Sport | Wintersport
17.12.2017

Hirscher deklassiert in Alta Badia die RTL-Konkurrenz

Beim fünften Triumph in Alta Badia stellt der Salzburger alle vor Rätsel.

Gut möglich, dass Marcel Hirscher erst irgendwann im Frühling so richtig bewusst wird, was er da am Sonntag im Riesentorlauf in Alta Badia wieder für eine One-Man-Show abgezogen hat. Der Superstar des Skisports hat in seiner Karriere bereits für so viele Sternstunden und Bestmarken gesorgt, dass es selbst ihm manchmal schon etwas zu viel wird. "Du schwingst unten ab, dann reißen’s dich alle gleich nieder, und dann Kameras, Mikros, und du erzählst Vollgas", sagt er. "Aber du selbst hast eigentlich keine Zeit, dir Gedanken zu machen, was gerade passiert ist. Der Kopf hat während der Saison keine Gelegenheit, das zu verarbeiten. Es geht mir alles zu schnell. Deshalb holen mich viele Dinge erst nach der Saison ein."

An den Reaktionen im Ziel müsste dem 28-Jährigen freilich schnell klar geworden sein, dass der Triumph in Alta Badia aus seinen 48 Weltcupsiegen heraussticht. Während sich tags zuvor im Grödnertal die Kollegenschaft vor dem norwegischen Abfahrtschampion Aksel Lund Svindal noch ehrfürchtig verneigt hatte, ließ Marcel Hirscher nach dem Riesentorlauf in Alta Badia vor allem staunende und rätselnde Konkurrenten zurück.

Kopfschütteln

"Gestern habe ich gepostet, dass Aksel Lund Svindal ein Außerirdischer ist. Aber wenn dem so ist, dann frag' ich mich langsam, was dann der Vogel da ist?", sagte etwa Manuel Feller (7.). "Was sollst du gegen ihn tun? Wo soll ich die Zeit hernehmen, die er mir abnimmt?"

Henrik Kristoffersen, der Sieger der Geschlagenen, wusste auch nicht so recht, ob er sich nun freuen oder ärgern sollte. "Zweiter zu werden ist an sich toll, aber dieser Rückstand ...", meinte der Norweger kopfschüttelnd.

Um 1,7 Sekunden distanzierte Hirscher seinen ersten Verfolger, allein im zweiten Durchgang, der einer Machtdemonstration glich, knöpfte der Salzburger dem Skandinavier 1,53 Sekunden ab. "Der zweite Lauf war geil."

Wenn man jetzt ganz gemein wäre, müsste man den Gegnern von Hirscher vorhalten, dass sie sogar noch gut davongekommen sind. Denn der erste Lauf war für Hirscher-Verhältnisse eher unterdurchschnittlich. "Gute Basis", nannte der Salzburger die 17 Hundertstelsekunden, die er zur Halbzeit vor Kristoffersen lag.

Rekordsieg

Was dann folgte, war ein Parforceritt, wie ihn Marcel Hirscher gerade in Alta Badia schon so oft gezeigt hat. Auf der anspruchsvollen Gran-Risa-Piste scheint der Österreicher unschlagbar zu sein. Dass ein Skifahrer fünf Winter in Folge an einem Ort gewinnt, bedeutet einen neuen Rekord in der Weltcup-Historie. "Mir war das nicht bewusst, aber es hört sich unglaublich an", sagt Hirscher.

Unglaublich wie auch die Daten, die sein Fahrtenschreiber auswirft. In 208 Weltcuprennen hat Hirscher 111 Podestplätze eingefahren – damit ist er die Nummer zwei hinter Ingemar Stenmark. Auch bei den Weltcupsiegen wird er, wenn’s so weiter geht, bald der erste Verfolger der schwedischen Skilegende (86 Siege) sein. Zwei Erfolge noch, dann hat Hirscher den großen Alberto Tomba eingeholt, auf Hermann Maier (54) fehlen ihm nur mehr sechs Siege.

Und doch gibt es sie, die Rennen, in denen Hirscher nicht der Favorit ist. Sogar in Alta Badia. Am Montag (18.25 Uhr/live ORFeins) wird dort ein Parallel-RTL gefahren. Mit dem Kampf Mann gegen Mann verbindet Hirscher keine guten Erinnerungen. Im Vorjahr reichte es nur zu Rang 18, 2015 war er 30.

Endstand:

1.

Marcel Hirscher (AUT)

2:25,42

Min.

1:12,15

1:13,27

2.

Henrik Kristoffersen (NOR)

2:27,12

+01,70

1:12,32

1:14,80

3.

Zan Kranjec (SLO)

2:27,24

+01,82

1:12,48

1:14,76

4.

Justin Murisier (SUI)

2:27,49

+02,07

1:12,64

1:14,85

5.

Ted Ligety ( USA)

2:27,65

+02,23

1:12,90

1:14,75

6.

Matts Olsson (SWE)

2:27,69

+02,27

1:12,73

1:14,96

7.

Manuel Feller (AUT)

2:27,75

+02,33

1:12,52

1:15,23

8.

Luca de Aliprandini (ITA)

2:27,92

+02,50

1:13,30

1:14,62

9.

Alexis Pinturault (FRA)

2:28,22

+02,80

1:13,33

1:14,89

10.

Leif Kristian Nestvold-Haugen (NOR)

2:28,27

+02,85

1:12,93

1:15,34

11.

Mathieu Faivre (FRA)

2:28,32

+02,90

1:13,97

1:14,35

12.

Roland Leitinger (AUT)

2:28,36

+02,94

1:13,51

1:14,85

13.

Stefan Brennsteiner (AUT)

2:28,56

+03,14

1:13,72

1:14,84

14.

Thomas Fanara (FRA)

2:28,57

+03,15

1:13,17

1:15,40

15.

Alexander Andrienko (RUS)

2:28,63

+03,21

1:14,47

1:14,16

16.

Florian Eisath (ITA)

2:28,85

+03,43

1:14,13

1:14,72

.

Roberto Nani (ITA)

2:28,85

+03,43

1:13,99

1:14,86

18.

Loic Meillard (SUI)

2:28,88

+03,46

1:14,11

1:14,77

19.

Manfred Mölgg (ITA)

2:29,13

+03,71

1:13,70

1:15,43

20.

Gino Caviezel (SUI)

2:29,22

+03,80

1:14,42

1:14,80

21.

Luca Aerni (SUI)

2:29,40

+03,98

1:14,82

1:14,58

22.

Andre Myhrer (SWE)

2:29,52

+04,10

1:13,99

1:15,53

23.

Victor Muffat-Jeandet (FRA)

2:29,64

+04,22

1:13,67

1:15,97

24.

Thibaut Favrot (FRA)

2:29,99

+04,57

1:14,89

1:15,10

25.

Filip Zubcic (CRO)

2:30,36

+04,94

1:14,48

1:15,88

26.

Alexander Schmid (GER)

2:30,37

+04,95

1:14,77

1:15,60

27.

Erik Read (CAN)

2:33,79

+08,37

1:13,90

1:19,89

28.

Riccardo Tonetti (ITA)

2:38,04

+12,62

1:13,52

1:24,52

Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: Michael Matt, Christian Hirschbühl, Marco Schwarz (alle AUT), Kjetil Jansrud (NOR), Stefan Luitz (GER)
Ausgeschieden im 2. Durchgang: Johannes Strolz (AUT), Tommy Ford (USA)

Hirscher: "Im Jänner zählt es"

Sie scheinen schon jetzt so stark. Wie können Sie sich in den kommenden Wochen noch verbessern? Geht es überhaupt noch besser?

Marcel Hirscher: Ich werde es einfach probieren, so wie es jeder macht. Hoffentlich ist die Energie noch hoch, weil im Jänner zählt es. Im Jänner muss du in Topform sein.

Was sagen Sie zu Aksel Lund Svindal, der am Vortag die Abfahrt in Gröden gewonnen hat?

Chapeau. Ich bin im Zimmer gesessen und habe gesagt: Ja, spinnt der?! Das ist ein unvorstellbarer Skifahrer. Mit so viel Smartheit so die Linie treffen, das wäre mein Abfahrtstrainer. Das ist direkt bewegend, wie man einem Athleten so zuschauen kann. Das ist mit so viel Präzision, so viel Überlegtheit und Klasse. Ich war fasziniert gestern.

Werden Sie die Kombination in Bormio nach Weihnachten fahren?

Nein. Wenn wir einen anderen Terminkalender hätten, dann ja. Aber bei diesem Terminkalender ist es für Techniker fast unmöglich, daran teilzunehmen.