Aufschlag Thiem: Der 20-Jährige ist nicht nur der jüngste, sondern auch der beste Einzelspieler im Daviscup-Team.

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Tennis-Ass
03/30/2014

Thiem: "Ziel muss immer die Nummer 1 sein"

Der KURIER verlost eine Fanreise für zwei Personen zum Davis Cup nach Bratislava.

von Harald Ottawa

Dieses Mal stellte man Dominic Thiem einen Rumänen im Training hin. Dieser war nur damit beschäftigt, zu rufen, ob Thiems harte Schläge im Feld oder out waren. "Keiner schlägt so hart wie Dominic", lobt Trainer Günter Bresnik nach dreistündigem Training. In der Südstadt sprach der 20-Jährige danach über Entbehrungen, die Früchte harter Arbeit, Mutproben – und warum sein Team auf Teneriffa Probleme mit der Hotelleitung bekam.

KURIER: Österreichs Nummer eins heißt Dominic Thiem. Wie klingt das?

Dominic Thiem: Moment, ich bin Nummer eins, weil Jürgen Melzer nicht dabei sein kann. Aber es zeigt schon, dass ich gut gespielt habe.

Jetzt wird aber auch viel von Ihnen erwartet. Erzeugt das Druck?

Wenn ich nichts können würde, würde keiner etwas von mir verlangen. Es ist eine Ehre und eine Freude, für das Land zu spielen.

Sie haben eine hervorragende Saison mit dem Vorstoß in die Top 100. Die Entbehrungen der vergangenen Jahre zahlen sich aus. Dabei sah es ja vor acht Jahren nicht gut aus.

Ich habe die Rückhand immer beidhändig gespielt und Titel an Titel gewonnen. Mein Trainer Bresnik sagte, ich hätte so aber keine Chance, nach oben zu kommen. Mit der einhändigen Rückhand habe ich dann zwei Jahre gegen Spieler verloren, die vorher keinen Ball gegen mich gesehen hätten. Jetzt kann ich die Früchte ernten.

Sie mussten auf viel verzichten. Sehen Sie irgendwo eine verlorene Jugend?

Nein, ich war ohnehin nie der Fortgeh-Typ. Klar, es gab jahrelang nur Schule und Training. Wenn man etwas gerne tut, quält man sich auch dafür.

Jahrelang mussten die Eltern, allen voran der Vater, der für Ihre Karriere sogar eine Wohnung verkaufen musste, Entbehrungen hinnehmen. Löste das auch bei Ihnen Druck aus?

Sie mussten auf vieles verzichten, aber sie haben mir nie das Gefühl gegeben, dass sie Entbehrungen auf sich nehmen mussten. Und ich hab’ immer gewusst, sie werden mich auch noch lieben, wenn ich die Karriere nicht schaffen würde.

Sogar große Namen im Tennis haben daran nie gezweifelt. Roger Federer oder Ivan Lendl – viele prophezeiten Ihnen eine große Laufbahn. Was gab Ihnen am meisten Auftrieb?

Als ich 16 war, habe ich einen Vertrag bei Adidas bekommen. Ivan Lendl hat für den Vertrag den letzten Anstoß gegeben. Das hat mir enorm viel gegeben.

Kann ein Tennis-Profi, vor allem einer, der so hart arbeitet wie Sie, Hobbys haben?

Wenn ich zu Hause bin, besuche ich Freunde. Auf Reisen versuche ich, meinen Sport mit Besichtigungen zu verbinden. Da gab es schöne Sachen wie den Besuch des Feyenoord-Stadions in Rotterdam, aber auch weniger erfreuliche.

Diese wären?

In Acapulco hat mir Bresnik gesagt, ich solle mir die Stadt ansehen, um das wahre Leben kennenzulernen. Da sind Slums direkt neben Luxushotels. Vis-à-vis vom Tennis-Stadion wurde im Vorjahr ein Zuschauer erschossen. Bei der Stadtrundfahrt war mir auch im Taxi wenig wohl.

Sie haben Feyenoord erwähnt, Fußball-Fan sind Sie ja auch...

Ich bin Chelsea-Fan. Nächste Woche ist Champions League, das kann kritisch werden. Die anderen sind Fans der Bayern, die gegen Manchester spielen.

Zum Team Thiem. In diesem ist ja neben Bresnik und Ihrem Vater seit dem Vorjahr auch Ex­tremsportler Sepp Resnik dabei. Heuer schon mit ihm trainiert?

Heuer nicht. Aber er hat im Vorjahr wirklich gute Arbeit geleistet. Zuletzt trainierten wir im Spätherbst auf Teneriffa miteinander.

Die Hotelleitung war mit Ihnen nicht sehr zufrieden...

Ach ja, stimmt. Ernests (der Lette Gulbis trainiert ebenfalls bei Bresnik, Anm.) hat Sepp 100 Euro geboten, wenn er sich traut, in einen Ententeich zu springen. Sepp hat es natürlich getan und die ganzen Enten verscheucht. Im Hotel hat man weniger Freude damit gehabt.

Über welchen Platz würden Sie sich freuen?

Man spielt zwar, weil man geil auf Tennis ist, aber man muss immer so arbeiten, dass die Nummer eins das Ziel ist. Also jeden Tag ohne Kompromisse. Heuer ist der erste ATP-Titel das Ziel.

Jüngster Top-100-Spieler

Karriere

Dominic Thiem, geboren am 3. September 1993 in Wr. Neustadt, begann im Alter von sechs Jahren mit Tennis. 2011 schaffte er bei den French Open den Einzug ins Finale im Juniorenbewerb. Sein Debüt auf der Profi-Tour gab er kurz darauf in Kitzbühel. Zum Abschluss des Jahres gewann er die Orange Bowl nach einem Finalsieg über den Kärntner Patrick Ofner. In Wien feierte er im Oktober seinen ersten Erfolg auf der ATP-Tour – er besiegte Thomas Muster. In seinem ersten vollen Profijahr 2012 schlug Thiem ebenfalls in Wien den Slowaken Lukas Lacko, der auch in Bratislava sein Gegner sein wird. 2013 stand er in Kitzbühel (Sieg über Jürgen Melzer) und Wien jeweils im Viertelfinale und gewann in Marokko sein erstes Challenger. 2014 erreichte er (jeweils als Qualifikant) bei den Australian Open die zweite Runde, in Indian Wells die dritte, er ist jüngster Top-100-Spieler. Ab Montag ist er erstmals Top 80.

Dream-Thiem

Der ehemalige Daviscup-Kapitän und Boris-Becker-Coach Günter Bresnik übernahm Thiem vor zehn Jahren. Seit 2013 ist auch Sepp Resnik Coach, zum Team zählt zudem Michael Reinprecht und Vater Wolfgang Thiem (41).

Mit einem jungen Team zurück zu alten Erfolgen

Am Freitag schlägt Österreich in der Europa/Afrika-Zone in Bratislava gegen die Slowakei auf. Bei einem Sieg darf das Team um Kapitän Clemens Trimmel im September in der Relegation wieder um den Aufstieg in die Weltgruppe spielen.

Trimmel nominierte das jüngste Team seit Ewigkeiten. Auch, weil der heute 32-jährige Jürgen Melzer erstmals seit 13 Jahren aufgrund seiner Schulterverletzung nicht zur Verfügung steht. Oldie im Team ist der 33-jährige Doppelspezialist Alexander Peya. "Er ist gewissermaßen der Leitwolf", sagt Trimmel. Dazu kommen mit Thiem und Melzer-Bruder Gerald zwei Debütanten. Der 23-Jährige gewann heuer sein erstes Challenger-Turnier. Der 27-jährige Waldviertler Andreas Haider-Maurer hat bereits erfolgreiche Daviscup-Spiele hinter sich. Er war mitverantwortlich, dass Österreich 2012 erstmals seit 1995 ins Viertelfinale aufgestiegen ist. Mit Philipp Oswald steht ein weiterer Doppelspieler im erweiterten Aufgebot, er fährt aber in erster Linie wie auch der 17-jährige Lucas Miedler als Sparringpartner mit.

Damit steht mit Peya nur ein Doppelspezialist im Aufgebot. "Richtig so. Im Doppel kann man einen Punkt holen, in den Einzeln vier Punkte", rechnet Thiem-Coach Günter Bresnik vor.

Tickets

Rund 100 österreichische Fans haben sich schon angekündigt, es sollen mehr werden. Tickets gibt es unter www.oetv.at.

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