Steilhang Pistenspaß, heute ist Höhenwarter einer der routiniertesten Vorläufer in Kitz’ und der Streifzug im Renntempo fast schon Ski-Business as usual. "Aber an die Streif kann man sich sowieso nie gewöhnen. Man muss ihr immer Respekt entgegenbringen."

Knochenjob

Höhenwarter ist einer von elf Vorläufern, die auf der Streif für die Stars den Ernstfall üben sollen. Als ehemaliger Testläufer von Atomic beherrscht er das Ski-Einmaleins so perfekt, dass er sofort in das Team der Vorläufer aufgenommen wurde. Einige seiner erfahrenen Kollegen hatten sich einem Casting stellen müssen, das der Kitzbüheler Skiclub vor Jahren veranstaltet hatte.

Denn nicht jeder Otto-Normalskifahrer, der sich für einen halben Rennläufer hält, taugt auch zum Vorläufer. Die Vorgaben an die Herren sind gleichermaßen klar wie streng. "Wir sollen eine vernünftige, kontrollierte Fahrt hinlegen, nicht vor der Mausefalle bremsen oder die Ski querstellen, und zu langsam sollten wir natürlich auch nicht sein", berichtet Christian Höhenwarter.

Der Pongauer, der im Anzug des ehemaligen schwedischen Rennläufers Patrik Järbyn daherkommt und am Freitag mit einer speziellen Helm-Kamera unterwegs ist, verliert im Schnitt zwischen acht und zwölf Sekunden auf die Bestzeit. Im ersten Trainingslauf am Dienstag war laut der internen Zeitmessung der flotteste Vorläufer sogar schneller als der langsamste Rennläufer.

Ehrenamt

Doch die Zeit ist nebensächlich. Was wirklich zählt, sind die Eindrücke, die Höhenwarter und seine Kollegen während der Fahrt sammeln. Deshalb geht der erste Weg im Ziel zum Rennleiter. "Die bekommen von uns immer ein Feedback von der Strecke", erklärt er.

DRITTES ABFAHRTSTRAINING DER HERREN IN KITZBÜHEL: Foto: APA/ROBERT JAEGER Vorläufer Rahlves: 'Mental eine harte Geschichte' Für ihre wichtige Mission erhalten die Vorläufer in Kitzbühel lediglich Kost und Logis. Der Hochrisiko-Job ist ein Ehrenamt. "Wer kann schon sagen, dass er im Renntempo die Streif runtergefahren ist", fragt Höhenwarter.

Wie groß Herausforderung und Überwindung tatsächlich sind, zeigte ein ehemaliger Hahnenkamm-Sieger. Daron Rahlves, der amerikanische Abfahrtsgewinner von 2003, feierte ein Comeback auf der Streif. Rahlves, 39, versuchte sich als Vorläufer und war nur fünf Sekunden langsamer als der Trainingsschnellste Klaus Kröll. "Es war mental eine harte Geschichte, mich darauf vorzubereiten", erzählt Rahlves, "aber am Ende war es wunderbar."

(KURIER) Erstellt am
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