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Sport
08/03/2021

Was, wenn Athleten bei Olympia auch heute noch nackt wären?

In der Antike traten die Sportler nackt an. Heute hat Kleidung nicht nur die Funktion, Körper zu bedecken.

von Florian Plavec

Olympische Spiele, 720 vor Christus im Heiligen Hain von Olympia. Orsippus von Megara startet in den Sprint über 185 Meter. Nach wenigen Metern verliert der Grieche seinen Lendenschurz. Doch anstatt seine Blöße zu bedecken, läuft der Athlet splitternackt weiter – und zum Sieg.

Sein Erfolg macht Beispiel. Von nun an treten die Sportler (abgesehen vom Pferderennen) ohne Kleidung an, ihre Nacktheit betonen sie zusätzlich, indem sie ihre Muskeln mit Olivenöl einreiben. Es ist auch eine Hommage an Zeus, den höchsten Gott der Griechen.

Als 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit ausgetragen werden, denkt man keine Sekunde daran, die Sportler wieder nackt antreten zu lassen. Zu viel hat sich geändert, vor allem sozial, Nacktheit hat eine ganz andere Bedeutung bekommen. Nur noch das Wort „Gymnastik“, abgeleitet vom altgriechischen „gymnos“ („nackt“), erinnert an alte Zeiten. 

Kulturell undenkbar

„Die Sexualisierung nackter Sportler war im antiken Griechenland verpönt und wurde ernsthaft bestraft“, sagt Sarah Bond, Historikerin an der Universität von Iowa im Interview mit der BBC. „Heute wäre das komplett anders.“ Zudem waren die Zuseher der Spiele der Antike vorwiegend männlich, sie kamen aus der gebildeten Elite und sie hatten denselben kulturellen und religiösen Hintergrund. Heute werden die Spiele über TV und Internet für Milliarden Menschen weltweit übertragen. Nicht nur in konservativen Ländern ist öffentliche Nacktheit ein Tabu.

Doch Kleidung hat im Jahr 2021 nicht nur die Funktion, Körper zu bedecken. Sie unterstützt die Athleten auch in ihrer Leistung. Schuhe bieten mehr Grip als bloße Sohlen, sie schützen den Fuß und haben einen Feder-Effekt; hautenge Trikots reduzieren den Windwiderstand; Sport-BHs unterstützen die Brust, Lauf-Hosen stabilisieren männliche Genitalien; aerodynamische Fahrrad-Helme lenken die Luft perfekt über den Körper.

Die Trikots der Spitzensportler sollen die Muskeln der Athleten an genau definierten Stellen komprimieren, um die Kraft in die richtige Richtung zu lenken. Eine ähnliche Funktion hat der Gürtel der Gewichtheber – der außerdem noch vor Rückenverletzungen schützt.

Am eindrucksvollsten zeigt sich der Vorteil von Kleidung kurioserweise beim Schwimmen. Wer 2008 in Peking gewinnen wollte, musste in den extrem engen Ganzkörperanzug „LZR Racer“ schlüpfen. Das Wunderding aus Polyurethan hatte eine Oberflächenstruktur, die Haifischhaut nachempfunden war.

„Wenn ich damit ins Wasser eintauchte, fühlte ich mich wie eine Rakete“, sagte damals der Amerikaner Michael Phelps, der erfolgreichste Olympionike der Geschichte. 25 Rekorde wurden damals gebrochen – 23 davon mit dem neuen Anzug. Nach den Spielen in Peking wurde der Wunderanzug verboten, dem Wettrüsten sollte Einhalt geboten werden.

„Rein wissenschaftlich gesehen ist der Einfluss der Kleidung auf die Leistungssteigerung geringer als angenommen“, sagt Olga Troynikov, die sich an der Universität Melbourne mit Funktionsmaterialien auseinandersetzt. „Die meisten Ergebnisse dazu sind nicht schlüssig.“

Nicht zu unterschätzen sei allerdings die psychische Komponente. So trat etwa die australische Sprinterin Cathy Freeman im Jahr 2000 im Ganzkörperanzug auf, der sie wie eine Superheldin mit Kapuze wirken ließ. Es ist unklar, ob der Anzug auch nur eine Hundertstelsekunde gebracht hat. Fakt ist nur, dass Freeman bei den Spielen in ihrer Heimat Gold über 400 Meter gewann.

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