APA8840000-2 - 31072012 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT SI - Der in einem Untreue-Verfahren angeklagte ehemalige ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth am Dienstag, 31. Juli 2012, vor Beginn des fünften Verhandlungstages am Straflandesgericht Wien. APA-FOTO: HERBERT NEUBAUER

© APA/HERBERT NEUBAUER

Untreue
07/12/2013

Jungwirth muss für fünf Jahre ins Gefängnis

Das Wiener Oberlandesgericht bestätigte die Haftstrafe für den Ex-ÖOC-General.

Der ehemalige Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC), Heinz Jungwirth, muss für fünf Jahre ins Gefängnis. Das Wiener Oberlandesgericht (OLG) hat Freitagmittag die im Juli 2012 über Jungwirth verhängte Strafe des Straflandesgerichts bestätigt, der wegen Untreue mit einer Schadenssumme von 3,3 Millionen Euro schuldig erkannt worden war.

„Wenn jemand so wie er (Jungwirth, Anm.) am Boden liegt, soll man nicht noch draufsteigen“, hatte Jungwirths Anwalt Herbert Eichenseder zu bedenken gegeben. Das ÖOC sei kein straff geführter Verein gewesen und habe in finanzieller Hinsicht „ohne Sicherheitsnetz im freien Raum funktioniert“.

Dieser Einwand, wonach es Jungwirth sehr leicht gemacht worden sei, ÖOC-Gelder für eigene Zwecke abzuzweigen, bewog den Berufungssenat nicht dazu, bei einem Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren die Strafe zu reduzieren. Der Vorsitzende Dietmar Krenn begründete das Urteil unter Verweis auf die „extrem hohe Schadenssumme“, die persönliche Bereicherung und den langen Tatzeitraum.

Der einst mächtige Sportfunktionär hatte laut rechtskräftigen Feststellungen der Gerichte von 2003 bis 2009 in zahlreichen Angriffen seine Zeichnungsberechtigung auf ÖOC-Konten missbraucht und sich Gelder zugeeignet, um sein kostspieliges Privatleben zu finanzieren. Er gönnte sich etwa einen noblen Fuhrpark, zehn Pferde und eine Reithalle im Ausmaß von 70 mal 20 Meter. Seinem Sohn spendierte er einen sündteuren Reitlehrer.

Jungwirth hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als Angeklagter stets abgestritten. Man müsse jetzt akzeptieren, dass die Gerichte das anders sehen, räumte nun sein Verteidiger ein, nachdem der Oberste Gerichtshof schon vor einigen Monaten den Schuldspruch in nichtöffentlicher Sitzung bestätigt hatte: „Wir wissen, was auf uns zukommt.“

Jungwirth selbst merkte im Justizpalast an, er habe bis zu 200 Tage im Ausland „für den Verein“ gearbeitet: „Ich würde es heute noch gern tun.“ Die „Verquickung von Beruf und privat“ sei „notwendig, wenn auch verboten“ gewesen.

Keine Erhöhung

Die Strafe hätte sich für den 61-jährigen Ex-ÖOC-General theoretisch sogar erhöhen können, da auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte. Ihr waren aus generalpräventiven Gründen die fünf Jahre als zu wenig erschienen. Eine Erhöhung sei allerdings „nicht notwendig“, befand der Berufungssenat.

Sicher ist, dass Heinz Jungwirth wegen der Verurteilung seine Beamtenpension verlieren wird.

Geboren: 23. Juli 1951
Wohnort: Mittergrabern/NÖ
Familienstand: verheiratet, 2 Kinder
Universitätsstudium: Leibeserziehung und Geschichte/Lehramt, Dr. phil. in Pädagogik

1972-80: Lehrer für Leibeserziehung u. Geschichte, Gymnasium Astgasse Wien

1970-85: Vortragender am Institut für Sportwissenschaften der Universität Wien

22. November 1982 - 28. Februar 2009: Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC)

1990-2001: Exekutiv-Mitglied des European Olympic Committees, Mitglied der IOC-Kommission zur Vorbereitung der Olympischen
Winterspiele Albertville 1992, Lillehammer 1994, Nagano 1998, Salt Lake City 2002 und Turin 2006.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.