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Sport
12/25/2018

Trainer des Jahres: „Der Beste muss richtig gut verdienen“

Verbands-Sportdirektor Gregor Högler erklärt, weshalb seine Leichtathleten mit dem Porsche vorfahren sollten.

von Florian Plavec

Jammern ist nicht die Sache von Österreichs Trainer des Jahres 2018. Gregor Högler, zugleich Sportdirektor des Leichtathletik-Verbandes, verweist viel lieber auf bereits Erreichtes und auf erfolgversprechende Pläne. Nach dem gelungenen Projekt um die Mehrkämpferinnen (Hallen-WM-Silber durch Ivona Dadic) und im Diskus (EM-Bronze von Lukas Weißhaidinger) präsentierte Högler nun seinen nächsten Plan. Die österreichischen Marathonläufer sollen an die Spitze und 2020 zu den Olympischen Spielen nach Tokio geführt werden.

KURIER: Warum liegt Ihnen der Marathon so am Herzen?

Gregor Högler: Mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, wie viele Menschen an einem Marathon teilnehmen. Das ist ein archaischer Sport. Dazu kommt auch die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Außerdem haben wir den Achten und den Zehnten in Europa. Das ist schon stark, für die Besten machen wir zusätzliche Mittel frei. Wir glauben daran, dass wir drei Marathonläufer zu den Olympischen Spielen bringen können.“

Es dürfen aber nur noch halb so viele Läufer an den Start gehen wie zuletzt in Rio – 80 Damen und 80 Herren.

Genau. Wir müssen immer für die Trendsportarten Platz machen. Mit der 80er-Quote ist es schwieriger als je zuvor. Eigentlich müsste man 500 Marathonläufer im Olympia-Rennen starten lassen, aber natürlich kostet jeder Startplatz Geld. Wenn wir es unter mehr als 200 Nationen schaffen, tatsächlich drei Teilnehmer an den Start zu bringen, können wir stolz sein. Klar ist aber auch: Wir werden sicher nicht den Olympiasieger stellen.

Normalerweise konzentrieren Sie sich in erster Linie auf Disziplinen, in denen Österreich Siegchancen hat.

Richtig. Beispiel Siebenkampf: Ich komme aus der Wirtschaft und habe gesagt: Okay, unser Produkt ist Leistung. Was brauchen wir dazu? Eine Halle. Die haben wir gebaut. Eine Maschine für den Luki (Diskuswerfer Weißhaidinger; Anm.). Haben wir mit meinem Wissen aus dem Maschinenbau gebaut. Dann brauchen wir ein gutes Umfeld, die richtigen Trainer. Wir haben einige gute. Aber in den Bereichen, wo wir nicht Weltklasse sind, müssen wir welche einkaufen. Wir müssen Wissen vernetzen und wir müssen spitz denken. Denn wir brauchen gute Athleten, die uns repräsentieren.

Vernachlässigen Sie bewusst jene Disziplinen, in denen Österreich keine Chancen hat? Also die 100 Meter?

Auch im 100-Meter-Lauf brauchen wir Sprinter auf Europaniveau. Denn wir haben ja im Mehrkampf auch den Sprint zu bewältigen. Und auf den Mehrkampf konzentrieren wir uns dann. Und beim Luki habe ich gemerkt, dass da ein Genpool vorhanden ist, den es selten gibt.

Wo können Sie noch ansetzen?

Sportwissenschaftlich haben wir noch Potenzial, sportmedizinisch ist noch Luft nach oben. Es gibt einen super Spruch einer österreichischen Schneiderin: „Der Meister glänzt in der Knappheit seiner Ressourcen.“ So geht es uns. Wir könnten jammern, aber lieber probieren wir es einfach. Andererseits müssen wir natürlich auch aufzeigen, wo es gegenüber anderen Nationen fehlt.

Und woran fehlt es?

Wir brauchen soziale Anreize wie zum Beispiel Pensionen für Olympia-Medaillen. Und wir brauchen einen konkreten finanziellen Ansporn für Spitzensportler. Dann wird das System noch stärker.

Die Sportler sollen also mit Reichtum protzen?

Vielleicht nicht protzen. Aber ich würde mir wünschen, dass der Luki mit dem Porsche zum Training kommt. Das sehen die Jungen und die wollen das dann auch schaffen. Der Beste muss richtig gut verdienen, sonst sind wir die Depperln, die um fünf in der Früh trainieren, aber nichts davon haben.

Hat Österreich solche Vorbilder?

Natürlich. Dominic Thiem ist auch deshalb ein so großes Vorbild, weil er so gut verdient. Das sollten wir in der Leichtathletik auch schaffen.

Gibt es noch eine andere Motivation?

Die Eitelkeit. Die Athleten haben alle einen guten Körper, auch die im B-Kader. Das kann mit dem Lifestyle sehr gut zusammenpassen.

Wie sehen Sie den österreichischen Nachwuchs?

Unser Auftrag ist es, Leute zu Olympia zu bringen. Wenn ich ein Scouting mache von Sechs- bis Achtjährigen, kommen die Fußballer, und nehmen mir einmal die besten weg. Die Leichtathletik wird erst ab 14 interessant, weil sie polysportiv ist. Eigentlich müsste die Leichtathletik die Basisarbeit machen, und mit 16 entscheidet man, in welche Richtung der Sportler geht.