© EPA/CHRISTIAN BRUNA

Winheims Tagebuch
01/01/2022

Negativ bleiben und positiv denken

Wird die Sportwelt bald keinen Star mehr kennen, dem die Konfrontation mit einem unerfreulichen Test-Ergebnis erspart geblieben ist?

von Wolfgang Winheim

Mikaela Shiffrin, Lara Gut-Behrami, die blitzartig genesene Katharina Liensberger, Tennisstar Rafael Nadal und der Weltranglisten-Fünfte Andrej Rublew, FC-Bayern-Ass Joshua Kimmich (der seine Impf-Aversion inzwischen reumütig abgelegt hat) und (bereits zum zweiten Mal) David Alaba plus zu den Feiertagen in Madrid auch vier seiner Real-Kollegen sowie Antoine Griezmann, Kapitän Koke und Trainer Diego Simeone beim Stadtrivalen Atlético! Das ist nur ein kleiner Auszug von Promi-Infizierten auf einer Liste, die in allen Ländern und allen Sportarten auszuufern droht.

In Kanada ist die Eishockey-Unter-20-WM, bei der Österreichs lernwillige Auswahl in zwei Spielen 18 Bummerln kassierte, noch vor der Finalrunde wegen zahlreicher Omikron-Fälle abgebrochen worden.

In London fordern mit Weltmeister Gerwyn Price und Ex-Champion Gary Anderson sogar die aussichtsreichsten Mitwirkenden an der Darts-WM deren Abbruch.

GlĂĽcksspiel

Zumindest im ersten Quartal 2022 wird die Letztentscheidung über einen Olympia-Startplatz oder die Aufstellung bei Fußballspielen nicht vom Trainer, sondern von der Laune des Virus abhängen.

Planungssicherheit sieht anders aus. So nehmen die Champions-League-Achtelfinalisten für ihre Schlagerspiele im Februar (darunter Red Bull Salzburg – Bayern) Bestellungen auf – nicht wissend, ob man die Tickets nicht doch wieder stornieren muss.

Wer hätte gedacht, dass im neuen Jahr der 20 Monate alte Wunsch nach bedenkenlos vollen Tribünen noch immer so beklemmend aktuell sein würde?

Hasardspiel

Anders als in der englischen Premiere League, wo das Gedränge unmaskierter Fans in ausverkauften Stadien im krassen Widerspruch zu den Omikron-Rekordzahlen steht, werden die Vierschanzen-Tournee sowie die Ski-Klassiker in Wengen und Kitzbühel zu Geisterspringen und Geisterrennen verkommen. Nicht zuletzt zum Schutz der Sportler.

Auch wenn Topathleten von einem schlimmeren Covid-Verlauf meist verschont bleiben. Und sie – sofern symptomfrei – nach dreitägiger Quarantäne in derselben mit leichtem Training beginnen können. Problematischer wird’s, wenn der Covid-infizierte Olympia-Kandidat zu längerer Passivität gezwungen ist. Oder er kurz vor dem Abflug oder – noch bitterer – nach der Landung in Peking positiv ist. Und er/sie die Quarantäne in einem chinesischen Hotelzimmer absitzen muss. Vor dieser Vorstellung graut den Favoriten.

Spätestens seit die neue Ski-Präsidentin Roswitha Stadlober ein Machtwort sprach, ist auch Skeptikern unter den ÖSV-Sportlern bewusst: Wer ung’impft ist, macht bei Olympia keinen Stich.

Negativ bleiben und positiv denken! Das wird auch 2022 das Motto sein.

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