ÖOC: Fünf Jahre Haft für Jungwirth

APA/ROLAND SCHLAGERAPA7791650-2 - 07052012 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT CI - Der angeklagte ehemalige Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), Heinz Jungwirth, vor Beginn seiner Verhandlung wegen Untreue am Montag, 7. Mai 2012,
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER Heinz Jungwirth suchte nach der Urteilsverkündung überstürzt das Weite.

Der Ex-ÖOC-Generalsekretär fasst eine heftige Strafe aus. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Das Spiel ist vorbei. Der Schlusspfiff ertönte am Dienstag am Wiener Straflandesgericht, Heinz Jungwirth wurde auf die Strafbank verbannt und zu fünf Jahren unbedingter Haft wegen Veruntreuung von Millionenbeträgen verurteilt, die auf private Konten flossen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die mitangeklagte Manuela K., eine ehemalige Mitarbeiterin Jungwirths, wurde freigesprochen.

Der Schöffensenat ging bei Jungwirth von einem angerichteten Schaden von 3,3 Millionen Euro aus. Dieses Geld fehle dem ÖOC. "Und wenn man sich den Lebenswandel von Doktor Jungwirth ansieht, kann man sich vorstellen, wo die Beträge gelandet sind", begründete Richter Georg Olschak unter Verweis auf den noblen Fuhrpark des ehemaligen ÖOC-"Generals": zehn Pferde, eine Reithalle im Ausmaß von 70 Mal 20 Metern und einen sündteuren Reitlehrer, den Jungwirth seinem Sohn finanzierte. "Normalerweise sollte man sagen, mich bringen keine zehn Pferde in die Kriminalität. Bei Ihnen war es gerade umgekehrt", stellte Olschak fest.

Richtungweisend

Der Richter geißelte in seiner Urteilsbegründung "die widerwärtige, altösterreichische Funktionärsmentalität". ÖOC-Präsident Karl Stoss erfuhr vom Ausgang des Prozesses in London bei den Olympischen Spielen: "Das Urteil ist einstweilen noch nicht rechtskräftig, zeigt freilich deutlich eine Richtung. Für einen endgültigen Kommentar ist es noch zu früh. Wir danken all jenen, die zur Aufklärung beigetragen haben und werden umgehend die vom Gericht bestätigte Rückzahlungsforderung in der Höhe von 1,5 Millionen Euro einfordern und alles daransetzen, dass das Geld in voller Höhe zurück in den Olympia-Sport fließt."

Jungwirth war 26 Jahre lang Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comitées (ÖOC), seine Amtszeit endete im Februar 2009, nachdem aufgrund eines KURIER-Berichtes Vorwürfe über ungeklärte Geldflüsse laut geworden waren. Jungwirth stolperte vor allem über die gescheiterte Olympiabewerbung von Salzburg für die Winterspiele 2014 und die nun gerichtlich festgestellte private Verwendung von ÖOC-Geldern.

Metalle & Skandale

In der Ära Jungwirth gewannen Österreichs Aktive viele Olympia-Medaillen. Getrübt wurde seine Bilanz durch die Blutbeutel-Affäre bei den Winterspielen 2002 in Salt Lake City und den Doping-Skandal 2006 in Turin, in dessen Folge es zum Zerwürfnis mit dem ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel kam.

In seinem Schlusswort hatte Jungwirth Endzeitstimmung verbreitet und sich wie folgt gerechtfertigt: " (Ex-ÖOC-Präsident Leo, Anm.) Wallner war für die Sonnenseiten des Lebens zuständig, ich für den Regen und Mist. Jetzt muss ich dafür büßen." Es sei "halt eine fatale Geschichte, wenn Beteiligte und Vorgesetzte die Erinnerung verlässt".

Der in London weilende Sportminister Norbert Darabos kommentierte das Urteil so: "Der Prozess und das Urteil sind ein wesentlicher Schritt in der Aufarbeitung des ÖOC-Skandals." Darabos selbst hatte 2009 als ÖOC-Vorstandsmitglied viele Widerstände überwinden müssen, um die Aufräumarbeiten in Gang zu bringen.

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(kurier) Erstellt am
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