Sport | Wintersport
01/23/2019

Blankes Eis: "Die Streif ist kein Kindergeburtstag"

Die erste Trainingsfahrt auf der Streif erhitzte die Gemüter - und bringt die Athleten an ihre Grenzen.

Es sollte sich mittlerweile eigentlich längst herum gesprochen haben, dass man die Streif nie nach dem Äußeren beurteilen darf. Wer sich davon blenden lässt, dass über Kitzbühel die Sonne lacht; wem die kitschig angezuckerten Baumwipfel entlang des Hahnenkamms Salz in die Augen streuen; wer diese Postkartenidylle nicht durchschaut – der wird aus seinem Wintertraum schnell ein böses Erwachen erleben. Spätestens bei der Steilhangausfahrt, wahrscheinlich sogar schon nach der Mausefalle.

„Die Streif ist kein Kindergeburtstag“, betonte Routinier Hannes Reichelt nach dem ersten Trainingslauf am Dienstag und damit fand der Sieger von 2014 sogar noch vergleichsweise liebliche Worte. Anderen Abfahrern stand nach dem ersten Streifzug über das blanke Eis das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben.

Überfordert

„Sinnlos, das hat mit Skifahren nichts mehr zu tun“, beschwerte sich Romed Baumann, der eigentlich als besonnener Zeitgenosse gilt. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich einmal so überfordert war.“ Der Tiroler war nach dem Steilhang sogar kurz stehen geblieben, weil er sich dermaßen unsicher gefühlt hatte und keinen Ausritt riskieren wollte. Für den Familienvater nimmt die Gratwanderung im Grenzbereich mittlerweile bedenkliche Züge an. „Wenn man sieht, dass ein Viertel der Läufer der Weltcupliste nicht am Start ist, dann ist es zach.“

Mit jedem Weltcupwochenende wird die Liste der Schwerverletzten länger, dazu passt die Ausfallquote im ersten Training auf der Kitzbüheler Streif. Sechs Läufer kamen nicht ins Ziel, darunter Kjetil Jansrud (NOR), der sich eine Handverletzung zuzog. Sieben Abfahrer, die für das Training genannt hatten, waren erst gar nicht am Start erschienen.

Damit blieb ihnen einiger Nervenkitzel erspart. Für Max Franz, dem man keineswegs unterstellen kann, ein ängstlicher Typ zu sein, fühlten sich die ersten 30 Fahrsekunden wie der blanke Horror an. „Ich hab’ mich während der Fahrt gefragt: ‚Was passiert da jetzt?‘ Ich bin in Wahrheit einfach nur froh, dass ich heil herunter gekommen bin.“

Heil und sogar auch noch schnell schaffte es Matthias Mayer über die Streif, der trotz seiner Hüftprellung vor Benjamin Thomson (CAN) und dem Ennstaler Daniel Danklmaier die Bestzeit aufstellte. Aber auch Mayer sagte: „Ich bin nicht unglücklich darüber, dass am Mittwoch kein Training ist.“

Kitzbühel-Abfahrtssieger seit 1995:

1995 gewann Luc Alphand (FRA) beide Abfahrten.

1996 gab es eine Abfahrt, in der Günther Mader (AUT) triumphierte.

1997 gewann Luc Alphand die erste...

... Fritz Strobl die zweite Abfahrt.

1998 ging die erste der zwei Abfahrten an Didier Cuche (SUI), die zweite...

... an den Italiener Kristian Ghedina. 

1999 gab es erneut zwei Kitz-Abfahrten, die erste gewann Lasse Kjus (NOR), die zweite...

... Hans Knauß.

Die einzige Abfahrt im Jahr 2000 gewann Fritz Strobl.

Im Jahr darauf gab es den nächsten österreichischen Sieg, und zwar durch Hermann Maier. 

Die österreichische Siegerserie ging auch 2002 weiter, als sich Stephan Eberharter zum Gewinner kürte.   

Daron Rahlves aus den USA beendete die ÖSV-Serie 2003. 

2004 gab es zum letzten Mal zwei Abfahrten. Lasse Kjus hieß der Sieger der ersten,...

... Stephan Eberharter Sieger der zweiten Abfahrt. 

2005 fiel das Rennen den Wetterbedingungen zum Opfer. Regen, Schneefall und starke Windböen haben nach dem Super-G auch eine Absage der schnellsten Disziplin herbeigeführt.

2006 gab es dank Michael Walchhofer erneut einen Heimsieg. 

2007 führten ungewöhnlich hohe Temperaturen zur Absage der Speed-Bewerbe in Kitzbühel.

Von 2008 bis 2012 fuhr der Schweizer Cuche vier Siege auf der Streif ein, lediglich...

... sein Landsmann Didier Defago konnte 2009 seine Serie unterbrechen. 

Der sympathische Südtiroler Dominik Paris schnappte sich 2013 den Sieg. 

2014 gab es einen Heimsieg. Hannes Reichelt ist bis heute der letzte Kitz-Abfahrtssieger.

2015 durfte sich der Norweger Kjetil Jansrud feiern lassen. 

2016 ließ sich der Südtiroler Peter Fill von Star-Gast Arnold Schwarzenegger beglückwünschen. 

Seinen zweiten Erfolg in Kitz feierte Paris 2017.

Im Vorjahr überraschte der Deutsche Thomas Dreßen mit seinem Sensationssieg.

Am 25. Jänner gewann Dominik Paris die Streif-Abfahrt zum dritten Mal. 

Das Programm der Hahnenkamm-Woche

Donnerstag, 11.30: 2. Abfahrtstraining
Freitag, 11.30: Super-G. 18.00: Startnummervergabe für die Abfahrt (Zielgelände). 18.30: Siegerehrung Super-G (Zielgelände)
Samstag, 11.30: Abfahrt. 14.30: Kitz-Charity-Trophy. 18.00: Startnummervergabe für den Slalom. 18.30: Siegerehrung Abfahrt
Sonntag, 10.30: Slalom, 1. Lauf. 13.30: 2. Lauf