Sport | Wintersport
20.01.2012

Highlights der Kitz-Geschichte

Die Rennen von Kitz sind reich an Anekdoten und Legenden. Eine Hitparade der herausragenden Sport-Momente.

Mit Ausnahme eines Vorläufers alle heil im Ziel. Nach den von Didier Cuche und Klaus Kröll dominierten Trainingsläufen atmen die Veranstalter auf. Wie überhaupt die Hahnenkamm-Geschichte nicht nur aus Horror-Statistik besteht. Die Highlights der Kitzbühel-Geschichte.

Toni Sailer Schon allein aus Respekt verdient es Österreichs Jahrhundertsportler posthum als Erster genannt zu werden. Der Kitzbüheler gewann 1956 als 20-Jähriger, zu einem Zeitpunkt, zu dem fernsehtechnisch in Tirol noch Mattscheibe herrschte, in Kitzbühel Abfahrt, Slalom und Kombination. Wobei Letztere zu diesen Zeiten den höchsten Stellenwert besaß.

Hans Hinterseers Slalomsieg 1974 dank zweier Laufbestzeiten. Darüber hinaus gebührte ihm – wem auch sonst – der Schönheitspreis. Denn keiner fand so elegant den Rhythmus zwischen den (Bambus-) Stangen wie der nunmehrige Volksmusiksliebling. Und das, obwohl der Hansi mit um einen halben Meter längeren Ski und 20 Tore mehr zu fahren hatte als die heutige Slalom-Generation.

Franz Klammers vierter und letzter Kitzbüheler Abfahrtssieg war der emotionalste – weil 1984 mit Erwin Resch und Anton Steiner zwei weitere Österreicher vom Podest lächelten; und weil Klammer nach problematischem Markenwechsel von vielen Experten schon abgeschrieben worden war, ja als Olympiaheld 1976 nicht einmal mehr zu den Spielen 1980 hatte fliegen dürfen.

Der Sieg von Karl Schranz über den Schweizer Jean Daetwyler und die ... Schweizer Zeitnehmung. Bei allen Zwischenzeiten war Schranz 1969 deutlich vorangelegen, aber beim Abschwingen lag er hinten. Die elektronische Zeitnehmung war weitergelaufen. Später lief dem Herrn Karl vom Arlberg dann der Zeitnehmerboss bis ins Hotel nach, um ihn mit einer goldenen Uhr zu versöhnen.

Der großzügige Mann, der sich solcherart entschuldigte, war Joseph Blatter, heute Präsident des Weltfußballverbands. Blatter damals: "Bitte, bitte Karl, nur keinen Skandal." Worauf Schranz schroff antwortete: "I wül koan Skandal. Ich wül mein Sieg." Zum Glück war dank einer Handzeitnehmung der Fauxpas ohnehin schon im Kitzbüheler Zielraum korrigiert worden.

Stephan Eberharters Sieg 2004. Nicht nur Nostalgiker behaupten acht Jahre danach noch, dass es sich – bei allem Respekt vor Fritz Strobls Streckenrekord oder den Triumphen von Hans Knauß und Didier Cuche – um die perfekteste Hahnenkamm-Fahrt aller Skizeiten gehandelt habe.

Hermann Maiers Sieger-Comeback 2003. Obwohl es sich "nur" um ein Montag-Rennen handelte und orange gekleidete Männer der Kitzbüheler Müll-Brigade auf der Tribüne die Kulisse bildeten, ging der Super-G in die Weltcupgeschichte ein. Die TV-Konsumenten sahen den demütig gewordenen Hermann beim ersten Sieg 17 Monate nach seinem Motorradunfall zum ersten Mal in der Öffentlichkeit weinen.

Harti Weirathers Glück nach dem Unglück. Es war am Tag genau vor 30 Jahren: Seinen Porsche hatte der Tiroler am Vorabend des Rennens nach einem Besuch beim Stangl-Wirt in Going in den Graben gefahren. Totalschaden. Geheimhaltung unmöglich. Denn: 14 Stunden später wollten alle alles über den Crashpilot wissen – schließlich galt es, die Hintergründe seines Abfahrtssieges zu ergründen. Heute, als Obervermarkter am Hahnenkamm, kann es sich PR-Agenturbesitzer Harti nicht mehr vorstellen, "dass i die Mausefalle und den Steilhang oamal Schuss obig’fahrn bin."

Kristian Ghedinas Abschiedsshow 2004. Der einzige Italiener, der je eine Kitzbüheler Weltcupabfahrt gewinnen konnte, riss in seinem letzten Streif-Rennen auf den letzten Metern zum Gaudium von 30.000 Augenzeugen seine 2,23-Meter-Latten auseinander – Spagat beim Zielsprung. Dort, wo Klaus Kröll gestern wieder 140 km/h erreichte.

Mario Matts Senkrechtstart. Mit der hohen Nummer 47 und breitester Skiführung platzte der Arlberger im Jänner 2000 in die Weltspitze. 12 Jahre nach seinem ersten Sieg auf dem Kitzbüheler Ganslernhang zählt Matt immer noch zum Favoritenkreis.

Der deutsch-österreichische Seppl-Sieg. Zeitgleich teilten sich 1978 der bayrische Baggerfahrer Sepp Ferstl und der (1984 bei einem Hobbyrennen tödlich verunglückte) Steirer Sepp Walcher den ersten Platz. Samstag kommt der Deutsche erstmals wieder nach Kitzbühel – weil Sohn Josef Ferstl (gestern 3,61 hinter dem Schweizer Trainingsschnellsten und Vierfach-Kitzsieger Cuche) auf der Streif debütiert.

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