Sport | Wintersport | Eishockey-WM
06.05.2018

0:7 - Russland erteilt Österreich eine Lehrstunde

Der Olympiasieger war für das Team von Roger Bader zu stark. Am Sonntagabend kommt Michael Raffl nach.

Wenig überraschend bleibt Österreich nach dem zweiten Spiel dieser WM bei einem Punkt. Dem 2:3 n.V. zum Auftakt gegen die Schweiz folgte am Sonntag gegen Russland eine 0:7-Niederlage. Der regierende Olympiasieger erteilte dem Aufsteiger eine Lehrstunde.

Erstes Drittel

Zehn Minuten lang durfte Österreich mitspielen und hatte sogar ein paar kleine und durch Rauchenwald und Hofer (8.) große Chancen. Die Russen schienen mit der Bullyzeit von 12.15 Uhr kein Freude zu haben. Erst nach einer zehnminütigen Aufwärmphase begannen sie ihr Spiel. Grigorenko benützte Ulmer als Schild und feuerte einen platzierten Schuss zum 1:0 ab (10.). Madlener, der den gegen die Schweiz überragenden Torhüter Starkbaum vertrat, hatte keine Chance.

Die Sprints der Spieler der Sbornaja und ihre Handgelenksschüsse wurden immer bedrohlicher für den Aufsteiger. Zwei Minuten später stocherte Chicago-Stürmer Anisomow den Puck nach einem Butschnewitsch-Solo über die Linie (11.). Barabanow schoss in Minute 14 an Verteidiger Altmann vorbei zum 3:0 ein.

Die Unterschiede in den individuellen Fähigkeiten waren einfach zu groß, als dass Österreich in diesem Spiel durch großen Kampfgeist eine Chance gehabt hätte. Beobachter dieses Spiels werden sich fragen, um wie viel mehr russische Kinder und Jugendliche trainieren, damit sie als Erwachsene so schnell eislaufen können und so hart sowie platziert schießen können.

2018 IIHF World Championships

Zweites Drittel

Wie schon am Anfang durften wieder die Österreicher durch Lebler und Spannring die ersten Möglichkeiten herausspielen. Doch der russischen Spiellaune  tat dies keinen Abbruch. Grigorenko von CSKA Moskau spielte Madlener fein zum 0:4 aus (24.). Jetzt stellte sich nur noch die Frage, ob Österreich im Vergleich zu Abstiegs-Gegner Frankreich ein besseres Ergebnis einfahren kann. Die Franzosen hatten am Samstag gegen die Russen 0:7 verloren.

Welch feines Händchen Olympiasieger, Weltmeister und Stanley-Cup-Champion Pawel Datzjuk hat, zeigte der 39-Jährige, als er nach einem Solo dem am langen Eck freien Kaprisow zum 5:0 auflegte (30.). Da standen noch lange 30 Minuten bevor.

Österreichs Fans ließen erst gar keine schlechte Stimmung aufkommen und riefen "Unsre Halle, unsre Halle" in die mit 6000 Fans gut gefüllte Multifunktionsarena im Süden von Kopenhagen. Florida-Stürmer Mamin war wenig beeindruckt und schoss Madlener zum 6:0 durch die Beine (38.).

2018 IIHF World Championships

Natürlich genießt man sie lieber, wenn man auf der Tribüne sitzt, als wenn man an der Bande steht. Aber man hat manchmal das Gefühl, man habe den besten Stehplatz im Stadion.

ÖEHV-Teamchef Roger Bader | über die Lehrstunde von Olympiasieger Russland

Drittes Drittel

6:0 nach zwei Drittel - der Schlussabschnitt war logischerweise von Langeweile geprägt. Als Mikejew nach einem 30 Meter-Sprint zum 7:0 traf (54.), tanzten die österreichischen Fans längst ihre Polonäse auf der Tribüne.

Ausblick

Am Sonntag Abend landet Philadelphia-Stürmer Michael Raffl in Kopenhagen. Der Villacher wird am Montag mit dem Team trainieren und am Dienstag gegen die Slowakei erstmals spielen. Steven Strong, der vom Schweizer Andrighetto schwer verletzt wurde, wird noch Sonntag nach Klagenfurt zurückkehren. Der Verteidiger erlitt bei einem Kniecheck einen Seitenbandriss. Der Verdacht auf einen Kreuzbandriss besteht auch. Gegen die Russen fiel auch Lukas Haudum aus, der im Schweiz-Spiel einen Schuss geblockt hatte und am Sonntag mit seinem geschwollenen Fuß nicht in den Schlittschuh kam.

IHOCKEY-WC-2018-AUT-RUS

Die Stimmen

Roger Bader (Teamchef Österreich): "Die russische Mannschaft war zwei Klassen besser als wir, aber das überrascht mich nicht wirklich. Die russischen Spieler bringen das gesamte Package mit vom Speed, von den Skills, auch physisch sind sie besser als unsere Mannschaft. Dann spielen sie auch noch ein gutes Umschaltspiel: bei Scheibenverlust macht es zack, zack und sie sind bei uns vor dem Tor. Sie hätten auch höher gewinnen können als 7:0. Wir wurden gezwungen, mit ihrem Tempo mitzulaufen und auch schnelle Entscheidungen zu fällen. Das ist uns nicht immer gelungen, weil es unsere Spieler schlichtweg nicht gewohnt sind. Es gibt einige Spieler, die damit besser zurechtgekommen sind, andere sind völlig durchgefallen. Das war aber nicht wirklich eine Überraschung. Natürlich sagt man das vor dem Spiel nicht, aber dass wir normalerweise gegen die Russen nicht den Hauch einer Chance haben, muss man auch erwarten. Ich bin seit Kleinauf ein Anhänger des russischen Eishockey. Natürlich genießt man es lieber, wenn man auf der Tribüne sitzt, als wenn man an der Bande steht. Aber man hat manchmal das Gefühl, man habe den besten Stehplatz im Stadion."

Konstantin Komarek (Stürmer Österreich): "Die ersten 20 Minuten waren okay, dann haben sie Katz und Maus gespielt. Wir waren zu naiv, wir machen zwei Wechselfehler, sie machen zwei Tore. Wir haben vier Kontertore bekommen, das geht einfach nicht. Jetzt waren es die Russen, wenn das gegen Frankreich passiert, werden es aus fünf, sechs, sieben Kontern auch zwei Tore sein. Das geht nicht bei der A-WM. Kein Profisportler will mit einem 0:7 vom Eis gehen. Aber ein Turnier ist eine Lernphase, zum Glück haben wir die wichtigsten Spiele in den letzten drei Spielen."

Dominique Heinrich (Verteidiger Österreich): "Daraus muss man lernen, dass es da nicht viel zu holen gibt, ist sehr wahrscheinlich. Wir versuchen natürlich in jeder Partie, Punkte zu holen, im Endeffekt waren wir aber weit weg. Sie spielen ein sehr hohes Tempo, da muss man schnelle Entscheidungen treffen. Gegen andere Gegner, die für uns wichtig sind, wie Frankreich oder Weißrussland, kann es ein Vorteil sein, wenn wir ein schnelles Spiel machen können."

David Madlener (Torhüter Österreich): "Es ist nicht nach Wunsch verlaufen, sieben Tore sind schon viel. Ist schon ein anderes Niveau, was ich gewohnt bin. Das einmal zu sehen, was eigentlich möglich ist, war schon lässig. Die schießen so schnell, das ist bei uns in der Liga nicht so, da hat der Torhüter Zeit, sich herzurichten. Man muss immer hellwach sein. Natürlich war ich ein bisschen nervös vor so einer Partie. Erste Eindrücke und die Erfahrung ist schon sehr was Cooles. Die letzten zwei Tore darf ich nicht bekommen. Es ist noch viel zu trainieren, dass man dorthin kommt, wo die sind."

Peter Schneider (Stürmer Österreich): "Natürlich ist das eine Weltklasse-Mannschaft. Aber das darf keine Ausrede dafür sein, wie wir gespielt haben. Wir hätten einfacher spielen müssen, dann hätten wir auch weniger Fehler gemacht."

Gernot Mittendorfer (ÖEHV-Präsident): "Es war nicht anders zu erwarten. Wenn wir eines Tages die Qualität von Russland haben, werden wir uns über den Abstieg keine Sorgen machen müssen."