Eishockey-Tormann David Kickert: „Das war nur noch purer Wille“
David Kickert im Vorjahr gegen Lettland
Mit einem freien Abend in der Innenstadt von Zürich wurden Österreichs Spieler am Sonntag für die zwei Siege (5:2 Großbritannien, 4:2 Ungarn) in den ersten beiden WM-Spielen und den damit erreichten Klassenerhalt belohnt. Bevor es am Dienstag gegen Lettland weitergeht, nahm sich Torhüter David Kickert (32) Zeit, um über die Stimmung, seine Leistungen und seine Konkurrenten zu sprechen.
KURIER: Nach den harten Partien zum Auftakt: Wie fühlen Sie sich aktuell?
David Kickert: Heute geht es viel besser. Ich war ziemlich krank und angeschlagen. Es war richtig anstrengend. Nicht nur wegen der Krankheit, sondern auch wegen der Anspannung. Ich glaube, das hat jeder gespürt. Jeder hat die ersten beiden Spiele extrem gepusht, weil das unsere „Do-or-Die“-Games waren. Umso geiler ist es jetzt für uns alle, dass der Druck abgefallen ist.
Die Pflicht mit dem Klassenerhalt ist erledigt, jetzt kommt die Kür. Es hängt wahrscheinlich auch viel von den Leistungen der Torhüter ab, was gegen die großen Nationen noch möglich ist?
Die Goalies spielen immer eine große Rolle, aber wir sind nicht die Einzigen. Ich glaube, was uns heuer ausmacht, ist wirklich der Zusammenhalt und das Kollektiv. Im Vergleich zu anderen Jahren haben wir vielleicht nicht die NHL-Stars oder die großen Namen. Viele fehlen, viele sind das erste Mal dabei. Deshalb hängt es nicht nur von uns Torhütern ab.
Gerade in der Partie gegen Ungarn hat man diesen Kampfgeist gesehen, vor allem in Unterzahl in den Schlussminuten. Schweißt das noch enger zusammen?
Ich habe ja nicht gespielt, und da merkt man auf der Bank oft noch mehr, wie die anderen während der Partie drauf sind und wie die Stimmung ist. So eine Anspannung habe ich sonst eigentlich nur in einem Play-off-Game-Seven erlebt. Dass wir das dann über die Runden gebracht haben, war ein Wahnsinnsgefühl.
Einige Spieler wirkten danach komplett leer.
Ja, absolut. Beim Fünf-gegen-Drei standen die Burschen nur mehr mit geraden Haxen herum, keiner hatte mehr Luft. Das war wirklich nur noch purer Wille. Gott sei Dank haben wir es geschafft, obwohl es ein paar Mal richtig knapp war.
Früher hatte Österreich oft das Pech auf seiner Seite – abgefälschte Schüsse gingen ins eigene Tor. Jetzt kippen solche Situationen plötzlich zu Ihren Gunsten.
Genau darüber haben wir gesprochen. Vor ein paar Jahren hätten wir so ein Spiel wahrscheinlich noch hergegeben. Vielleicht hätten wir dann gegen einen Großen gepunktet, aber genau so eine Partie verloren. Jetzt ist es eben anders. Das zeigt, welchen Schritt wir als Mannschaft gemacht haben und dass wir in den wichtigen Momenten alles auf dem Eis lassen.
Sie haben persönlich auch noch einmal einen Schritt gemacht? Ihre Statistik mit 94,1 Prozent gehaltenen Schüssen in der Liga ist beeindruckend.
Die Frage habe ich schon öfter bekommen. Vielleicht zahlt es sich jetzt einfach endlich aus, was ich die letzten Jahre investiert habe.
Haben Sie etwas verändert?
Wir haben in Salzburg im Training viel daran gearbeitet, mehr „competitive“ zu sein, also um jede Scheibe wirklich zu kämpfen. Früher habe ich vielleicht zu sehr auf die Technik geschaut, war zu perfektionistisch und wollte jede Bewegung exakt ausführen. Jetzt geht es einfach darum, die Scheibe zu halten – auch wenn es nicht schön aussieht.
Wie ist die Stimmung unter den Torhütern? Sie sind wie bei Salzburg Konkurrent von Atte Tolvanen, aber im Team auch Kollegen.
Jetzt geht es nur um Team Österreich. Wir haben ein gemeinsames Ziel. Der, der spielt, gibt sein Bestes. Der, der nicht spielt, macht das, was ein Backup machen soll: die anderen Burschen unterstützen. Im Endeffekt sitzen wir alle im selben Boot.
Auch Florian Vorauer vom KAC hat einen großen Schritt gemacht.
Ja, seine Statistik ist auch brutal gut. Das Spiel gegen Kanada letztes Jahr hat mich extrem beeindruckt. Ich habe da gemischte Gefühle: Einerseits will ich natürlich selbst spielen, andererseits sehe ich ihn auch gerne spielen. Er hat auf jeden Fall noch sehr viel vor sich.
Habt Ihr einen Plan, wer welche Spiele bei der WM bekommt?
Für Lettland und die Schweiz wissen wir es schon. Eines der beiden werde ich spielen. Mehr kann ich aber noch nicht sagen.
2025 ist gegen die Letten beim Duell um den Viertelfinaleinzug beim 6:1 alles aufgegangen. So etwas wird schwer zu wiederholen sein, oder?
Ja, das wäre sehr unwahrscheinlich. Ich bin mir sicher, dass Lettland das noch im Hinterkopf hat. Sie haben jetzt Deutschland geschlagen. Schwer wird es auf jeden Fall.
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