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05.05.2018

2:3 n.V.: Österreich punktet zum WM-Auftakt gegen die Schweiz

Die Eidgenossen waren für den Aufsteiger eine Nummer zu stark, am Sonntag folgt das Duell mit Olympiasieger Russland.

Mit einem Punktgewinn gegen den Vize-Weltmeister 2013 und ständigen Viertelfinalkandidaten Schweiz startete Aufsteiger Österreich in die Eishockey-WM in Dänemark. Das Team von Roger Bader holte mit einer kämpferisch herausragenden Leistung und einem sensationell haltenden Tormann Bernhard Starkbaum ein 0:2 auf und verlor erst in der Verlängerung mit 2:3.

Das erste Drittel

Die Österreicher begannen genau so, wie sie es vermeiden wollten: Mit einem dummen Foul im Angriffsdrittel. Die Referees aus Russland und Schweden schickten Rauchenwald schon in der 2. Minute wegen eines Hakens auf die Strafbank. In den folgenden zwei Minuten fand das Team von Roger Bader mit guter Aggressivität ins Spiel und ließ keine großen Chancen der Schweizer zu.

Die hochtalentierten Spieler rund um Minnesota-Star Nino Niederreiter merkten allmählich, dass sie sich gegen den Aufsteiger ein wenig steigern mussten. Denn kämpferisch ließen die Österreicher alles auf dem Eis, was sie zu bieten hatten. Und so kamen sie auch zu ein paar wenigen Chancen. Hofer, Viveiros und Schumnig vergaben. Gegen Drittel-Ende wurde die Schweiz stärker. Vermin scheiterte erst zwei Mal an Goalie Starkbaum (18.), wenige Augenblicke später vertändelte Verteidiger Ulmer den Puck an der Bande, Komarek rutschte weg und Niederreiter übernahm direkt zum 1:0 (19.).

2018 IIHF World Championships

Das zweite Drittel

Der zweite Abschnitt verlief spielerisch weniger ausgeglichen. Die Schweizer erhöhten das Tempo und gewannen alle wichtigen Zweikämpfe. Österreich konnte fast nur noch reagieren statt agieren. Haas traf in Minute 25 von den Verteidigern Schumnig und Unterweger völlig alleine gelassen zum 2:0. Bernhard Starkbaum und der Überheblichkeit der Schweizer in manchen Situationen war es zu verdanken, dass das Spiel noch nicht entschieden war.

Die schmutzigste Aktion des bisherigen Turniers lieferte der Schweizer Andrighetto, der nach einer guten Möglichkeit den entgegenkommenden Strong mit einem Kniecheck schwer verletzte. Der Österreicher konnte das Eis nur noch liegend verlassen, der Schweizer bekam eine Matchstrafe und Österreich ein fünfminütiges Powerplay. Und in diesem konnte ausgerechnet Schweiz-Legionär Zwerger mit einem Nachschuss zum 1:2 anschreiben (35.). Vor der Pause sorgte auch Starkbaum dafür, dass Österreich in den Best-of-Videos dieser WM sicher vertreten sein wird. Die Schweizer spielten Niederreiter auf der linken Seite frei, das Tor war frei, doch Starkbaum kam mit seinem Schläger noch an den Schuss (40.). Es ging mit einem 2:1 für die Schweiz in die Kabine.

2018 IIHF World Championships

Das dritte Drittel

Dank Bernhard Starkbaum stand es nicht dem Spielverlauf entsprechend 1:7 oder 1:8, sondern 1:2. Und somit durften die Österreicher noch an ihre Chance glauben. Die Fans aus Österreich, nummerisch in Unterzahl im Vergleich zu den Schweizern, hatten ihre Freude und übernahmen das Kommando als Stimmungsmacher. Speziell nach dem sensationellen Ausgleich: Ganahl erkämpfte hinter dem Schweizer Tor den Puck, Schneider legte dem Vorarlberger wieder perfekt auf und plötzlich stand es 2:2 (47.). Jetzt war den Schweizern eine gewisses Unbehagen anzumerken. Kann eine Partie mit einem solchen Spielverlauf tatsächlich verloren werden?

Die Verlängerung

Österreich musste eine Unterzahl überstehen. Offensiv gelang aber nichts mehr. Und so schaffte es Corvi mit einem schönen Solo, Starkbaum auszuspielen und zum 3:2-Erfolg einzuschießen (64.). Österreichs Fans feierten Bernhard Starkbaum dennoch mit Sprechchören.

Die Stimmen

Roger Bader (Teamchef Österreich): "Wenn man während der Overtime das Tor bekommt, ist man im ersten Moment enttäuscht. Man hofft, dass man den zweiten Punkt holt, vielleicht ins Penaltyschießen geht. Im ersten Moment ist Frust, aber im Nachgang sind wir nicht ganz unglücklich, dass wir einen Punkt geholt haben. Kämpferisch war die ganze Partie gut und Starkbaum hat eine Riesenpartie gespielt. Wenn ein Außenseiter, und das sind wir, einen Punkt gewinnen will, braucht es kämpferisch eine hervorragende Leistung, gutes Box-Play, Powerplay-Tore und du brauchst einen starken Torhüter. Starkbaum hat ein paar irrsinnige Saves gemacht. Das Team hat einen sehr guten Spirit, ist heiß und entschlossen. Russland ist eine Top-Mannschaft. Wenn die uns ernst nehmen und Vollgas geben, wird das schwierig. Ich weiß aber, es gibt immer wieder Partien, wo sie es ein bischen locker nehmen, dann kann man vielleicht einen Punkt oder einen Sieg stibitzen."

Stefan Ulmer (Verteidiger Österreich): "Am Ende haben wir einen Punkt gewonnen. Leider haben wir einfache Tore bekommen. Ich mache beim ersten Tor einen Fehler, das 3:2 darf auch nicht passieren. Aber für uns ist es ein gewonnener Punkt. Wir haben defensiv sehr hart gespielt, viele Schüsse blockiert. Wenn Starke (Starkbaum) in dieser Form im Tor ist, kannst du gegen jede Mannschaft gewinnen."

Bernhard Starkbaum (Torhüter Österreich): "Können sehr stolz auf uns sein. Wir haben gegen eine sehr starke Schweizer Mannschaft ein 0:2 aufgeholt und einen Punkt geholt. Die Spieler haben viele Schüsse geblockt, viel Drecksarbeit gemacht, wir haben gekämpft und sind zurückgekommen. Wir haben gewusst, dass wir die Partie nicht machen werden, sondern über den Kampf ins Spiel finden müssen. Wir haben einen Punkt verdient gewonnen, leider den zweiten verloren. Im Training gehen manchmal solche Saves, dann ärgere ich mich, dass es in der Partie nicht so geht. Heute hat es funktioniert."

Dominic Zwerger (Stürmer Österreich): "Wir sind früh 0:2 in Rückstand geraten, aber es hat jeder für jeden gekämpft und wir haben noch einen Punkt geholt. Je länger die Partie gegangen ist, umso besser und besser sind wir geworden. Gut, dass wir uns zurückgekämpft haben und einen Punkt mitgenommen haben, aber es wäre umso schöner gewesen, das Spiel zu gewinnen. Das erste Tor ist ein super Gefühl. Ich habe viel gemacht, nur den Rebound reingehaut. Russland ist eine der Top-Nationen. Aber sie haben fünf Spieler am Eis, wir haben fünf Spieler, es muss 60 Minuten gespielt werden, dann schauen wir, was rauskommt."

Raphael Diaz (Kapitän Schweiz): "Bei fünf gegen fünf Feldspielern spielten wir gut, wir wechselten gut die Seiten. Individuelle Fehler haben uns jedoch zu schaffen gemacht."