Ferland, der Arbeiter vor dem Tor

© DIENER / Eva Manhart

Caps-Kapitän Ferland: "Ich will die Meisterschaft holen"
03/13/2017

Caps-Kapitän Ferland: "Ich will die Meisterschaft holen"

Der 34-Jährige spricht vor dem Semifinale gegen Bozen über das Erfolgsrezept der Wiener.

von Peter Karlik

Es war vor ziemlich genau einem Jahr, als Jonathan Ferland einen Schläger eines Mitspielers ins Gesicht bekam und um sein Augenlicht bangen musste. "Natürlich kam da der Gedanke ans Aufhören", sagt der 34-jährige Kapitän der Vienna Capitals im KURIER-Gespräch vor dem Semifinale (ab Dienstag) gegen Bozen. Seine Sehkraft konnte gerettet werden. "Ich hätte das Eishockeyspielen sehr vermisst. Nicht das Toreschießen, aber das Gewinnen mit der Mannschaft. Ich fühle mich gesegnet, hier spielen zu können."

Jonathan Ferland erwähnt den Begriff "Mannschaft" in diesem Gespräch fast in jedem Satz. Niemals würde er die Leistung eines Einzelnen herausstreichen. Die Gemeinschaft sei die Stärke der Capitals in dieser Saison, in der sie mit 98 Punkten den Rekord im Grunddurchgang aufgestellt haben und als Nummer eins ins Play-off gingen, wo sie Innsbruck 4:0 besiegten. Für Ferland hat die Leistung der Caps nicht mit dem Talent der Spieler zu tun. "Talent macht im Eishockey nie den Unterschied aus. Ich habe in Wien schon in Mannschaften gespielt, die mehr Talent gehabt haben. Dennoch haben wir nichts gewonnen. Es gewinnt immer nur die Mannschaft und nie der Spieler."

AHL-Champion vor zehn Jahren

Bei diesem Faktor sieht der Stürmer Parallelen zu den Hamilton Bulldogs, mit denen er 2007 den Titel in der American Hockey League holte – sein bisher letzter. "Wir haben uns als 16. und letztes Team für das Play-off qualifiziert. Und dann haben wir die vier besten Teams besiegt. Wir waren nicht die talentierteste Mannschaft, aber wir hatten die stärkste Gruppe. Das ist bei den Capitals genau gleich. Jeder erfüllt seine Rolle, damit das Team erfolgreich ist. Niemand versucht, den Tag zu retten. Wenn wir gewinnen, dann nur wegen unserer Teamleistung. Die besten Teams gewinnen wegen ihres Engagements und ihrer Teamleistung."

Mit 41 Scorerpunkten in 57 Saisonspielen läuft es für Ferland auch persönlich gut. Hören will er davon aber nichts. Schon bei der Frage danach senkt er ablehnend den Kopf: "Ich bin jetzt 34 Jahre alt. Ich schaue nicht auf die Punkte, ich will in Wien die Meisterschaft holen. Ich schaue nur auf den Erfolg der Mannschaft. Ich will einfach nur noch gewinnen. Das ist der Grund, warum ich noch Eishockey spiele."

Es gehe ihm genau um diese Emotionen, die Athleten in Mannschaftssportarten erleben dürfen. "Mit einem Team die Meisterschaft zu gewinnen, ist das beste Gefühl auf der Welt – nach all den Aufs und Abs in der Saison. Bei uns kümmert es niemanden, wer das Siegestor geschossen hat. Wir kümmern uns nur um den Sieg. "

Und trotz aller Erfolgsbilanzen in dieser Saison gehen die Wiener sehr demütig in das Duell mit Bozen. "Bozen war im Viertelfinale gegen Linz defensiv sehr stark und sie waren körperlich sehr präsent. Wir wissen, sie werden gegen uns auch so spielen. Wir werden unser Bestes geben müssen."

Nie zufrieden

Auch Trainer Serge Aubin hat seinen Anteil daran, dass die Capitals selbst nach überzeugenden Leistungen nie zufrieden wirkten. Ferland erklärt: "Im Eishockey kannst du nie zufrieden sein. Alle Mannschaften werden immer besser. Serge stellt sicher, dass wir nie zufrieden werden. Wenn du am Anfang gut bist, dann werden dich die anderen jagen. So war es auch gegen Innsbruck. Unser erstes Spiel im Viertelfinale war gut. Aber Innsbruck ist danach viel stärker geworden."

Auch, wenn Ferland "noch viele Jahre spielen" möchte, denkt er doch schon an die Zeit danach. Sein Antrag auf die Staatsbürgerschaft ist noch unbeantwortet. "Aber ich möchte hier bleiben und einmal Trainer werden." Seine Tochter (8) und seine Söhne (7 und 4) sind mehr Österreicher als Kanadier. "Sie sprechen miteinander nur Deutsch", sagt Ferland in gutem Deutsch. Sein Einsatz im von den Capitals angebotenen Sprachkurs soll ähnlich hoch wie auf dem Eis sein.

Die Kapitäne der vier Semifinalisten im Kurz-Porträt

Jonathan Ferland, Vienna Capitals

Der 34-jährige Kanadier kam 2008 von Hamilton zum Villacher SV, wo er wegen seiner Härte und seiner Einstellung schnell Publikumsliebling wurde. 2011 kam der siebenmalige NHL-Spieler (Montreal) nach Wien und erreichte mit den Capitals zwei Mal das Finale (2013, 2015). Nach dem Aus von Benoît Gratton in Wien übernahm Ferland 2014 das „C“ des Kapitäns auf dem Trikot der Capitals.

Alexander Egger, Bozen

Der 37-jährige Kapitän des HCB Südtirol, wie Bozen offiziell heißt, hat alles gewonnen, was ein italienischer Spieler gewinnen kann. 1997 begann der Verteidiger seine Karriere in Bozen. Er wurde vier Mal Meister in Italien, 2014 holte sein Team im ersten Jahr der EBEL-Teilnahme sensationell den Titel. Egger hält das Spiel einfach und macht defensiv kaum Fehler.

Matthias Trattnig, Red Bull Salzburg

Der Steirer ist bei Red Bull Salzburg noch immer eine Naturgewalt auf dem Eis. Auch mit 37 Jahren setzt der Verteidiger seine 96 Kilo wuchtig ein. Als gelernter Stürmer sorgt er auch in der Offensive oft für Gefahr. Emotionale Duelle wie jenes im Semifinale gegen den KAC (ab Dienstag) sind genau seine Spezialität. Sechs EBEL-Titel stehen auf seiner Visitenkarte.

Manuel Geier, KAC

Mit 29 Jahren ist der Zeltweger beim KAC der jüngste Kapitän der vier Semifinalisten. Der Stürmer kam 2008 gemeinsam mit Zwillingsbruder Stefan nach Klagenfurt, wo die beiden lange als Ergänzungsspieler Erfahrung sammelten. Unter Ex-Trainer Doug Mason bekam Geier mehr Verantwortung und zahlte es zurück: 2015/2016 war Geier mit 53 Punkten Topscorer des KAC.

Termine, Semifinale

Dienstag, 14. März - 1. Spiel 19:45 UPC Vienna Capitals - HCB Südtirol Alperia (live auf ServusTV) Mittwoch, 15. März - 1. Spiel 19:45 Red Bull Salzburg - KAC (live aus Sky)Freitag, 17. März - 2. Spiel * 19:45 KAC - Red Bull Salzburg * 19:45 HCB Südtirol Alperia - UPC Vienna Capitals

Sonntag, 19. März - 3. Spiel * 17:00 Red Bull Salzburg - KAC * 18:30 UPC Vienna Capitals - HCB Südtirol Alperia Dienstag, 21. März - 4. Spiel * 19:45 KAC - Red Bull Salzburg * 19:45 HCB Südtirol Alperia - UPC Vienna Capitals Freitag, 24. März - 5. Spiel (falls nötig) - 19:45 UPC Vienna Capitals - HCB Südtirol Alperia - 19:45 Red Bull Salzburg - KACSonntag, 26. März - 6. Spiel (falls nötig) - 14:00 KAC - Red Bull Salzburg - 14:00 HCB Südtirol Alperia - UPC Vienna Capitals Dienstag, 28. März - 7. Spiel (falls nötig) - 19:45 UPC Vienna Capitals - HCB Südtirol Alperia - 19:45 Red Bull Salzburg - KAC

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