Sport
27.08.2018

Kleinmann: "Sonst spielt bald keiner mehr fürs Nationalteam"

Paul Buchegger verletzte sich im Team und fällt lange aus, nun droht ihm bei seinem Klub Ungemach.

Paul Buchegger ist es gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Wenn es eng wird in einer Volleyballpartie, wenn ein kühler Kopf und ein ruhiges Händchen gefragt sind, dann ist der 22-Jährige meist zur Stelle und übernimmt die Verantwortung. Nicht zuletzt dank Bucheggers Schlagfertigkeit und Nervenstärke gewann das österreichische Nationalteam zuletzt in der EM-Qualifikation gegen Kroatien und Portugal und wahrte die Teilnahme auf die Endrunde.

In dem Match, das er jetzt führen muss, sind dem Oberösterreicher allerdings die Hände gebunden. Eine Knieverletzung, die sich Buchegger beim 3:1 gegen Portugal zugezogen hatte, könnte für den Jungstar schwer wiegende Konsequenzen haben. Als wäre die Diagnose (Meniskusriss, fünf Monate Pause) nicht schon niederschmetternd genug, drohen Buchegger nun auch Probleme mit seinem neuen Verein.

Im Ungewissen

Der Shootingstar der italienischen Serie A hatte vor wenigen Wochen einen Vorvertrag bei Monza unterschrieben. Der obligate und abschließende Medizincheck war für diesen Donnerstag geplant. Angesichts der Verletzung und der langen Zwangspause erscheint es nun unsicher, ob Monza den Vertrag tatsächlich erfüllt. „Der Bua steht dann von einem Tag auf den anderen vor dem Nichts“, klagt deshalb Peter Kleinmann. „Wenn Monza nein sagt, verdient der Paul kein Geld, und welcher Verein holt schon einen verletzten Spieler?“

Österreichs Mister Volleyball bekleidet zwar offiziell kein Amt mehr, doch er fühlt sich seinem Sport immer noch verpflichtet, weshalb er alle Hebel in Bewegung setzt, um Buchegger auf die Beine zu helfen.

In der Pflicht

Auch beim Weltverband möchte Kleinmann vorstellig werden, um eine Regelung zu erwirken, wie es sie etwa im Fußball bereits gibt. So schloss die UEFA zum Beispiel eine Versicherung ab, die das Gehalt des Fußballers bis zu einer Höhe von 7,5 Millionen Euro übernimmt. Einzige Bedingung: Der Spieler muss sich in einem Pflichtspiel verletzt haben. Österreichs Basketballverband wiederum musste eine Versicherung abschließen, damit NBA-Star Jakob Pöltl für das Nationalteam auflaufen durfte.

„Wir müssen auch im Volleyball die Spieler schützen“, fordert daher Peter Kleinmann, der auch auf politische Unterstützung hofft. „Unsere Sportler spielen mit vollem Herzen für Österreich, kriegen dabei keinen Euro und riskieren auch noch ihre internationale Karriere. Ich ersuche das Sportministerium wirklich, dass dieser Einsatz honoriert wird und die Spieler abgesichert werden. Denn sonst wird irgendwann keiner mehr im Nationalteam spielen.

Das Sportministerium reagierte mit einer Aussendung auf den Appell von Peter Kleinmann. „Jede Verletzung eines Spitzensportlers während des Einsatzes im Nationalteam ist erschütternd, weil es immer um den Karriereverlauf des Sportlers geht. Ich verstehe die Sorge von Peter Kleinmann und schätze seinen Einsatz für Paul Buchegger", sagt Philipp Trattner, der stellvertretende Kabinettchef im Sportministerium. Er stellt zugleich aber auch klar:  "Üblicherweise ist ein Sportler für den Länderspieleinsatz in einem Dienstverhältnis mit dem Bundesfachverband. Ob im Fußball, Basketball oder Eishockey. Dadurch ist gewöhnlich der Sportler im Falle einer Verletzung durch ein Versicherungspaket abgesichert. Wir gehen davon aus, dass sich der Österreichische Volleyballverband -  wie andere professionelle Sportfachverbände in Österreich auch - im Sinne seiner Sportler um Dienstverträge und den passenden Versicherungsschutz seiner Athleten kümmert. International ist es üblich, dass der Welt- bzw. der Europäische Verband mit seinen nationalen Mitgliedern ein für die jeweilige Sportart passendes Versicherungspaket für Nationalteamspieler abschließt.“