Schwangerschaft und Spitzensport: So trainiert Victoria Hudson
Victoria Hudson beim Training in der Südstadt
Für Victoria Hudson ist in diesem Sommer vieles anders. Statt bei der derzeit laufenden EM ihren Titel im Speerwurf zu verteidigen, bestimmt die Vorfreude auf ihr erstes Kind die kommenden Monate. Die österreichische Rekordhalterin trainiert weiterhin, passt Belastungen aber laufend an und hört genauer denn je auf ihren Körper. Mit dem KURIER sprach sie über ...
… ihre Schwangerschaft: „Bei mir verläuft bis jetzt alles sehr unkompliziert. Ich bin total entspannt und genieße die Schwangerschaft. Bei etwaigen Komplikationen würde ich mich mit meiner Prä- und Postnataltrainerin abstimmen.“
… ihr Training: „Wir haben die Trainingsumfänge leicht reduziert, weil meine Energie unter der körperlichen Umstellung während der ersten Monate der Schwangerschaft doch ein wenig gelitten hat. Gerade bei Medizinballwürfen für die Bauchmuskulatur ist jetzt Vorsicht geboten. Im Krafttraining vermeide ich Maximalgewichte. Je körperschonender die Einheiten ablaufen, desto besser. Wir schauen von Woche zu Woche, wie lange und was im Training geht. Für meinen Körper wäre es sehr ungewohnt, von einem auf den anderen Tag das Training von 100 auf null zu reduzieren.“
… ihr Körpergefühl: „Als Spitzensportlerin hat man im Normalfall ein sehr gutes Körperempfinden. Auf mein Bauchgefühl möchte ich als Mama noch stärker hören und jederzeit Anpassungen vornehmen, sollte sich eine gewisse Trainingsbelastung nicht mehr gut anfühlen. Dass wir uns auch externen Rat von Spezialistinnen holen, versteht sich von selbst. Im Vordergrund soll mein persönliches Wohlbefinden stehen.“
… ihr Team: „Ich werde aktuell von fünf Personen sportlich betreut. Wenn sich etwas für mich nicht richtig anfühlt, wird darauf Rücksicht genommen. Der Großteil meines Umfelds kennt mich seit vielen Jahren und steht kompromisslos zu mir. Das ist ein schönes Gefühl, gibt mir große Sicherheit und das Gefühl, dass wir für alles eine Lösung finden.“
… die Zeit nach der Geburt: „Je nachdem, wie die Geburt verläuft, werde ich mit meiner Prä- und Postnataltrainerin und in enger Abstimmung mit meinem Betreuerstab einen Fahrplan für die Rückkehr erstellen. Ich werde es entsprechend vorsichtig angehen und habe es auch nicht eilig.“
… ihr Comeback: „Ich plane nach der Geburt ein Comeback, aber zum derzeitigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, dass ich 2027 mit Verspätung in die Saison einsteigen und nur ausgesuchte Wettkämpfe bestreiten werde. Wie gesagt, ich will mir Zeit geben, nichts erzwingen.“
… andere Mütter im Spitzensport: „Ich finde es inspirierend, dass es in der Leichtathletik viele erfolgreiche Beispiele gibt. Natürlich hofft man, dass das Comeback bei einem selbst ähnlich reibungslos verläuft. Ich werde alles daransetzen, dass der sportliche Erfolg zurückkommt, aber mir ist in erster Linie wichtig, dass mein Kind gesund und zufrieden aufwächst. Ich sehe es als Herausforderung, den Spagat zwischen Sport und Familie möglichst gut hinzubekommen.“
… vorschnelle Urteile: „Ein paar Mal musste ich mir den Kommentar anhören: ,Oje, Vicky, das war sicher ein Unfall, oder?’ Das hat mich schon überrascht.“
… die Weltrangliste: „Die Weltrangliste macht keine Pause und kennt keine Schwangerschaftsregelungen. Meine Ergebnisse der Vergangenheit werden in den nächsten Monaten gestrichen. Wenn ich im Olympiajahr zurückkomme, werde ich mich hinten anstellen und fleißig Weltranglistenpunkte sammeln müssen.“
… die finanzielle Absicherung: „Diese Frage kommt mir noch zu früh. Ich habe betreffend der Fördergelder noch keine Gespräche geführt. Normalerweise werden für die Einstufung die entsprechenden Vorjahresergebnisse herangezogen. Resultate von 2026 wird es keine geben. Aber ich mache mir keine Sorgen: Irgendeine Art der finanziellen Absicherung wird sich finden.“
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