Eishockey-WM: Österreich schafft die Sensation

Freude: Österreich fixiert mit dem 4:0 gegen Weißrussland den Klassenerhalt und spielt damit auch 2019 erstklassiges Eishockey. … © Bild: REUTERS/GRIGORY DUKOR

Nach dem 4:0 gegen Weißrussland spielt das Team 2019 bei der A-WM in der Slowakei.

Österreich ist das Sensationsteam dieser WM! Zum ersten Mal seit Frankreich im Jahr 2008 schafft ein Aufsteiger den Klassenerhalt bei einer A-Weltmeisterschaft. Dem Nationalteam war dies zuletzt 2004 gelungen (als WM-Veranstalter 2005 aber auch ohne Druck).

Im vorletzten Spiel der Gruppe A besiegten die Österreicher Weißrussland vor 7370 Zuschauern 4:0 haben also vier Punkte Vorsprung auf das Schlusslicht und können in der letzten Runde nicht mehr überholt werden. Die Weißrussen waren 2005 bei der WM in Österreich der Aufsteiger und werden jetzt von Österreich erstmals wieder in den Abgrund gestoßen.

Glückliche Führung

Wie schon beim 2:4 gegen die Slowakei und beim 2:5 gegen die Franzosen schossen die Österreicher das erste Tor. Gleich mit dem ersten Schuss und sehr glücklich gelang das 1:0. Viveiros schlenzte den Puck in Richtung Tor, vom unsicheren Goalie Karnaukow sprang er auf einen Verteidiger und von diesem ins Tor (5.). Die Weißrussen mit ihren zwölf Profis aus der russischen KHL spielten immer wieder schnelle Angriffe, ließen den Puck gut zirkulieren und die Österreicher laufen. Doch Starkbaum hielt bei Chancen von Linglet (7.) und Platt (10.) hervorragend. Auf der anderen Seite hatten die Weißrussen Glück, als Haudum ein Solo nur mit einem Schupfer an die Latte abschloss (10.).

Die entscheidende Phase des Spiels war jene zirka zur Hälfte: Weißrussland hatte in einem Powerplay gefühlte 100 Torschüsse, doch Starkbaum und Fortuna hielten das Tor sauber. In Minute 30 bekam Österreich die erste Möglichkeit in Überzahl zu spielen. Und da klingelte es. Geduldig ließen Raffl und Co. den Puck zirkulieren und Komarek erzielte mit einem platzierten Schuss das 2:0 (31.). Jetzt kam die Zeit der Österreicher. Fast der gleiche Spielzug führte zum 3:0, doch Raff hatte Komareks Schuss noch abgefälscht (35.). Weißrussland-Goalie Karnaukow musste gehen. Doch auch sein Ersatz musste vor der Pause den Puck aus dem Tor holen. Denn Zwerger schloss erneut in Überzahl mit einem Schuss ins kurze Kreuzeck riesig ab (40.).

Starker Komarek

2018 IIHF World Championships
Konstantin Komarek steigerte sich im Match gegen Weißrussland enorm. © Bild: REUTERS/GRIGORY DUKOR

Österreich spielte viel klüger, als am Freitag beim 2:5 gegen Frankreich. Vor allem der stark kritisierte Konstantin Komarek spielte stark auf und ließ seine Leistungen in den Partien davor vergessen. Und im Tor ließ Bernhard Starkbaum nichts anbrennen. Der Wiener hatte vor allem bei den Powerplay-Möglichkeiten der Weißrussen alle Hände voll zu tun. Komarek wurde zum besten Spieler eines starken österreichischen Teams gewählt.

Nicht mehr mitspielen konnte Stürmer Brian Lebler, der sich gegen Frankreich einen Finger brach und schon in der Früh nach Linz zurückflog. Verteidiger Heinrich fehlte wegen einer Knieverletzung, sah sich die Partie aber in der Halle an.

(aus Kopenhagen)

EISHOCKEY: A-WM IN DÄNEMARK / GRUPPE A: ÖSTERREICH - RUSSLAND
Roger Bader (re.) © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER / HELMUT FOHRINGER

Stimmen

Roger Bader (Teamchef Österreich): „Ich freue mich riesig, auch für meine Mitarbeiter und für die Mannschaft. Das ist ganz oben (in der Karriere). Wenn man bei einer A-WM als Aufsteiger erstmals seit zehn Jahren die Klasse hält, ist das natürlich ganz oben. Vieles, was wir uns vorgenommen haben, haben wir umgesetzt. Von dem her, was wir momentan spielen können, kann man vielleicht von einem perfekten Spiel reden. Wenn wir mal schwächere Phasen hatten, hatten wir Starkbaum, der uns vor Gegentreffern bewahrt hat. Das Powerplay war gut, Unterzahl war gut, die Mannschaft hat den Spielplan umgesetzt.“
Thomas Hundertpfund (Kapitän): „Wir haben 60 Minuten unseren Spielplan durchgezogen und waren mit drei Spielern hinten. Nach dem Frankreich-Spiel ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Starki (Torhüter Starkbaum) und die ganze Mannschaft haben eine sehr starke Leistung geboten. Zehn Minuten vor dem Ende habe ich gewusst, wir schaffen das. Unter Umständen werden wir uns jetzt ein paar Bier genehmigen.“

Michael Raffl (Stürmer): „Ich habe nicht gedacht, dass es mir so viel bedeutet. Ich war heute mit sehr vielen Emotionen bei der Sache. Es ist ein unglaubliches Gefühl, zehn Jahre hat es keine Mannschaft geschafft. Normalerweise fährt man zur WM, bekommt ein paar auf den Deckel, schafft vielleicht einen Sieg, aber das ist zu wenig und du fährst als Verlierer heim. Heuer holen wir einen Sieg, und jetzt sind wir fix oben. Endlich haben wir das Schlüsselspiel gewonnen, und verdient gewonnen. Ich habe schon in deutlich besseren österreichischen Mannschaften gespielt und den Klassenerhalt nicht geschafft. Deshalb macht mich das heute umso stolzer. Das war eine super Mannschaftsleistung. Starke (Torhüter Starkbaum) hat super gespielt. Wenn man die Powerplay-Chancen auch noch so ausnützt, bist du verdienter Sieger.

Am Ausgang von der Kabine zum Hotel muss man immer durch die Fans, und ich habe kein einziges negatives Wort von den österreichischen Fans gehört, obwohl wir nicht unser bestes Eishockey gezeigt haben. Das befreit schon irgendwie. Da spürt man keinen Druck, die sind da und haben eine gute Zeit und dass sie nun einen Sieg von uns bekommen, das ist fantastisch.“

Bernhard Starkbaum (Torhüter): „Unglaublich schön. Heute war der Tag X, wo wir die Leistung abrufen mussten, das haben wir zum Glück getan. Wir haben aus den letzten Partien viel gelernt und das heute umgesetzt, Schüsse geblockt, die Burschen haben sich reingehaut. Wir haben gewusst, wir müssen das (Frankreich-Spiel) aus den Köpfen bringen, keine 24 Stunden später ist die nächste Partie. Das haben wir sehr gut gemacht und das haben wir auch am Eis gezeigt. Die Special Teams haben heute den Unterschied ausgemacht. Wir können richtig stolz auf die Mannschaft sein. Wir haben das Glück, nächstes Jahr bei der A-WM spielen zu dürfen und dort wollen wir das gleich machen wie heute.“

Konstantin Komarek (Stürmer): „Wir haben uns heute alle am Riemen gerissen und die Drecksarbeit gemacht. Ich bin so stolz auf die Mannschaft. Auf alle, auch jene, die nicht mehr dabei sein konnten.“

Dominic Zwerger (Stürmer): „Es ist ein unglaubliches Gefühl, dass wir gleich bei meiner ersten A-WM die Klasse halten und das nach 14 Jahren. Vor meinem Tor habe ich gedacht, jetzt muss einmal einer mit der Brechstange rein und wenn ich die Scheibe erhalte, schieße ich. Zum Glück ist sie reingegangen. Im Eishockey muss man mit Höhen und Tiefen umgehen und wir sind mit der Frankreich-Partie sehr gut umgegangen.“

Gruppe A - 9. Spieltag:

Samstag, 12.05.2018

 

 

Slowakei - Schweden

3:4

n.V.

(1:2,1:1,1:0;0:1)

Tore: Jurco (11.), Daloga (37./SH), Nagy (47.) bzw. Everberg (16.), Nyquist (19.), de la Rose (25.), Zibanejad (65./PP)

 

 

Österreich - Weißrussland

4:0

 

(1:0,3:0,0:0)

Tore: Viveiros (5.), Komarek (31./PP), Raffl (35./PP), Zwerger (40./PP).

 

 

Russland - Schweiz

20.15

 

 

Tabelle:

1.

Schweden

5

4

1

0

0

23:5

18

14

 

2.

Russland

4

3

0

1

0

23:4

19

10

 

3.

Tschechien

5

1

3

0

1

17:12

5

9

 

4.

Schweiz

4

2

1

1

0

14:9

5

9

 

5.

Slowakei

5

2

0

2

1

12:12

0

8

 

6.

Frankreich

5

2

0

0

3

12:18

-6

6

 

7.

Österreich

6

1

0

1

4

10:26

-16

4

 

8.

Weißrussland

6

0

0

0

6

4:29

-25

0

*

Weitere Spiele:

Sonntag, 13.05.2018

 

 

Frankreich - Tschechien

16.15

 

 

Schweiz - Schweden

20.15

 

 

Montag, 14.05.2018

 

 

Russland - Slowakei

16.15

 

 

Tschechien - Österreich

20.15

 

 

Dienstag, 15.05.2018

 

 

Schweiz - Frankreich

12.15

 

 

Weißrussland - Slowakei

16.15

 

 

Russland - Schweden

20.15

 

 

( kurier.at ) Erstellt am 12.05.2018