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Sport Wintersport
09/08/2019

Hirscher-Rücktritt: Mit Gold (fast) immer auf der sicheren Seite

Hirscher hat finanziell längst ausgesorgt. Wie aber ist es um seine Vorgängerinnen und Vorgänger bestellt?

von Wolfgang Winheim

ÖSV-Konsulent, Rennschulgründer, TV-Moderator, Lenkraddreher bei der Rallye Dakar, Wegbegleiter eines (noch nicht gefundenen) Ski-Wunderkindes – oder vorerst doch "nur" Familienvater mit gelegentlichen Abstechern zu Raiffeisen-Werbedrehs? Seit Marcel Hirschers Rücktritt wird um die Wette spekuliert.

Was auch immer Hirscher treiben wird – finanziell hat der achtfache Gesamtweltcupsieger, für den Geld nie das Wichtigste war und der einmal Hangrutsch-Opfern im Weltcuport Alta Badia seine Erfolgsprämie überließ, längst ausgesorgt. Wie aber ist es diesbezüglich um seine Vorgängerinnen und Vorgänger bestellt?

37 österreichische Ski-Damen und -Herren lächelten in den letzten 50 Jahren bei Olympia oder Weltmeisterschaften von der obersten Stufe des Podests. Dreien war es nicht vergönnt, ihre Erfolge lange zu genießen: Abfahrtsweltmeister Josef Walcher (verunglückte nach Karriereende bei einem Skiklub-Rennen tödlich), Super-G-Weltmeisterin Ulli Maier (die junge Mutter stürzte 1994 in Garmisch verhängnisvoll) und Torlauf-Mehrfachweltmeister Rudi Nierlich (Autounfall) wurden Opfer der Geschwindigkeit.

Zwei Doppel-Olympiasiegerinnen hatten private Rückschläge zu verkraften. Petra Kronberger beendete 1992 mitten während der Saison – 24 Jahre jung – die Renn-Karriere. Sie stieg nicht zuletzt der Liebe wegen aus Millionen-(Schilling)-Verträgen aus. Trotz Enttäuschungen in Salzburg und Berlin besaß Petra die Kraft, die Matura nachzuholen und Magistra der Kunstgeschichte zu werden. Als Kunstführerin in Salzburg half ihr der Promifaktor als Sportlerin bei Honorarauszahlungen wenig. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel holte sie zum Skiverband, bei dem sie sich um die Rechte der Frauen kümmert.

Michaela Dorfmeister geriet 13 Jahre nach ihrem Olympia-Doppeltriumph schuldlos in die Schlagzeilen, weil ihr spielsüchtiger (Ex-)Lebensgefährte ohne ihr Wissen einen Millionenbetrug beging. Inzwischen geht es mit Dorfmeister wieder rapide aufwärts. Ein Rapid-Präsidentschaftskandidat würde sie beim Fußball-Rekordmeister im Fall seiner Wahl in sein Führungsteam integrieren.

31 Champions konnten ihr Gold versilbern. Allen voran Hermann Maier. Der Flachauer bevorzugt das Motto "Willst du gelten, komme selten." In Talkshows ist er fast nie präsent. Seine Familie schirmt der dreifache Vater von der Öffentlichkeit ab. Maier kann es sich leisten, zu selektieren. Er wirbt nur für elitäre Unternehmen. Beim ORF ist er für Projekte, die ihn in der Natur zeigen, nicht jedoch für die Seitenblicke-Gesellschaft zu haben. Es sei denn, es wird ein Hotel eröffnet, an dem er beteiligt ist.

HERMANN-MAIER-GALERIE: MAIER

Auch Stephan Eberharter drängt nicht ins Rampenlicht. Das ist so ziemlich die einzige Parallele zum einstigen Erzrivalen Maier. Mit dem Tiroler Benjamin Raich verbinden den Tiroler Eberharter mehr Gemeinsamkeiten. Beide beschäftigen sich mit Veranlagungen und Immobilien. Beide sind (so wie Benjamin Raichs Frau Marlies Raich/vormals Schild) als Testimonials von UNIQA auf der sicheren Seite.

Ähnliche Wege gingen zwei Abfahrtsweltmeister. Der Lecher Hotelier Patrick Ortlieb war FPÖ-Nationalrat und bis heuer Vorarlberger Skiverbandspräsident. Der Salzburger Hotelier von Zauchensee, Michael Walchhofer, macht Wahlwerbung für Sebastian Kurz und ist ÖSV-Vizepräsident.

Mit Harti Weirather gibt ein anderer Ex-Weltmeister in der Abfahrt, der 31 Jahre vor Hirscher Ski-Österreich vor einer WM-Heimpleite in Schladming bewahrt hatte, als Vermarktungsprofi am Hahnenkamm und in der Formel 1 Gas. Obwohl Antikicker, saß er auch schon bei Real in Madrid auf der Ehrentribüne, zumal er selbst den Königlichen zu Topsponsoren verhalf.

Für Franz Klammer, den zeitlos populären Olympiasieger von Innsbruck 76, war es mit einer Modelinie kurzfristig bergab gegangen. Schnee von vorvorvorgestern. Die Klammer Foundation unterstützt u.a. den an den Rollstuhl gebundenen Ex-Rapidler Sergej Mandreko.

WM-Idee mit Hirscher?

Karl Schranz, mit 80 der älteste lebende Weltmeister, lässt in seinem St. Antoner Viermäderlhaus Gattin und Töchter Regie führen. Im Hotel Karl Schranz ist schon politische Prominenz aller Couleurs abgestiegen. So bei der Ski-WM 2001, die nicht zuletzt dank Putin-Freund Schranz an St. Anton vergeben worden war. So eine Wahlwerbung ist jetzt mit dem Salzburger Hirscher in Hinblick auf die Salzburger Kandidatur für die WM 2025 vorstellbar. Sofern der weit über die Grenzen hinaus geschätzte Annaberger bereit wäre, für Saalbach auf Stimmenfang zu gehen.

Der Zuschlag an Saalbach gilt als Schröcksnadels finales Präsidentenziel. Die WM 2025 wird im Mai von der FIS im bekannt schneesicheren Thailand vergeben.