Doping-Sünder: Johannes Dürr.

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Zurück in der Spur
11/01/2014

Der lange Schatten und das Licht am Langlauf-Horizont

Neun Monate nach dem Dopingfall Dürr setzen Österreichs Langläufer auf die Heim-WM 2019 in Seefeld.

von Christoph Geiler

Wer auf der Nordkette oberhalb von Innsbruck durch die Wälder streift, der hat gute Chancen im Unterholz auf einen Sportler zu stoßen, der noch vor wenigen Monaten in Sotschi im olympischen Rampen- und Zwielicht gestanden war. Ohne ÖSV-Jacke und Langlaufski nimmt kaum jemand Notiz von diesem unscheinbaren Jogger, der zwischen Rauschbrunnen und Arzler Scharte auf Hochtouren läuft. Johannes Dürr kennt jeden Forstweg rund um Innsbruck, seit er die meiste Zeit der Woche in Nordtirol verbringt und sich mit Laufen fit hält. Der Dopingsünder von Sotschi arbeitet seit Sommer für den Zoll und versucht wieder ein normales Leben zu führen.

Einige hundert Meter Luftlinie vom Zollamt Innsbruck entfernt ist man auch in der Zentrale des Skiverbandes um Alltag bemüht. Aber damit tut sich vor allem einer schwer. "Sotschi frisst immer noch in mir herum", gesteht Markus Gandler, der als Sportdirektor für die Langläufer verantwortlich ist. "Ich frage mich noch heute, wie das passieren konnte. Du vertraust einem Menschen, alle reißen sich für ihn den Hintern auf, und am Ende sind wir alle geächtet."

Als Markus Gandler wenige Stunden vor dem 50-Kilometer-Rennen von Dürrs positiver Dopingprobe (EPO-Präparat) erfahren hatte, wollte er alles hinhauen. Immerhin hatte er schon die Dopingaffäre von Turin miterlebt. "Das Thema beschäftigt mich jetzt seit 2006. Die Sache mit Dürr war für mich ein Knacks, wo ich mir kurzzeitig gedacht habe: ,jetzt könnt’ ihr mich alle einmal‘"

Rückendeckung

Schließlich kam aber doch wieder der Langlauf-Liebhaber in ihm durch. Und so sitzt Gandler nun weiter in seinem Büro, und versucht die Causa Dürr aufzuarbeiten und die neue Saison vorzubereiten. "Denn wenn ich aufgehört hätte, dann hätte es geheißen, der läuft davon", sagt Gandler, der auch von seinem Präsidenten Rückendeckung erhält. "In unserer Gesellschaft ist es modern, einen Schuldigen zu präsentieren, an dem man sich abputzen kann, aber Peter Schröcksnadel steht wie ein Felsen hinter seinen Leuten."

Der wortgewaltige ÖSV-Boss hat die Androhung, die Langläufer aus dem Verband zu werfen ebenso wenig in die Tat umgesetzt, wie eine Budgetkürzung, die er noch nach Turin 2006 vorgenommen hatte. Trotzdem bekommen die Österreicher den jüngsten Dopingfall immer wieder zu spüren. Beim Langlaufweltcup in Lahti, wenige Wochen nach Olympia, wurde der Wachscontainer der Österreicher beschmiert – Doper, Doper stand in riesigen Lettern darauf zu lesen.

Beim ÖSV ist man deshalb um Glaubwürdigkeit und Transparenz bemüht, um das Image des österreichischen Langlaufsports zu verbessern. Als Konsequenz auf den Fall Dürr ordnete Peter Schröcksnadel für seine Ausdauersportler zusätzliche Dopingkontrollen an. "Die werden jetzt doppelt so oft unangemeldet getestet. Das bezahlen wir selbst."

Fernziel Heim-WM

Mehr noch: Schröcksnadel machte bei den FIS-Mitgliedern gute Stimmung für Österreichs Nordische. Im Mai bekam Seefeld den Zuschlag für die Nordische WM 2019. "Dass die WM nach allem, was passiert ist, nach Seefeld kommt, muss man Schröcksnadel auf die Federn schreiben", weiß Gandler. "Dieses Fernziel treibt uns alle an."

Möglicherweise denkt auch Johannes Dürr wenn er durch die Wälder oberhalb von Innsbruck rennt, an die Heim-WM. 2016 endet seine Sperre, dann könnte er wieder in den Profisport zurückkehren. In der Theorie. Praktisch ist zumindest eine Rückkehr zum ÖSV ausgeschlossen. "So lange ich was zu sagen habe, wird das jedenfalls nicht passieren", sagt Peter Schröcksnadel.

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