Sport
26.04.2016

Wenn Sportlerinnen einen Namenswechsel vornehmen

Anna Fenninger fährt künftig als Veith ab. Welche Sportlerinnen es dem Skistar vorgemacht haben.

In der schnelllebigen Welt des World Wide Web scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Wer eine Homepage von Anna Veith sucht, der landet auf der Seite von Anna Fenninger. Die Hochzeit des Skistars vor einer Woche kam so unerwartet, dass im Internet alles noch beim Alten ist.

Jemanden wie ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, der alle grundsätzlich nur beim Vornamen nennt – sieht man einmal vom Papst ab – , stellt der Namenswechsel der Primadonna vor keine großen Probleme, sonst scheinen aber bei der zweifachen Weltcupgesamtsieger in naher Zukunft verbale Einfädler vorprogrammiert.

"Die Anna"

Anna V. statt Anna F. also – so manche beim ÖSV waren durchaus verwundert, dass Fenninger den Namen ihres langjährigen Lebensgefährten angenommen hat. Einige wollen darin sogar ein Indiz für einen möglichen vorzeitigen Abschied der 27-Jährigen ins Privatleben sehen. Denn war es nicht Fenninger, die im letzten Sommer zusammen mit ihrem damaligen Manager ausgezogen war, um sich auch international einen Namen zu machen? Hatte sie nicht extra sogar ein eigenes Logo entwerfen lassen, ein graues F und ein violettes A, die sich zu einem Herz formieren? Und könnte ihr Bekanntheitsgrad unter dem neuen Nachnamen gar leiden?

Für Dietmar Ecker ist der Name nur Schall und Rauch. "Für die Marke Anna Fenninger ist das kein Problem", erklärt der Kommunikationsberater. "Bei so prominenten Personen muss man immer trennen zwischen dem privaten Menschen, der jetzt eben Veith heißt, und dem öffentlichen, der in den Köpfen der Leute noch lange Anna Fenninger heißen wird. Ein aktuelles Beispiel für diese starke Trennung ist Prince: Jeder kennt seine Musik, aber kaum jemand wusste, was ihn privat ausmacht."

"Die Pröll"

Dabei ist es gar nicht einmal so ungewöhnlich, dass Sportstars noch während ihrer Karriere ihre Namen ändern. Eine Frau, mit der Anna Veith gerne verglichen wird, machte es in den 70er-Jahren vor. Annemarie Moser hatte ihre ersten Erfolge unter ihrem Mädchennamen eingefahren, nach ihrer Hochzeit (1973) gewann sie als Moser-Pröll noch drei Mal den Weltcup und wurde Olympiasiegerin. "Historisch betrachtet war sie schon lange die Frau Moser-Pröll, aber die Leute haben noch von ,der Pröll‘ geredet", erklärt Stratege Ecker. "Das wird jetzt bei Anna Veith ähnlich laufen."

Andere Athletinnen erlangten überhaupt erst nach ihrer Hochzeit Bekanntheit. Wer könnte heute schon noch etwas mit dem Namen Judith Pölzl anfangen? Als verheiratete Judith Wiesner brachte es die Tennisspielerin in der Weltrangliste bis auf Position zwölf.

Auch Liese Sykora errang ihre größten Erfolge erst nach ihrer Heirat mit ihrem Trainer Gunnar Prokop. Zum Star in der Leichtathletik (Weltrekord im Fünfkampf) wurde die spätere Innenministerin als Liese Prokop.

Die slowakische Slalomläuferin Veronika Zuzulová musste erst mit ihrem französischen Konditionstrainer vor den Traualtar treten, um auf der Piste durchzustarten. Alle vier Weltcupsiege feierte die 31-Jährige unter dem Namen Velez-Zuzulová.

Mitunter treibt das Privatleben der Sportler aber auch skurrile Blüten: Abfahrerin Katharina Gutensohn änderte nicht nur den Namen, sondern gleich auch die Nation. Als Katharina Gutensohn-Knopf startete die Tirolerin einige Jahre für Deutschland, ehe sie mit über 40 als Skicrosserin ein Comeback feierte – unter ihrem Mädchennamen, und für den ÖSV.

Bei Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Emese Hunyadywar es indes verständlich, dass sie ihren Namen behalten hat. Denn ihre Heirat mit einem österreichischen Kollegen war eine Schein-Ehe, um für Österreich starten zu dürfen, wie sie im Standard zugab. "Wir waren jung. Da macht man Sachen, die man später wahrscheinlich nicht machen würde."

"Die Vonn"

Lindsey Vonnhat den Namen ihres Mannes ( Thomas Vonn) auch nach der Scheidung 2013 behalten. "Der Name bleibt, das ist einfacher", sagt die Amerikanerin, der als Lindsey Kildow der Durchbruch gelungen war.

Nach der Hochzeit mit Thomas Vonn (2007) war der KURIER in die Namensfalle getappt. Als Vonn den ersten Sieg unter neuem Namen in Nordamerika feierte, wurde sie im KURIER als "Überraschungssiegerin" bezeichnet. Die fußballaffinen Kollegen im Spätdienst hatten von einer Vonn noch nie etwas gehört.

Anna Veith sollte sich also gar nicht groß wundern, wenn sie bei ihrem nächsten Erfolg als "Premierensiegerin" gefeiert wird.