Bernd Brückler: "In Salzburg zählt nur der Titel."

© Red Bull / GEPA / Goetzhaber

Eishockey
03/31/2014

Brückler und ein Müllsack voll mit Geld

Torhüter Bernd Brückler brachte Salzburg ins Finale und schrieb ein Buch über Russland.

von Peter Karlik

Seit Bernd Brückler bei Red Bull Salzburg beim Stand von 1:3 gegen Dornbirn und nach zwei Niederlagen in der Serie ins Tor kam, hat sein Team alle Spiele gewonnen. Seit dem 3:0 am Freitag gegen Linz steht Salzburg als erster Finalist fest. Der Grazer machte zuletzt nicht nur sportlich auf sich aufmerksam. Im KURIER-Interview spricht er auch über sein seit Dezember erhältliches Buch über seine drei Saisonen in der russischen KHL. "This is Russia" ist über www.amazon.de oder direkt über Bernd Brückler per eMail (bernd_at@hotmail.com) zu beziehen.

KURIER: Durch den Finaleinzug von Bozen steht Salzburg bereits als österreichischer Meister fest. Hat das für Sie eine Bedeutung?

Bernd Brückler: Bei uns im Team gibt es zwölf Ausländer. Für die bedeutet das null. Für die zwölf Österreicher wird es ein schöner Beigeschmack sein. Aber wir wollen die Liga gewinnen. Das ist das Einzige, das zählt. Es gibt bei Red Bull nur das eine Ziel. Deshalb bin ich nach Salzburg gegangen.

Sie waren den längsten Teil der Saison Nummer zwei im Tor hinter dem 20-jährigen Luka Gracnar. War das schwierig für Sie?

Sehr schwierig. Das war Neuland. Trainer Don Jackson hat mir gesagt, dass er nicht gerne mit zwei Torhütern spielt, sondern einen so lange einsetzt, wie dieser stark ist. Luka hat Glück gehabt, dass er hineingekommen ist, als sich das Schiff gedreht hat und wir 19 von 21 Spielen gewonnen haben. Er hat super gespielt. Ich war aber auch sehr gut. Inklusive Grunddurchgang habe ich jetzt zwölf Spiele gewonnen.

Seit Sie im Play-off Gracnar ersetzt haben, hat Salzburg jedes Spiel gewonnen. Wir hoch ist Ihr Anteil daran?

Natürlich hilft es einer Mannschaft, wenn man ein starker Rückhalt ist. Wenn man weniger als zwei Tore in einem Spiel bekommt, dann hat man schon eine sehr gute Chance auf den Sieg. Die Routine bei einem Tormann spielt im Play-off sicher eine Rolle. Aber wir waren in den ersten beiden Spielen auch überrascht von der Taktik und der Gangart der Dornbirner. Jetzt sind wir auch viel disziplinierter.

Salzburg hat zu Saisonbeginn sehr durchwachsene Leistungen gezeigt. Wie ist es möglich, dass ihr jetzt so stark spielt?

Wir haben in der European Trophy sehr harte Spiele gehabt. Das waren keine normalen Aufbauspiele. Vielleicht war dann nachher gegen Laibach oder Innsbruck ein wenig die Luft heraußen. Aber unser Coach ist bei seiner Taktik geblieben und einige Spieler haben natürlich nach den vielen Niederlagen auch den Ernst der Lage erkannt.

Wie läuft der Verkauf Ihres Buches?

Wir sind jetzt bald bei 2000 in Englisch und Deutsch. In Kürze kommt es auch in Tschechisch heraus.

Weshalb haben Sie es geschrieben?

Als ich in die KHL gekommen bin, hätte ich gerne Information über das Leben in Russland gehabt. Bei Nischni Nowgorod hatte ich einen Blog, der sogar von einer Zeitung abgedruckt wurde. Es hat interessiert, wie ein Ausländer über das Leben in Russland denkt. Also habe ich mich dazu entschlossen. Es ist ein gutes Produkt geworden, weil auch das Feedback bisher wirklich top ist.

Aber in Russland wahrscheinlich weniger, oder?

Dort ist es eher 50:50. Aber auf Russisch ist es noch nicht erschienen. Ich hab es jetzt schon auf Russisch und Finnisch übersetzt.

In einer Passage geht es über die Barauszahlung des Lohns.

Einmal sind wir in Cash bezahlt worden, weil der Sponsorvertrag mit der Bank noch nicht unterschrieben war und die Klubs nur auf Konten dieser Banken überweisen. Da die Russen nicht gerne große Scheine verwenden, sind wir in 100-Rubel-Scheinen bezahlt worden. Ich habe monatlich 60.000 Dollar bekommen. 100 Rubel sind drei Dollar. Insgesamt also 20.000 Scheine. Wir haben das Geld in Müllsäcken verstaut. Mein Chauffeur ist gleich mit mir zur Bank gefahren. Weil ich schon im zweiten Jahr war, habe ich schon ein Konto gehabt. Die neuen Spieler haben nicht gewusst, wo sie die Geldsäcke hingeben sollen.

In einem Kapitel geht es um Medikamente, die Spieler einnehmen müssen.

Das wird vorgeschrieben und hat wegen der Trainingsumfänge eine lange Tradition im russischen Sport. Am Anfang habe ich geglaubt, ich sehe nicht richtig. Auf unserem Trainingsplan war Beginn um 7.30 Uhr in der Früh und Ende um 19 Uhr – mit einer zweieinhalbstündigen Pause. Was mich ängstlich gemacht hat, war, dass ich nicht gewusst habe, was das ist. Der medizinische Betreuer hat gesagt, zwei sind für das Herz, die anderen für das Immunsystem, andere für die Sauerstoffaufnahme der Lunge. Insgesamt waren es 16 Tabletten täglich.

Haben Sie sie dann eingenommen?

Nein, nur jene, die ich gekannt habe, also Aminosäuren, Multivitamine. Beim Rest habe ich so getan, als ob ich schlucken würde. Danach habe ich sie weggeschmissen. Ganz normal war auch, dass die Spieler nach der Partie Infusionen bekommen.

Kann man sich wohlfühlen als Spieler in Russland?

Ich war total offen. Meine Frau und ich hatten keinerlei Erwartungen. Wir haben eine sehr schöne Wohnung gehabt, nette Leute kennengelernt und Russisch gelernt. Es war eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte. Ich habe immer mein Gehalt bekommen, bis auf den letzten Cent. Sogar, als ich einen Kreuzbandriss gehabt habe, war der Klub sehr korrekt. Früher sind Verträge bei solchen Verletzungen einfach zerrissen worden.

Sind Sie froh, dass Sie bei der aktuellen politischen Lage nicht in Russland sind?

Ich habe von einigen Ex-Kollegen gehört, dass sie froh sind. Aber ich habe mich immer sicher gefühlt.

War das Nationalteam in der Saison der Olympischen Spiele in Russland eigentlich gar kein Thema?

Ich war nur bei dem Sommertrainingslager eingeladen, bei dem 60 Spieler waren. Ich muss ehrlich sagen, dass ich enttäuscht bin, wie das mit dem Nationalteam gelaufen ist in den letzten Jahren. Nicht einmal als ich in Russland gespielt habe, hat sich irgendwer vom Verband bei mir gemeldet. Dann hat am 18. März 2011 der Bill Gilligan bei mir angerufen hat gesagt, dass ich mich erst im Trainingslager beweisen muss. Ich war damals der einzige Tormann-Legionär. Ich hätte schon das Selbstvertrauen gehabt, dass ich mich im Trainingslager beweise, aber ich habe von meinem Klub nur für die WM frei bekommen. Daraufhin hat Gilligan auf mich verzichtet. Der neue Trainer bei Nischni hat direkt nach der Meisterschaft mit der Mannschaft das neue Spielsystem eingeübt. Dort ist nicht so ein Halligalli wie in Österreich, wenn die Teams ausgeschieden sind und die Spieler bezahlten Urlaub haben. Dass ich heuer in Sotschi nicht dabei war, ist eh in Ordnung. Da waren meine Statistiken im Vergleich zu den anderen Torhüter auch nicht so besonders.

Stehen Sie dem Nationalteam noch zur Verfügung?

Wenn ich eingeladen werde, komme ich wieder gerne. Ich war immer mit vollstem Einsatz dabei und habe es immer ernst genommen.

Bernd Brückler

Geboren am 26. September 1981 in Graz, begann er in seiner Heimatstadt mit dem Eishockey. 2001 wechselte er in College League zu Wisconsin. Nachdem er von Philadelphia gedraftet worden war, aber in der NHL keine Chance bekam, wechselte er 2006 zu Espoo. In Finnland lernte er seine Veera kennen, mit der er zwei Kinder hat. 2009 kam er zu Nowgorod, 2011 zu Nowosibirsk. Nach 40 Spielen wurde sein Vertrag aufgelöst und Brückler kam zu Salzburg.

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