Medaillen für Österreich: "Wusste, dass ich kein Vollwappler bin"
Nach Platz acht im Super-G im Stehend-Bewerb der Paralympics in Cortina war Thomas Grochar noch enttäuscht. „Zu viel Brechstange, zu viele Fehler“, haderte der 32-Jährige danach. Acht Zehntel fehlten auf Bronze. „Die finde ich locker“, war der Kärntner überzeugt.
Gesagt, getan. Am Tag darauf, im Super-G-Bewerb der Super-Kombination, erwischte es Grochar besser, belohnte sich mit Zwischenrang zwei. Nur der Russe Alexej Bugaew war deutlich schneller, er ging mit 1,25 Sekunden Vorsprung auf Grochar in den Slalom. Dort behielt der Routinier dann die Nerven. Was nicht selbstverständlich war. Der Kärntner hatte im Slalom-Weltcup heuer bislang nur ein Top-4-Ergebnis auf der Haben-Seite, in fünf Rennen schied er drei Mal aus.
Grochar in Feierlaune
Auf der Tofana lief es besser. Grochar brachte den Slalom ins Ziel, durchlebte dann ein Wellental der Gefühle. Erst rutschte er auf Platz drei zurück. Der Frust war groß, rechnete er doch da schon fix mit dem undankbaren vierten Rang. Es kam anders. Der führende Russe Bugaew schied aus, davon bekam Grochar erst gar nichts mit. Er gewann Bronze.
Für Grochar, dem von Geburt an der linke Oberschenkelknochen und das Wadenbein fehlen, war es auch eine Bestätigung der eigenen Fähigkeiten. „Ich weiß, dass ich brutal schnell Ski fahren kann“, sagte er vor den Spielen. Und: „Das Ziel ist eine Medaille, keine Diskussion.“ Dementsprechend groß war dann auch die Freude, nachdem die Bronzene fix war.
Danach zeigte sich der Kärntner völlig losgelöst. "Ich habe schon eine Slalomkugel daheim, war einmal Vize-Weltmeister. Aber ich glaube, das ist schon ganz oben", versuchte der 32-Jährige, für den es die vierten und letzten Paralympics sind, den Erfolg einzuordnen. "Es ist einfach die Erleichterung gerade so extrem. Und mich freut es auch brutal für meine ganzen Betreuer. Da arbeiten so viele Leute mit mir oder wegen mir an meinem Ziel. Und viel kannst du ihnen nicht zurückgeben über die Karriere. Aber das ist, glaube ich, etwas, das werden die Teufel auch nicht vergessen."
„Ich habe ja gewusst, dass ich gut Skifahren kann und kein Vollwappler bin“, konnte er sein Glück noch nicht ganz fassen. Gefeiert wird ordentlich: „Heute Abend werde ich mir, wie man auf italienisch sagt, einen hinter die Rüstung römern.“ Die Abschiedsvorstellung gibt es dann im Slalom am Sonntag. Nach dem Jubel in der Kombi kann Grochar etwas entspannter in die letzten Tage gehen.
Guide Nico Haberl und Johannes Aigner.
Aigners Goldserie ist gerissen
Gerissen ist indes die Erfolgsserie von Johannes Aigner. Der 20-Jährige musste sich nach den beiden Goldmedaillen in Abfahrt und Super-G der Sehbeeinträchtigten erstmals bei diesen Paralympics geschlagen geben. Aigner sicherte sich mit Guide Nico Haberl Bronze in der Kombination.
Das Duo aus Niederösterreich lieferte sich bereits im ersten Durchgang, dem Super-G, ein enges Rennen mit dem Italiener Giacomo Bertagnolli sowie dem Kanadier Kalle Eriksson. Die drei Paarungen lagen nur getrennt durch 45 Hundertstel auf den ersten drei Rängen.
Im Slalom war es dann der Viertplatzierte Brite Neil Simpson, der vorlegte und der Konkurrenz eine fast unlösbare Aufgabe mitgab. Aigner blieb hinter Simpson zurück, der Kampf um Platz drei wurde zum Hundertstelkrimi. Eriksson blieb am Ende fünf Hundertstel hinter dem Österreicher.
Nur der Halbzeitführende Bertagnolli ließ sich von alldem nicht beeindrucken und sicherte sich Gold.
Hinweis: Die Reise zu den Paralympics in Cortina erfolgte auf Einladung des ÖPC.
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