Sport
08.03.2013

Wandel einer vom Doping verseuchten Sportart

Doch nicht bei allen Teams stoßen Initiativen gegen frühere und aktuelle Doping-Praktiken auf Gegenliebe.

Der Frühling nach dem Geständniswinter empfängt bei der Tour Tirreno-Adriatico (bis 12. März) eine gemischte Gemeinde. Es gibt die Fahrer und Funktionäre des alten Schlags, die jeden Blick in die Vergangenheit vermeiden wollen. Und es gibt welche, denen die bisherigen Maßnahmen gegen Doping nicht weit genug gehen. Der Wandel ist spürbar, das Tempo des Wandels ist aber gering.

Sinnbildlich

Ganz rein und weiß fährt der Bus des Teams Blanco in die Startzone der 3. Etappe in Arezzo. Die Farbe ist Symbol. Der Teamsponsor Rabobank hat seinen Namen getilgt, weil er mit den auch von seinen Geldern bezahlten Dopingmachenschaften nichts mehr zu tun haben wollte. Blanco ist gelöschte Vergangenheit und zugleich ein Wechsel in die Zukunft. Denn das niederländische Team hat gemeinsam mit dem Radsportverband KNWU und den beiden anderen Profirennställen der Niederlande eine Art Wahrheitskommission eingerichtet.

„Bis 1. April müssen alle Angestellten der Teams Blanco, Vacansoleil und Argos-Shimano eine Erklärung abgeben, ob sie in der Vergangenheit gedopt haben oder nicht“, sagt Marc Reef, Sportlicher Leiter im Argos-Team. Wer auspackt, erhält eine sechsmonatige Sperre sowie eine Strafe von drei Monatsgehältern. Wer schweigt, aber später erwischt wird, soll umgehend von den Teams gekündigt werden. Das Verfahren ist laut Reef auch für ausländische Profis verpflichtend. Seit Jänner hat diese Initiative zu etlichen Geständnissen geführt, vor allem bei früheren Rabobank-Profis.

Das Modell der Niederlande könnte den Radsport nachhaltig verändern. Doch nicht bei allen Teams stoßen Initiativen gegen frühere und aktuelle Doping-Praktiken auf Gegenliebe. Etwa beim Team Saxo-Tinkoff um Alberto Contador. Der Sportliche Leiter Fabrizio Guidi hat für Vergangenheitsbewältigung wenig übrig. „Mein Job ist es, mich auf die Rennen zu konzentrieren“, sagt er. Contadors Rivale bei der diesjährigen Tour, der Brite Chris Froome, ist auch ein Freund dieser Philosophie: „Ich habe mich um all das nicht gekümmert.“

Walerjo Piwa, Sportlicher Leiter beim russischen Team Katjuscha, gesteht immerhin ein, dass der Radsport ein Dopingproblem hat. Er mokiert sich aber über die Aufarbeitungsversuche: „Wenn das so weitergeht, landen wir noch bei den Zeiten von Coppi.“