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08.12.2018

Hirschers "Heimkehr": Der Ort, wo alles begonnen hat

Neun Jahre nach dem ersten Sieg greift Marcel Hirscher am Wochenende nach Nummer 60 - falls er ihn nicht geschenkt bekommt.

Val d’Isère also. Wieder einmal. Sechs Mal hat Marcel Hirscher schon in dem 1600-Einwohner-Dorf an der französisch-italienischen Grenze ein Weltcuprennen gewonnen, darunter sein erstes im Dezember 2009, einen Riesenslalom. 14 Mal ist er hier auf dem Podest gestanden, was angesichts von insgesamt 15 Top-Ten-Platzierungen eine unfassbare Quote ist. Apropos unfassbar: Im Winter wird aus dem 1600-Einwohner-Dorf eine Stadt – weil es hier auch fast 34.000 Gästebetten gibt.

Die Weltrangliste liefert klare Zahlen zu Marcel Hirscher: Der siebenfache Gesamtweltcupsieger ist die Nummer eins im Slalom, die Nummer eins im Riesenslalom, die Nummer sechs in der Kombination. Und seine Beständigkeit ist es, die den zweifachen Olympiasieger Titel um Titel einheimsen lässt: 2013 hat er sich im Slalom letztmals nicht für den zweiten Lauf qualifiziert, seither ist Hirscher nur fünf Mal ausgefallen (so im vergangenen Februar bei den olympischen Winterspielen in Südkorea). Acht der letzten zehn Torläufe hat er gewonnen, dazu kommt noch ein zweiter Rang in Kitzbühel im Jänner.

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2016 ist er zum letzten Mal nicht auf dem Siegespodest nach einem Riesenslalom gestanden (Platz fünf in St. Moritz), es folgten 18 Stockerlplätze en suite, darunter zwölf Siege einschließlich WM- und Olympia-Gold. 2013 (!) war Marcel Hirscher zuletzt nicht in den Top Ten (16. in Adelboden), der letzte Ausfall hat sich 2012 (!!) in einem Rennen des Nordamerika-Cups ereignet, der letzte im Weltcup war 2011 (!!!) in Hinterstoder – als er sich das Kahnbein brach und um die WM in Garmisch-Partenkirchen umgefallen ist.

„Der Riesenslalom hier ist einer der härtesten, die es gibt“, unterstreicht Hirscher vor der Prüfung in Val d’Isère. An diesem Wochenende hat er bereits seinen 60. Weltcupsieg im Visier.

Ungemach dürfte vor allem von den Lokalmatadoren Alexis Pinturault und Victor Muffat-Jeandet drohen (der für den Club des Sports de Val d’Isère startet). Und vom Allgäuer Stefan Luitz, der mit seinem Sieg in Beaver Creek bestätigte, dass auch er ein Experte für besonders schwierige Aufgaben ist.

Die Face de Bellevarde ist durch ihre Steilheit sowieso schon ein Thema für sich, durch die geringe Schneeauflage heuer aber noch etwas komplizierter. Um den mit dem Sprühbalken vereisten Kurs zu schonen, wurde auf die Hangbefahrung am Freitag verzichtet, zudem wurde der Start des Riesenslaloms (Samstag, 10.00/13.00/live ORFeins) nach unten verlegt.

Aufregung um Luitz

Zu viel des Guten könnten sich die deutschen Herren in Beaver Creek geleistet haben. Einem Hinweis zufolge sind Sieger Luitz und Kollegen mit Sauerstoff versorgt worden. Das ist im aktuellen Code der Welt-Anti-Doping-Agentur nicht  verboten, sehr wohl aber im Reglement des Ski-Weltverbandes FIS aus dem Jahr 2016. Theoretisch wäre eine Disqualifikation möglich, wahrscheinlicher ist eine Verwarnung - wenn überhaupt. „Einen offiziellen Protest hat es nicht gegeben“, weiß FIS-Renndirektor Markus Waldner. „Wir haben die WADA über den Vorfall informiert, die Angelegenheit wird derzeit untersucht. Eine Entscheidung wird in den nächsten Tagen fallen.“

„Wir haben einen Fehler gemacht, da stehen wir auch dazu. Weil wir nicht wussten, dass die FIS ihr Reglement an den WADA-Code nicht angepasst hat“, sagte der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier. „Aber wir haben uns vorher bei Experten abgesichert.“ Eine Disqualifikation hieße freilich, dass der zweitplatzierte Marcel Hirscher zum Sieger aufrücken würde.

Ob am Sonntag in Val d’Isère ein Slalom (9.30/ 12.30/live ORFeins) stattfinden kann, steht unterdessen in den Schneesternen. Denn es ist eine sehr aktive Kaltfront angekündigt, die das Rennen verblasen könnte.