Die Suche nach dem goldenen Team

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Foto: ap Hoffnungsträgerin: Das ist Kathrin Zettel nicht nur beim Nachtslalom in Flachau, sondern vor allem für die WM in Schladming.

Beim Flachauer Flutlicht-Slalom gibt es für die Damen die nächste Chance, um aufzuzeigen.


Der erbitterte Kampf um die Startplätze bei alpinen Großereignissen hat in Österreich Tradition. In keinem anderen Team sorgte das Rennen vor dem Rennen im Laufe der Ski-Geschichte für solchen Aufruhr. Als zum Beispiel der spätere Olympiasieger Leonhard Stock 1980 in Lake Placid dem regierenden Weltmeister Josef Walcher vorgezogen wurde, oder als Hermann Maier 2003 trotz Trainingsrückstands anstelle von Andreas Schifferer für das Abfahrtsteam in St. Moritz nominiert wurde – da ging es rund im rot-weiß-roten Ski-Staate.

Ganz im Gegensatz dazu scheint die Stimmungslage 20 Tage vor Eröffnung der WM in Schladming (4. bis 17. Februar) zu sein: Es ist ruhig geworden um die Tradition des Gerangels. Denn während in der Vergangenheit die Nominierung ob der Wahl mitunter zur Qual wurde, scheint dieses Luxusproblem diesmal gelöst. Ob bei Damen oder Herren, in keiner Disziplin drängen sich derzeit mehr Medaillenhoffnungen auf als es Startplätze gibt. Marcel Hirscher, Anna Fenninger und Kathrin Zettel waren bisher die einzigen konstanten Podestfahrer.

Jubiläum

kirchgasser-000_APA_TOBIAS HASE.jpg Foto: apa Michaela Kirchgasser ist gesetzt. Auch im Slalom-Team der Damen sind vor dem Nachtslalom in Flachau am Dienstag (17.45 und 20.45 Uhr) längst noch nicht alle WM-Plätze fixiert. Nach dem Ausfall der Titelverteidigerin Marlies Schild muss allen voran Kathrin Zettel, die Siegerin von Aspen und Semmering-Zweite, einspringen: "Klar merke ich, dass der Druck größer ist. Als Team-Leaderin sehe ich mich aber nicht." Auch Michaela Kirchgasser, die Dritte beim Parallel-Event in München, ist fix gesetzt, will sich darauf aber nicht ausruhen. "Mit guten Ergebnissen kann man sich vor der WM noch Selbstvertrauen holen."

"Wer die anderen beiden Starterinnen sein werden, wird sich in den letzten beiden Rennen weisen", sagt Technik-Trainer Günter Obkircher, der mit Bernadette Schild und Alexandra Daum zwei weitere Top-Ten-Läuferinnen im Team hat. Die nächste Chance, sich für den Slalom in der Steiermark zu empfehlen, gibt es am Dienstagabend in Flachau.

Der Flutlichtbewerb, bei dem es für die Damen mit 43.750 Euro die höchste Siegesprämie der Saison zu ercarven gibt, feiert heuer sein 20-jähriges Jubiläum. "Das ist für mich immer ein Höhepunkt", sagt Michaela Kirchgasser, obwohl die 27-Jährige es bei ihrem Heimrennen bisher noch nie unter die besten drei geschafft hat. Zum Salzburger Jubiläum gaben sich am Montagabend Österreichs Skilegenden auf der Hermann-Maier-Weltcupstrecke die Ehre: Von Renate Götschl über Fritz Strobl und Michael Walchhofer bis zum Hausherren selbst traten die Ex-Stars zum Teambewerb an.

Entscheidungstage

fenninger-000_AP_Giovanni Auletta.jpg Foto: ap In Topform: Anna Fenninger Welches Team in Schladming um Medaillen kämpfen wird, wird sich erst in den letzten Rennen weisen. Für manche vielleicht schon in den kommenden Tagen. Neben Anna Fenninger, die als Kombinationsweltmeisterin in vier Disziplinen an den Start gehen wird, und Marcel Hirscher, der in Slalom und Riesenslalom um WM-Gold mitfährt, sind erst wenige Plätze fix vergeben.

"Die Mannschaft stellt sich selbst auf", lautet das Motto von Herren-Cheftrainer Mathias Berthold. Das könnte so mancher bereits in dieser Woche tun. Zum Beispiel in Wengen, wo die Abfahrer am Lauberhorn ausnahmsweise schon ab Dienstag trainieren. Wer neben Benjamin Raich Platz im Kombinationsquartett finden wird, könnte sich schon am Freitag zeigen. Am Samstag darf dann auch Max Franz, der Abfahrtszweite von Lake Louise, nach seiner Gehirnerschütterung endlich wieder den Ernstfall proben. Der 23-Jährige gilt neben Weltcupsieger Klaus Kröll und Bormio-Sieger Hannes Reichelt als WM-Kandidat. Am Sonntag steht dann auch den Slalom-Herren der vorletzte Bewerb vor Kitzbühel bevor.

1996 ging der erste Slalom in Flachau über die Bühne. Den Sieg sicherte sich damals Alberto Tomba vor Mario Reiter und Jure Kosir. Die Damen feierten 2001 ihre Slalom-Premiere im Flachauer-Stangenwald. Diese gewann Janica Kostelic vor der Österreicherin Karin Köllerer und Laure Pequegnot. Drei Jahre später durften wieder die Männer ran. Der Finne Kalle Palander fuhr dabei vor Manfred Pranger und Giorgio Rocca auf den obersten Stockerlplatz. Nur elf Monate später, im Dezember 2004, holte sich Rocca schließlich den ersten Platz. Der Italiener gewann vor Rainer Schönfelder und dem Deutschen Alois Vogl. Der erste Nachtslalom fand 2010 statt. Bei diesem Event konnte sich mit Marlies Schild erstmals eine Österreicherin über Platz eins freuen. Dahinter belegten Maria Höfl-Riesch und Kathrin Zettel die Ränge zwei und drei. Ein Jahr später durfte schließlich Höfl-Riesch ganz oben Platz nehmen. Die Deutsche setzte sich vor Tanja Poutiainen und der Französin Nastasia Noens durch. Ende 2011 wurde als Levi-Ersatz noch einmal ein Nachtslalom in Salzburg gefahren. Bei den Damen feierte Marlies Schild ihren zweiten Erfolg nach 2010 vor Höfl-Riesch und Tina Maze. Bei den Männern konnte Ivica Kostelic über seinen ersten Nachtslalom-Sieg jubeln, der Kroate setzte sich dabei vor Andre Myhrer und Cristian Deville durch.
Video

Alberto Tomba: Ein Künstler im Stangenwald

1996 entschied der Italiener Alberto Tomba den ersten in Flachau ausgetragenen Slalom für sich. Folgendes Video zeigt den legendären Skirennläufer zwar nicht in Flachau, an die Slalomkünste des Italieners erinnert man sich aber dennoch gerne:

(kurier) Erstellt am
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