Rekordhalter Gruen vor dem Marathon: „Ich habe Wiener Blut“

Österreichs Rekordhalter Aaron Gruen spielte zuerst mit den Symphonikern, am Sonntag will der vielseitige 27-Jährige beim 43. Vienna City Marathon selbst den Ton angeben.
Österreichs Lauf-Ass Aaron Gruen

Man könnte der Welt zehn Aaron Gruens hinstellen – und jeder davon würde für eine eindrucksvolle Geschichte tauglich sein. Österreichs Rekordhalter im Marathon (2:09,53) und Halbmarathon (1:01:14) läuft auch sonst die Zeit nicht davon, um auf anderen Ebenen erfolgreich zu sein.

KONZERT WIENER SYMPHONIKER AM VORTAG DES VIENNA CITY MARATHON 2026 (VCM): AARON GRUEN

Vorspiel für Aaron Gruen

Der famose Cellist schloss im Vorjahr Studien der Musik und Chemie ab und begann darauf in Havard sich der Medizin zu verschreiben. Wie das alles zusammenpasst? Wie sich der 27-Jährige auf den „43. Vienna City Marathon“ vorbereitete und was er über sein Leben sonst noch zu erzählen hat, berichtete er bei einer kleinen Plauderei im Vorfeld.

KURIER: Welche Zeit schwebt Ihnen beim Wien-Marathon am Sonntag vor?

Aaron Gruen: Ich möchte um rund drei Stunden laufen. 

Das ist aber schon ein bisserl weit weg von einem Rekord, oder?

Das ist schon ein Rekord. Es wäre meine schlechteste Marathon-Zeit überhaupt. Nein, im Ernst. Ich weiß, dass ich körperlich in der Lage bin, eine gute Zeit zu laufen, jetzt hängt es nur noch vom Mentalen ab. Natürlich denkt man an den Rekord, aber die Strecke ist eben nicht ganz flach. Sollte es mit dem österreichischen Rekord nichts werden, so ist auch die beste Zeit eines Österreichers in Wien möglich (Lemawork Ketema lief 2019 2:10:44, Anm.).

Sie sind ja auch ein begnadeter Musiker und spielten sogar am Samstag noch im Musiksaal mit den Wiener Symphonikern in einem Orchester Cello. Die beste Vorbereitung für Sie?

Soll ich dumm auf dem Sofa herumsitzen? Es ist eine gute Ablenkung, so lange dauerte es für mich auch nicht.

Wenn Sie einen Vergleich mit der Musik ziehen, wie sollte der Marathon am Sonntag für Sie laufen?

Im Idealfall sollte sich der Marathon andante (langsam, Anm.) anfühlen, aber prestissimo (schnell) sein.

Schnell sind Sie auch, was Ihre Lebensgeschichte betrifft, die überaus vielfältig und daher vielleicht charakteristisch für Sie ist. Sie studierten Chemie und Musik, wie passt das zusammen?

Was die Medien alles wissen wollen? Da muss ich mir nächstes Mal etwas überlegen. Aber ja, ich denke in Abschnitten. Das gilt für die Musik, das Studium und das Laufen. Ist eine Sache beendet, kommt die nächste, das motiviert. Je weniger die Dinge miteinander zu tun haben, desto besser.

Und wie bringen Sie alles in einem Tagesablauf?

Ich stehe um 4 Uhr auf, um 6 gehe ich laufen, nach dem Studium am Nachmittag erneut, das befreit den Kopf. Um 20 Uhr ist Nachtruhe.

 Würden die Machthaber dieser Erde, die Präsidenten, mehr laufen, gäbe es viel weniger Kriege. 

Aaron Gruen

Sie laufen das erste Mal in Wien. Ist es wie eine Heimkehr, fühlen Sie sich als Österreicher?

Ich wäre in Österreich geboren, hätten meine Großeltern in der NS-Zeit nicht fliehen müssen. Also fühle ich mich auch als Österreicher, ich habe gewissermaßen Wiener Blut.

Welchen Stellenwert hat das Laufen für Sie? Und welche Bedeutung haben solche Veranstaltung?

Es ist ein Zusammenkommen von Menschen. Und das Laufen selbst befreiet den Körper und den Kopf. Würden die Machthaber dieser Erde, die Präsidenten, mehr laufen, gäbe es viel weniger Kriege. Sie wären befreiter.

Denken Sie viel bei einem Marathon? Was wird Ihnen durch den Kopf gehen?

Ich weiß genau, was ich bei jedem Kilometer denken werden. Da denke ich ebenfalls in Abschnitten. Ich habe mir genau vorgenommen, was ich beispielsweise bis Kilometer sechs denke. Und auch die nächsten Abschnitte, auch was mir im Prater durch den Kopf gehen wird.

Was wird das sein?

Wie dort Eliud Kipchoge im inoffiziellen Weltrekord unter zwei Stunden geblieben ist.

Wien wird wohl nicht das einzige Ziel für heuer sein im Laufsport ...

Ich will heuer noch die EM im August laufen, nachdem es bei der WM aufgrund der Hitze nicht ganz so gut lief. Aber mein großes Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Dafür muss ich mich aber noch deutlich steigern. Deshalb gilt 2027 die volle Konzentration dem Laufsport, da möchte ich zumindest den praktischen Teil des Studiums ruhen lassen.

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