Kathrin Zettel: Mit Maß und Ziel

© Bild: Stefan Sigwarth

Drei Jahre lang litt die Niederösterreicherin unter Schmerzen. Nun ist sie wieder fit und hat viel vor.

Kathrin Zettel seufzt. Nicht über die bisherigen Saisonergebnisse (die Plätze 5, 3 und 4 im Slalom sowie 7 und 21 im Riesenslalom). Sondern beim Rückblick auf harte Jahre, die die 25-jährige Niederösterreicherin noch heute nachdenklich stimmen: "Wenn man weiß, was man eigentlich kann, der Körper aber nicht mitspielt – das schmerzt." Drei Jahre lang kämpfte sie mit Hüftproblemen als Folge einer Fehlbelastung nach dem Sturz in der Superkombination von Tarvisio im März 2007.

KURIER: Noch 2010 sind Sie mit Schmerzen in die Saison gestartet. Wie geht es heuer?
Kathrin Zettel: Viel besser! Meine Hüftprobleme sind weg. Somit ist vieles leichter und geht vom Kopf her einfacher. Ich fühle mich viel, viel wohler, es ist alles nicht mehr so verkrampft.

Sie sind also schmerzfrei?
Kleine Zwickereien sind in dem Business normal, aber es ist schon sensationell, wie’s mir jetzt geht.

Woher haben Sie die Kraft genommen, um weiterzumachen?
Ich bin mir bewusst, dass ich mit einem relativ großen Talent ausgestattet bin und weiß, dass ich vorne mitfahren kann, wenn ich fit bin. Das war für mich die Motivation. Noch ist mir das wichtiger als viele andere Dinge.

Es stand ja auch das Karriereende im Raum ...
Wenn man jahrelang kämpft, es aber immer schlimmer wird; wenn auf jede kleine Besserung die nächste Watsch`n folgt, dann geht`s irgendwann nicht mehr. Man hat ja keine unendlichen Kraft-Reserven.

Im Rückblick: Welche Lehren können Sie aus dieser schweren Phase ziehen?
Ich habe gelernt, Pausen zu machen, auf meinen Körper zu hören. Außerdem haben wir festgestellt, dass mein Stoffwechselhaushalt durch den Wind war. Das war das größte Problem, das hat zu den Beschwerden geführt. Als ich gemerkt habe, dass sich etwas bewegt, ist auch der Ehrgeiz wiedergekommen. Geduld war da aber sehr groß angeschrieben – und ist es nach wie vor.

Wie wichtig war Ihr Mentaltrainer Valentin Hobel in dieser Zeit für Sie?
Sehr wichtig. Wahrscheinlich hätte ich ohne ihn den Hut draufg`haut.

Wie läuft so ein Mentaltraining ab?
Es basiert im Prinzip auf Gesprächen, die zu 95 Prozent telefonisch stattfinden. Einmal im Jahr treffen wir einander im Sommer für eine Mentalwoche.

Für Paul Scharner hat Valentin Hobel einen Karriereplan erstellt. Auch für Sie?
Wir haben grobe Ziele festgelegt. Die WM 2013 in Schladming zum Beispiel. Wir bauen alles darauf auf, dort gut abzuschneiden.

Und wie lautet Ihr Ziel für diesen Winter?
Gewinnen. Davon bin ich vielleicht noch ein bisserl entfernt. Aber ich geb’ nicht auf, sondern schaue, dass ich die Zehntel und Hundertstel noch raushole.

Eine undankbare Aufgabe, wo Sie mit Marlies Schild im eigenen Team eine Riesenkonkurrentin haben.
Ach, die Konkurrenz ist sowieso stark. Und ich bin sicher auch noch nicht in meiner absoluten Topform.

Was macht Marlies Schild besser als der Rest?
Sie hat eine sehr ausgefeilte Technik und fährt einen sehr kurzen Schwung, der es ihr erlaubt, sehr eng an die Tore zu fahren.

Kann man das kopieren?
Schwer, ich kann es zum Beispiel nicht, weil ich ganz anders auf dem Ski stehe. Ich fahre eher runder und weiter ums Tor. Das umzulernen, wäre nicht vorteilhaft. Außerdem bin ich sicher, dass ich auch so schnell sein kann.

Gibt es ein Rennen, das Sie unbedingt gewinnen möchten?
In Zagreb einmal ganz oben zu stehen, das wäre etwas. Die Siegerin bekommt ja eine Kristallkrone.

2009 waren Sie Weltmeisterin in der Superkombination. Denken Sie daran, auch wieder in schnellen Disziplinen anzutreten?
Auf jeden Fall. Ich bin heuer schon ein paar Tage auf Super-G-Skiern gestanden – das taugt mir sehr! Wenn ich die Möglichkeit bekomme, möchte ich auf jeden Fall wieder Super-G und Superkombi fahren.

2012 gibt es neue Material-Richtlinien. Es gab eine Unterschriftenaktion gegen die neuen Skier mit weniger Radius, 195 Kollegen und Kolleginnen sind dabei. Sie nicht.
Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass einmal ein Schritt getan wird, um das Material weniger aggressiv zu machen. Natürlich spielen auch Kurssetzung und Präparierung eine wesentliche Rolle, deswegen sind die neuen Regeln ein Anfang, aber sicher noch nicht alles.

Weg vom Weltcupzirkus: Verbringen Sie auch Ihre Freizeit auf der Skipiste?
Eher selten. Da mache ich lieber etwas anderes, bevor ich mich wieder auf die Ski stelle.

Sie haben ursprünglich Köchin gelernt. Kehren Sie nach der Karriere wieder an den Herd zurück?
Nein, beruflich nicht.

Sondern?
Das ist kein einfaches Thema. Konkret weiß ich noch nicht, in welche Richtung es gehen soll. Nur eines weiß ich: Ich möchte mich in kein Büro setzen, sondern will einen Beruf haben, bei dem ich mich bewegen kann, wo ich draußen bin. Genauer weiß ich es auch noch nicht. Aber das hat ja noch Zeit.

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Erstellt am 27.12.2011