Die Österreicher müssen den Weg in die Zweitklassigkeit antreten.

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Sport Wintersport
05/20/2019

Eishockey-WM: Österreich steigt nach dem Penaltyschießen ab

Das Nationalteam verlor das Entscheidungsspiel gegen den Aufsteiger 3:4 und muss in die B-WM.

von Peter Karlik

Österreichs Eishockey ist wieder zweitklassig. Und das, obwohl der Klassenerhalt 2019 so leicht gewesen wäre, wie schon lange nicht.

Die Österreicher verloren das direkte Duell gegen den Abstieg gegen Aufsteiger Italien mit 3:4 n.P. (2:1, 0:2, 1:0/0:1) und spielen 2020 nicht bei der A-WM in der Schweiz, sondern in der Division IA, wo Rumänien, Slowenien, Ungarn, Südkorea und Frankreich die Gegner sein werden.

Dramatischer Beginn

Das Spiel hätte nicht dramatischer verlaufen können. Im Tor der Österreicher stand wieder David Kickert, dessen Zerrung ausgeheilt war. Der 25-Jährige hatte eine schwierige Aufgabe. Denn zum ersten Mal bei dieser WM spielte sich der Großteil des Spiels in der anderen Hälfte ab. Und die Partie gegen die sehr defensiven Italiener begann genau so, wie man es unbedingt vermeiden wollte. Zwerger hatte zwar mit einem Schuss die Stange gestreift, aber die Italiener gingen 1:0 in Führung. Bardaro von Zweitligist Asiago schlug versehentlich über den Puck und täuschte damit alle, beim zweiten Versuch traf er ins Tor (10.).

Ein Schock. Die Hoppalas in der Defensive zogen sich wie ein rotweißroter Faden durch diese WM. In Bratislava sorgte aber auch das Publikum dafür, dass die Emotion im Spiel der Österreicher schnell wieder positiv wurde. Denn von den 9.085 Zuschauern in der Ondrej-Nepela-Arena war mehr als ein Drittel aus Österreich.

Zittern

Und so gelang Ganahl nur 86 Sekunden nach dem 0:1 der Ausgleich. Der Vorarlberger verwertet einen Abpraller nach einem Schuss von Unterweger (12.). Michael Raffl erhöhte im Fallen mit einem Haken um Italien-Keeper herum zum 2:1 (17.). Ein sehenswertes Tor. „Leider haben wir das 3:1 nicht gemacht.“, sagte Teamchef Roger Bader.

Österreich war danach die bessere Mannschaft. Rauchenwald schon den Puck am leeren Tor vorbei (17.), ein Powerplay blieb ungenützt. Das Zittern ging also weiter. Denn bei ihren seltenen Vorstößen waren die Italiener dank ihrer Zweikampfstärke brandgefährlich.

Das 2:2 hatte sich angekündigt: Wie so oft bei dieser WM fielen die Österreicher im Laufe des Spiels zurück. Kostner traf völlig alleingelassen von den Österreichern nach einem Querpass zum Ausgleich (35.). Österreichs Stürmer verrichteten immer seltener ihre Arbeit in der Defensiv-Zone, es schien die Kraft auszugehen. Und so kamen die Italiener noch vor der zweiten Pause durch Rosa zum 3:2 (39.).

Dramatisches Finish

Die Stimmung der zahlreichen Österreicher in der Halle sank auf B-Niveau. Das Team machte nicht den Eindruck, sich dagegen stemmen zu können.

Und dennoch gelang wieder der Ausgleich. Erneut war es Michael Raffl mit dem 3:3 (42.). Jetzt entschieden die Nerven.  In der Verlängerung drückte Österreich auf den Sieg.  Doch McMonagle traf im Penaltyschießen zum 4:3 für Italien. Davor hatte Heinrich bei seinem Penalty die Latte getroffen.

„Wir haben einfach in der Defensive zu viele Fehler gemacht“, sagte ein niedergeschlagener Thomas Hundertpfund. Der Kärntner glaubte nicht, dass es körperliche Defizite gab: „Wir waren sicher fitter als die Italiener.  Wir sind hinten einfach nicht solide genug.“ Michael Raffl sagte: „Italien  hat es sich verdient. Wir waren im zweiten Drittel zu arrogant und haben geglaubt, wir können es runter spielen. Sie haben uns  dafür bezahlen lassen.“

Der Vertrag von Teamchef Roger Bader steht laut Verbandspräsident Gernot Mittendorfer nicht zur Diskussion und läuft zumindest bis zur Olympiaqualifikation im September 2020. „Der Abstieg ist in unserer Entwicklung sicher ein Rückschlag“, sagte Headcoach Bader.

Kein WM-Brexit

Mit Großbritannien schaffte  auch der zweite Aufsteiger den Klassenerhalt. Die Briten setzten sich im letzten Gruppenspiel und im direkten Duell gegen den Abstieg gegen Frankreich 4:3 nach der Verlängerung durch. Frankreich war seit 2008 immer bei der A-WM. Die Briten sind heuer erstmals seit 25 Jahren dabei gewesen.