Sport
16.08.2018

Volley Kraft voraus: Ein Fingerzeig der Handwerker

Österreichs Volleyballer überzeugten beim 3:1 in der EM-Qualifikation gegen Kroatien

Als Paul Buchegger zum Ende des dritten Satzes das Heft in die Hand nahm, musste selbst Volleyball-Laien klar geworden sein, dass es sich beim 22-Jährigen um keinen Ottonormalvolleyballer handelt. Ein Sprungservice nach dem anderen donnerte der Oberösterreicher in dieser prekären Situation übers Netz, im Alleingang wehrte Buchegger mehrere Satzbälle ab und ebnete dem österreichischen Nationalteam den Weg zum 3:1-Erfolg gegen Kroatien in der EM-Qualifikation.

Die Sicherheit und Selbstverständlichkeit, mit der Paul Buchegger in den wichtigsten Momenten der Partie agierte, waren es, die so beeindruckten. „Der ist ein Weltklassevolleyballer“, frohlockte Peter Kleinmann hinter dem ORF-Mikrofon.

Paul Buchegger ist wenn man so will das Gesicht dieser österreichischen Volleyballnationalmannschaft, die Teamchef Michael Warm seit dem Amtsantritt im Jahr 2010 einem radikalen Facelifting unterzogen hat. Als der Deutsche den Job angetreten hatte, hatte das, was hierzulande pritschend und baggernd dargeboten wurde, wenig mit Volleyball zu tun. „Das war mehr oder weniger Ball über die Schnur“, erinnert sich Warm.

Auslandserfahrung

Früher musste ein österreichischer Teamchef bis in die entlegensten Winkel des Landes tingeln, um halbwegs schlagfertige Volleyballer zu finden. Michael Warm reicht heute ein Blick in die europäischen Topligen, wo mittlerweile nahezu alle österreichischen Teamspieler am Ball sind – höchst erfolgreich obendrein.

Paul Buchegger etwa gewann mit Ravenna den Challenge-Cup, das Pendant zur UEFA-Europa-League. Alexander Berger holte mit Perugia das Double in der Serie A und stand wie im Vorjahr im Final-Four der Champions League. Der ÖVV hat auf seiner Homepage (www.volleynet.at) sogar eine eigene Rubrik „Unsere Stars im Ausland“ ins Leben gerufen, um die Erfolge der Legionäre zu würdigen.

Teamchef Michael Warm profitiert nun von dem großen Erfahrungsschatz seiner Legionärstruppe. Selbst der kurzfristige Ausfall von Kapitän Berger, der nach dem Aufwärmen w.o. geben musste, konnte die Österreicher nicht aus dem Tritt bringen. „Wir sind breit aufgestellt“, weiß Aufspieler Max Thaller, „jetzt wissen wir, dass wir alle schlagen können“, ergänzt Paul Buchegger, der beim 3:1 gegen Kroatien mit 34 Punkten der Topscorer war.

Der Pflichterfolg war freilich erst ein kleiner Etappensieg auf dem Weg zum großen Ziel, das Michael Warm bereits 2010 ausgegeben hatte. „Wir wollen uns einmal aus eigener Kraft für eine EM qualifizieren.“

Die nächste Etappe führt Österreich am Sonntag nach Albanien. „Auch dort müssen wir drei Punkte einfahren“, weiß Buchegger.