Sport
15.11.2018

Thiem übt sich nach dem „Drecksspiel“ in Selbstkritik

Professionell war nach dem Debakel gegen Federer die Selbsteinschätzung. Am Donnerstag will er eine Reaktion zeigen.

Dominic Thiem wirkte nicht wie der achtbeste Tennisspieler der Welt. Den Eindruck erweckte der 25-Jährige Dienstagabend weder auf dem Center Court noch im Interviewraum der O2-Arena in London. „Meine Leistung ist schwer zu erklären“, sagte Thiem nach dem eindeutigen 2:6, 3:6 gegen Roger Federer. Der Aufstieg ins Halbfinale bei den ATP Finals ist damit vor dem abschließenden Gruppenspiel am Donnerstag gegen Kei Nishikori (15 Uhr MEZ/live Sky Sport) in weite Ferne gerückt.

Ein Sieg in zwei Sätzen gegen den Japaner ist Pflicht, dazu muss Thiem darauf hoffen, dass Kevin Anderson Federer (21.00) besiegt. Tritt dieser Fall ein, sind die Mathematiker gefragt: Thiem, Nishikori und Federer hätten dann jeweils einen Sieg auf der Habenseite, womit das Satz- und Gameverhältnis über den zweiten Halbfinalisten entscheiden würde. „Es bringt nichts, Gedanken an die Rechnereien zu verschwenden. Wenn ich wieder so ein Drecksspiel abliefere, werde ich wieder verlieren und verdient ausscheiden.“ Immerhin stimmte die Selbsteinschätzung nach einer seiner schwächsten Leistungen der Saison.

Bilanz 2:6

Unabhängig vom Ausgang am Donnerstag bleibt der Saisonabschluss der besten acht Profis nicht das Lieblingsturnier des Österreichers. Bei seinem dritten Antreten in London stehen insgesamt zwei Siegen (2016 Monfils, 2017 Carreño Busta) sechs Niederlagen gegenüber. Damit setzt sich bei Thiem ein Trend fort: Abseits der Grand-Slam-Bewerbe, wo er auch heuer eine solide Bilanz vorweisen kann (Achtelfinale in Melbourne, Viertelfinale in New York, Finale in Paris), fehlen auf der zweitgrößten Turnierbühne die ganz großen Erfolge. „Das ist ganz klar ein Ziel für das kommende Jahr. Bei den Masters-Turnieren habe ich noch zu viele Weltranglistenpunkte liegen gelassen“, sagte Thiem bereits vor Turnierstart in London.

Dabei ist gerade die Konstanz über das gesamte Jahr seine große Stärke. In den vergangenen drei Jahren gab es nur zwei Spieler, die jede einzelne Woche Teil der Top 10 der Weltrangliste waren: Rafael Nadal und Dominic Thiem.