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Sport Wintersport
11/03/2021

Eishockey-Experte Lukas: "Am Anfang über Wien gedacht: Na servas!"

Philipp Lukas über den Saisonstart, den Sinkflug des KAC und warum Ljubljana so stark ist.

von Peter Karlik

Philipp Lukas war zwei Jahrzehnte dafür bekannt, ehrlich und hart für seine Mannschaften zu arbeiten. Nach seinem Karriereende ist die Black-Wings-Legende zum Trainer der Zweitliga-Mannschaft Steel Wings geworden und überzeugt bei den Eishockey-Übertragungen als TV-Experte bei Puls24 mit geradlinigen und ehrlichen Analysen. Für den KURIER zieht der 41-jährige Wiener nach etwas mehr als einem Viertel der Meisterschaft und vor dem heutigen Schlager zwischen den Capitals und dem KAC ein Zwischenfazit.

Dass die Wiener in der Tabelle nach dem schlechten Start so rasch in die Spur gefunden haben und jetzt knapp vor Meister KAC liegen, hat Lukas überrascht. „Am Anfang habe ich mir über Wien gedacht: na servas! Gehen sie im Keller unter? Aber sie haben sich mit den Neuzugängen erfangen und einen Weg gefunden, dass sie regelmäßig punkten.“ Aber: „Es ist noch alles so eng, dass man nach einer Niederlage bis zum zehnten, elften Rang durchgereicht wird.“ 

Den Sinkflug des KAC auf Rang acht führt Lukas auf mehrere Faktoren zurück: „Es herrscht Kontinuität, sie arbeiten gut, der Coach ist der Gleiche. Für mich liegt es eher an der Belastung in der Champions League. Ein bisserl Sorgen macht mir, dass Dahm im Tor extrem viel spielen muss.“

Die Spitze

Für den Experten ist die Stärke von Liga-Neuling Ljubljana keine Sensation. „Ich habe gewusst, dass sie sich physisch gut vorbereitet haben. Das ist eine läuferisch gute Mannschaft. Aber dass sie mit Abstand Tabellenführer sind, ist doch eine Überraschung.“ Im Sommer wurde gut gearbeitet. „Sie haben sich mit guten Spielern von Jesenice verstärkt. Und sie haben gute Legionäre: Leclerc zum Beispiel ist ein Hit. Der hat nach 14 Partien 24 Scorerpunkte. Er war wahrscheinlich bei den anderen Klubs nicht auf dem Radar. Was mir am meisten taugt: Sie schießen mit Abstand die meisten Tore.“ Ob diese Spielstärke nachhaltig ist und bis ins Play-off anhält? „Ich rechne nicht damit, dass sie abbauen werden, weil sie die physische Komponente haben und gute Torhüterleistungen haben.“

Eishockey, Vienna Capitals - HK Olimpija

Der zweite Platz von Fehervar überrascht weniger, da die Ungarn immer wieder zu Saisonbeginn stark sind. Der Unterschied für Lukas: „Vergangenes Jahr war das ein reines Offensiv-Feuerwerk, heuer hat Fehervar viel Stabilität gewonnen.“

Das Überraschungsteam aus österreichischer Sicht ist Innsbruck. „Wer hätte gedacht, dass sie nach einem Viertel das beste Team aus Österreich sind? Sie haben Offensiv-Power, aber in der Defensive sind sie wieder seicht.“ Derzeit spiele Innsbruck mit fünf Verteidigern. Das könnte auf Dauer zu wenig sein, wenn der Spielrhythmus frequentierter ist. "Aber sie haben ein schnelles Umschaltspiel, sind im Powerplay gefährlich und wirklich kreativ. Da sind gute Leute im Angriff. Coole Spieler zum Anschauen." Und die jungen Österreicher hätten einen Schritt nach vorne gemacht.

"So einen habe ich noch nie gesehen"

Salzburg muss für Lukas ganz klar als Titelfavorit bezeichnet werden. Das Team habe zuletzt die Phase mit den vielen Ausfällen punktemäßig ganz gut überstanden. "Erfreulich, dass in dieser Phase viele Spieler aus dem Farmteam zum Einsatz gekommen sind. Ich denke, sie sind mit der momentanen Ausbeute recht happy." Mit T.J. Brennan habe Salzburg einen "Game-Changer. Er kann dem Spiel seinen Stempel aufdrücken. So einen Verteidiger habe ich in der Liga noch nie gesehen. Er kann jederzeit offensive Impulse setzen." Aber die Offensive se nie das Problem in Salzburg gewesen. "Eher, ob sie ehrlich nach vorne und nach hinten arbeiten."

Die Enttäuschung

Schlusslicht Linz hat zu Halloween Trainer Ceman gefeuert und stehe „verdient ganz unten. Alle Jahre wieder wird in Linz der Trainer entlassen. Sie haben das schlechteste Powerplay und die schlechteste Tordifferenz.“ Einzig positiv: „Mit Wien und Pustertal kommen zwei schlagbare Gegner.“ Ausreden kann Lukas nicht hören: Ich bin kein Fan davon, wenn jemand sagt, er habe Pech. Eishockey ist ein so ehrliches Spiel. Wenn wir über Glück reden, dann bin ich der Meinung, dass man sich im Eishockey Glück erarbeiten kann.“

Linz (14.) und Graz (12.) sind für Lukas die größten Enttäuschungen der bisherigen Saison. "Wenn ich mir die Kader ansehe, dann sind die Mannschaften besser, als ihr Tabellenplatz." Bei Graz sei nicht zu sehen, was gespielt werden solle. "Das mache ich mir echt Sorgen, dass die Saison früh zu Ende ist." 

Bei Dornbirn hänge sehr viel von den Legionären ab. Bezeichnend, dass zuletzt "die Österreicher-Linie mit Stefan Häußle die beste war".

Bratislava sei derzeit kaum einzuschätzen. "Sie können an einem guten Tag jeden schlagen, aber auch jederzeit gegen jeden verlieren."

Znaimer Offensiv-Power

Znojmo sei ähnlich, "aber mit viel mehr Offensiv-Power. Sie können nicht nur alle schlagen, sondern alle abschießen."

"Villach ist für mich ähnlich wie Bratislava, allerdings bekommen sie zu oft Tore, die nicht notwendig waren." Ein Problem könnte sein, dass Trainer Rob Daum Goalie-Legionär Bernard sehr forciert.

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