Korruptionser­mitt­lun­gen beim ÖOC

Ein Audi für den Sektionschef: Ex-ÖOC-Macher Jungwirth (re.) besorgte Pelousek einen A6.
Foto: dpa/Bissuti/Montage: C. Karner

Wie Ex-ÖOC-General Jungwirth dem ehemals höchsten Sportbeamten einen Luxus-Audi verschaffte.

Es war im Winter 2005, als sich Robert Pelousek ein neues Auto in den Kopf gesetzt hatte. Eine Luxuslimousine sollte es sein, ein Gefährt aus dem Audi-Stall, 225 Pferdestärken, Allradantrieb, Lederausstattung. Da traf es sich gut, dass Pelousek als damals höchster Beamter des Sportministeriums ein feines Netzwerk an Kontakten gesponnen hatte.

Was lag also näher, als das austerngraue, mit auffälligen Breitreifen bestückte Objekt der Begierde nicht direkt beim Händler zu beziehen. Sondern über das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC), wo die Herren der fünf Ringe sitzen, die zu den Importeuren der Weltmarke mit den vier Ringen über beste Beziehungen verfügen.

Deal unter Freunden

Ein Audi für den Sektionschef: Ex-ÖOC-Macher Jungwirth (re.) besorgte Pelousek einen A6. Foto: dpa/Bissuti/Montage: C. Karner Ein Audi für den Sektionschef: Ex-ÖOC-Macher Jungwirth (re.) besorgte Pelousek einen A6.

Heinz Jungwirth, damals noch umtriebiger Generalsekretär des ÖOC, heute öffentlichkeitsscheue Schlüsselfigur der Olympia-Affäre, wickelte das Geschäft für den Herrn Sektionschef Pelousek ab. Doch der simple Deal unter Freunden sollte fünf Jahre später brisanter Inhalt einer internen Untersuchung werden: Denn ab Sommer 2010, kurz nachdem der KURIER erstmals über die Luxuslimousine für den Sektionschef berichtet hatte, wurde der Vorgang in einem Disziplinarverfahren unter die Lupe genommen. Immerhin hat der einflussreichste Sport-Sektionschef der Republik, der jahrelang unmittelbar am Fördertopf der Steuermillionen saß, über den einflussreichsten Sportfunktionär des Landes, dessen ÖOC just auf diese Steuermillionen angewiesen war, ein feines Fahrzeug bezogen.

Die Details des Deals sind delikat: Am 5. Dezember 2005 kauft Heinz Jungwirth bei einem dem ÖOC gut bekannten Audi-Händler in Wien einen A6 3,0 TDI quattro. Kaufpreis: 55.000 Euro. Verkäufer: der Chef persönlich. Die offizielle Rechnung wird an das ÖOC ausgestellt.

Schmierzettel

Ein Audi für den Sektionschef: Ex-ÖOC-Macher Jungwirth (re.) besorgte Pelousek einen A6. Foto: dpa/Bissuti/Montage: C. Karner Ein Audi für den Sektionschef: Ex-ÖOC-Macher Jungwirth (re.) besorgte Pelousek einen A6.

Am 14. Dezember 2005 verkauft Jungwirth den A6 an Sport-Sektionschef Pelousek weiter. Kaufpreis: 55.000 Euro. Der offizielle Kaufvertrag trägt den Stempel des ÖOC, auf einem besseren Schmierzettel, den Pelousek später im Disziplinarverfahren vorlegen wird, wird unter dem handschriftlichen Vermerk "Dez. 05" der "Empfang des Kaufpreises in Höhe von € 55.000,- (bar)" quittiert. Unterschrift des Verkäufers: Heinz Jungwirth, der also bestätigt, den Kaufpreis vom Sektionschef kassiert zu haben (siehe Faksimile).

Auf den ersten Blick eine zwar ungewöhnliche, aber scheinbar saubere Sache. Doch bei genauerer Betrachtung birgt diese Beschaffung eine beachtliche Brisanz.

Aktuelle KURIER-Recherchen ergaben, dass der Audi A6, den Pelousek via Spezi Jungwirth erwarb, nie und nimmer 55.000 Euro wert war. Laut dem Gutachten eines gerichtlich zertifizierten Sachverständigen, der den Audi unmittelbar vor der Durchführung des seltsamen Kaufgeschäftes überprüfte, hatte der damals 16 Monate alte Wagen (Kilometerstand: 25.720; zwei Vorbesitzer) lediglich einen Wiederverkaufswert von 42.841 Euro. Mehr noch: Sektionschef Pelousek hätte um seine vorgeblich in bar (!) bezahlten 55.000 Euro - immerhin ein knappes Nettojahresgehalt - problemlos einen Neuwagen gleicher Art und Ausstattung ordern können, dies sogar, ohne Rabatt zu verlangen.

Fakten, die freilich Fragen aufwerfen: Warum kauft Jungwirth vom Autohändler seines Vertrauens auf Rechnung des ÖOC einen völlig überteuerten Gebrauchtwagen zum Listenpreis eines Neuwagens? Warum wirft Audi-Fan Pelousek keinen Blick in die Eurotax-Liste, als er den Wagen vom ÖOC - natürlich zu einem ebenfalls viel zu hohen Preis - wenige Tage später erwirbt? Wollte Jungwirth bei diesem dubiosen Deal etwa gar den mächtigen Beamten beim Gebrauchtwagenkauf über den Tisch ziehen?

Letzteres ist praktisch auszuschließen.

Vielleicht war aber auch alles ganz anders. Vielleicht liegt des Rätsels Lösung ja darin, dass die angeblich in bar von Pelousek an Jungwirth übergebene Kaufsumme von 55.000 Euro tatsächlich nie beim ÖOC angekommen ist. Das behauptet zumindest das ÖOC gegenüber den internen Ermittlern im Disziplinarverfahren, die sich für den Limousinenkauf ganz besonders interessiert haben.

Das Sportministerium hat die Causa vor wenigen Tagen jedenfalls bei der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Salzburg angezeigt.

Übrigens: Pelousek ist mittlerweile pensioniert, Jungwirth suspendiert. Beide waren für den KURIER nicht erreichbar.

(kurier) Erstellt am
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