Erst Tränen, dann Jubel: Ski-Ass Stary rast mit Angst im Gepäck zur Medaille

Elina Stary fuhr bei den Paralympics hinter der Goldenen Veronika Aigner zu Bronze und erfüllte sich einen Lebenstraum. Die sehbeeinträchtigte Kärntnerin bewies wieder einmal Stärke.
PARALYMPICS - Winter Paralympics Milano Cortina 2026

Wie viel Unterschied ein paar Stunden machen können. Am Montagvormittag flossen bei Elina Stary noch Tränen. Auf Kurs zu Bronze im Super-G der sehbeeinträchtigten Skifahrerinnen bei den Paralympics in Cortina legte die 19-Jährige kurz vor dem Ziel einen wilden Sturz hin. Stary blieb unverletzt, nach der ersten Enttäuschung war schon wieder der Kampfgeist geweckt.

Wenige Stunden später sah die Ski-Welt dann auch schon wieder ganz anders aus. Stary legte beim Super-G des ersten Durchgangs der Kombination einen sauberen Lauf hin, verschaffte sich mit Zwischenrang drei eine gute Ausgangsposition für den Slalom. Wo sie sie sich dann am Ende Bronze sicherte. Für sie ging damit ein Lebenstraum in Erfüllung. Gold ging an Teamkollegin Veronika Aigner (und Guide Lilly Sammer), die ihre bereits dritte Medaille bei diesen Winterspielen einfuhr.

Die Angst fuhr mit

Die Freude danach war dementsprechend groß. „Es ist ein unglaubliches Feeling“, sagt Stary, bei der die Angst nach dem Sturz „schon mitgefahren ist“. Mit Elina Stary jubelten auch Vater Roman, seines Zeichens Ex-Fußballprofi und aktuell Sportkoordinator beim WAC, und Mutter Petra, ehemalige Snowboarderin. Die Leistungssportlerin liegt Stary also im Blut.

Elina Stary auf der Piste.

Elina Stary im Super-G-Bewerb der Kombination.

Geboren wurde sie mit einem genetisch bedingten okulären Albinismus, die Augen sind von einer Pigmentstörung betroffen. Stary besitzt nur zwei Prozent Sehkraft. „Es ist wie, wenn man zu lange in die Sonne schaut. Dann fängt es vor den Augen zu flackern an“, erklärt sie. Je heller, desto schlimmer. Dass Stary sich nun zur Medaillengewinnerin kürte, ist nicht selbstverständlich. Den Eltern hatte man einst gesagt, dass sie nie Sport machen oder selbstständig leben werde können. Die wollten sich damit aber nicht abfinden.

Erst in der Volksschule verstand sie dann, „dass ich wirklich anders bin“. Sie sei oft allein gewesen und wurde gehänselt, erzählte sie dem Standard: „Kinder aus anderen Klassen sind reingekommen und haben gefragt: ,Wer ist die Behinderte bei euch?’“ Geholfen hat ihr ein Rat ihrer Mutter: „Sie hat etwas gesagt, was mich geprägt hat: 'Denk doch mal daran, der Gott hat doch nur jenen eine Beeinträchtigung gegeben, wo er weiß, die sind so stark, damit umgehen zu können’“

Stary war stark genug. Schon mit 15 absolvierte sie in Peking ihre ersten Paralympics. Jetzt, mit 19, hat sie sich auch den Medaillentraum erfüllt. Und das noch vor ihren Parade-Disziplinen, dem RTL und Slalom. Dort gewann sie heuer bereits die kleinen Kristallkugeln. Stary will auch da angreifen. Und Guide Stefan Winter ist überzeugt: „Ich glaube, das ist jetzt nur der Beginn von etwas vielleicht noch Größerem.“

Hinweis: Die Reise zu den Paralympics in Cortina erfolgte auf Einladung des ÖPC.

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