Benjamin Karl bei einem Besuch in der KURIER-Redaktion vor WM-Beginn

© KURIER/Jeff Mangione

Snowboard-WM
01/21/2015

Favorit Karl: "Es gibt nur hopp oder dropp"

Benjamin Karl über sein Erfolgsrezept und die Kritik von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.

von Peter Karlik

Drei WM-Teilnahmen, vier Goldmedaillen. Wenn es bei der Snowboard-WM am Kreischberg einen Favoriten gibt, dann heißt er Benjamin Karl. Der 29-jährige Niederösterreicher spricht vor dem Start bei der Heim-WM über sein Erfolgsrezept, seinen Bandscheibenvorfall und darüber, wie sich die Kritik von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel an den Snowboardern bei den Olympischen Spielen in Sotschi selbst ad absurdum führte.

KURIER: Sie gehen am Donnerstag trotz eines Bandscheibenvorfalles an den Start. Wie stark schmerzt, bzw. behindert Sie die Verletzung?
Benjamin Karl:
Ich habe schon vor einiger Zeit gemerkt, dass ich im linken Fuß weniger Kraft habe, die Zehen taub werden und die Feinmotorik eingeschränkt ist. Nach der Saison muss ich infiltriert werden. Jetzt reichen Schmerzmittel. Ich bin überzeugt, dass ich an die Leistungen der letzten Rennen anknüpfen kann.

Sie haben vier Gold-Medaillen bei WM und je ein Mal Silber und Bronze bei Olympia gewonnen. Sind Sie bei Großereignissen besonders motiviert?
Motivation ist das richtige Stichwort. Es geht um den einen Tag, an dem du dich voll runterhaust. Wenn du weg bist, bist eben weg. Aber wenn es funktioniert, dann bist am Stockerl oder gewinnst sogar. Es gibt für mich nur hopp oder dropp. Ich würde ein Scheitern und einen Ausfall akzeptieren, wenn ich alles gegeben habe.

Und dennoch fallen Sie bei solchen Rennen nicht aus.
Das kommt noch dazu: Wenn man so furchtlos ist, dann macht man auch wenig Fehler. Der Körper reagiert im Ernstfall auch viel schneller. Dann muss man sich von der Intuition leiten lassen.

In Sotschi hat ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel einen Surf-Urlaub versprochen, wenn Sie eine Medaille gewinnen. Waren Sie schon auf Hawaii?
Ich habe ihn noch nicht eingelöst. Aber ihm ist es schon zu blöd geworden und jetzt fragt er mich bei jedem treffen danach, wann ich endlich auf Urlaub fahre. Hawaii wird es aber nicht. Das ist mit der Familie zu aufwendig.

Haben Sie sich in Sotschi nach der Kritik von Peter Schröcksnadel an den "unprofessionellen Snowboardern" komplett ausgesprochen?
Man kann ihm zwar seine Meinung sagen, aber er wird auf seiner beharren. Er kann sich schwer in einen anderen Sportler als einen Skifahrer hineinversetzen.

Konkreter Vorwurf von Schröcksnadel war, dass die Snowboarder nicht die Ressourcen des ÖSV nützen, wie zum Beispiel bei der Präparierung der Boards.
Er hat das vorgeschlagen und dann haben wir ein Budget bekommen, mit dem die gesamte Snowboard-Abteilung 15 Schliffe bekommt. Bei den Alpinen sind wir 15 Athleten. Bevor wir hinkommen, haben schon die Boardercrosser alle Schliffe verbraucht. Es ist nicht so rosig, wie es dargestellt wird.

Es wird bei der WM im Single-Run-Format gefahren. Das heißt, ein Lauf entscheidet. Das sieht auch nach einem Glücksspiel aus.
Es ist sicherlich mehr Glück dabei. Aber man kann nicht sagen, dass man ein Rennen eher mit zwei Läufen gewinnt oder mit einem. Es gleicht sich aus. Die Problematik ist, dass der Schnellste der Qualifikation sich den Kurs aussuchen darf. Oft weiß man aber nicht, welcher Kurs schneller ist.

Sind Sie vor einem Rennen noch nervös?
Ja, immer, gottseidank. Da spürt man schon das Herz schlagen. Das ist auch wichtig so, weil man ein gewisses Aufgeregtsein braucht, um die Leistung zu bringen. Ganz ohne Spannung geht’s nicht. Deshalb macht der Marcel (Anm. Hirscher) auch 500 Liegestütz vor dem Start, damit er mehr Spannung hat.

Aber Sie nicht…
Ich kann keine 500, ich schaffe nur 30 (Anm. lachend).

In dieser Weltcup-Saison gibt es vier Riesentorläufe und sechs Slaloms. Ist das nicht zu wenig?
Wir haben letztes Jahr nur sechs Weltcuprennen und zwei bei Olympia gehabt. Es geht eh wieder bergauf. Wenn es einmal 20 Rennen wären, wäre es nicht schlecht. Die alpinen Snowboarder sind nach den Erfolgen in Sotschi und jetzt durch die Heim-WM wieder im Aufschwung. Es ist jedes Rennen live im ORF und die Medien berichten gut.

Es gibt aber kaum alpine Boards mehr zu kaufen. Hobby-Boarder fahren Freestyle-Bretter. Tut das einem Vertreter einer Sportart weh?
Wahrscheinlich gibt es in den Hervis-Stores nächstes Jahr wieder Bretter. Ich schaue, dass ich das in meinem Bereich mache, was ich kann. Man kann aber auch über das Internet alles kaufen, was man für das alpine Snowboarden braucht. Es gibt eine große Community. Insgesamt sind wir nicht wegzudenken.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag im Leben eines Profisnowboarders aus, wenn nicht gerade ein Rennen ansteht?
Wenn ich nichts zu tun habe, dann weckt mich meine Tochter (Anm. die zweijährige Benina) um spätestens 7 Uhr auf. Dann gehen wir gemeinsam frühstücken, bringen der Mama den Kaffee ans Bett und haben noch eine Kuschelstunde. Je nach Wetter gehe ich hinaus trainieren. Wenn möglich eine Skitour, oder in die Kraftkammer. Oder, wenn ich es mir leisten kann, mache ich gar nichts.

Haben Sie über die gesamte Saison einen vorgegebenen Trainingsplan?
Nein, ich mache mir das seit vielen Jahren selbst. Ich habe mir von vielen Trainern das beste abgeschaut und das funktioniert sehr gut. Ich kenne meinen Körper so gut, dass ich weiß, was gut für mich ist.

Solche Freiheiten lässt der ÖSV?
Deshalb, weil es eh keine Kohle gibt für uns, die man im Sommer für Trainingscamps bräuchte.

Was machen Sie dann in den Sommermonaten?
Vor drei Jahren habe ich Leichtathletik ins Trainingsprogramm aufgenommen. Davor bin ich so viel radgefahren, dass es mir schon am Zeiger gegangen ist. Es gibt Tage, da bin ich sechs Stunden auf dem Rad und dann zwei Stunden am Leichtathletik-Platz. Wenn ich mich gut fühle, warum nicht?

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