Sport
04.07.2013

„Wer diesen Sport betreibt, muss Idealist sein“

In Kanada werden die Lacrosse-Weltmeister gekürt. Österreichs Damen sind dabei.

Im T-Shirt und mit vor der Brust verschränkten Armen steht Mike Perez am Spielfeldrand. Voller Stolz beobachtet Österreichs Teamchef das Lacrosse-Nationalteam beim Training. Nur noch eine Woche bis zum Höhepunkt, der Weltmeisterschaft in Oshawa (Kanada). Der Amerikaner Perez und sein Team werden dabei sein.

Seit zwei Jahren trainiert der 60-Jährige die Österreicherinnen. „Ich darf sagen: Sie haben sich stark verbessert. Die Mädchen nehmen den Sport ernst und investieren so viel.“ So viel Zeit – und so viel Geld. Drei Mal pro Woche für zwei bis drei Stunden bittet er auf das Spielfeld in Wien-Donaustadt. Mehrere Tausend Euro kostet der Sport jede Spielerin pro Jahr. Da Lacrosse nicht in der Bundessport-Organisation vertreten ist, gibt es keine Bundesförderung. Teuer sind zudem die Reisen zu den Turnieren. „Wer diesen Sport betreibt, muss ein Idealist sein“, sagt Trainer Perez.

Ein Idealist wie er selbst. Früher verdiente er viel Geld im Finanzwesen. Nun, in der Pension, ist Österreichs Damen-Team seine Mission. Er mietete sich in Wien eine Wohnung, zahlt sich die Flüge großteils selbst. „Mein Team gibt mir dafür die Belohnung, wenn ich sehe, wie es sich Tag für Tag steigert.“

Teurer Spaß

Das Abenteuer WM kostet jede Spielerin mehr als 2500 Euro. 19 Teams nehmen heuer teil, allen voran die drei Lacrosse-Großmächte Kanada, USA und Australien. Die nordamerikanischen Ureinwohner, bei denen der Sport seine Wurzeln hat, stellen das Team der Haudenosaunee.

Eine sportliche Qualifikation gibt es nicht, wer eine Mannschaft stellen kann, ist bei der WM dabei. Klingt nach Urlaub, ist es aber nicht.

Wer Lacrosse zum ersten Mal sieht, der staunt. Mit Brillen und Zahnschutz laufen die Damen über den etwa fußballfeldgroßen Platz. Den kleinen Ball tragen und werfen sie mit einem Schläger, an dessen Ende ein Netz befestigt ist. Durch die Katapultwirkung erreicht der Ball mehr als 100 km/h. Die kleinen Tore stehen mitten im Spielfeld. „Lacrosse verbindet Elemente aus Mannschaftssportarten wie Eishockey, Landhockey und Handball“, sagt Katharina Prochazka, die Kapitänin der Nationalmannschaft.

Während in Kanada jedes College ein Team stellt, betreiben in Österreich gerade einmal 60 Damen (und etwas mehr Herren) ernsthaft diesen Sport. Die Damen-Liga besteht aus vier Vereinen – aus Wien (2), Graz und Innsbruck. Soll heißen: Der Sport ist in Österreich fast nicht existent. „Oft werde ich in der U-Bahn gefragt, ob ich Fische oder Schmetterlinge fangen gehe“, sagt die Kapitänin. „Aber ich freue mich, wenn ich den Leuten den Sport erklären kann.“

Primäres WM-Ziel ist nicht der sportliche Erfolg (Gruppengegner sind Japan, Haudenosaunee, Schweden und Hongkong). Vielmehr gehe es darum, Lacrosse populärer zu machen. Die Spielerinnen stellen ihren Sport in Schulen vor und laden einen Monat lang gratis zu Schnuppertrainings, sagt Prochazka. „Denn wer Lacrosse einmal ausprobiert hat, der bleibt meistens dabei.“